27. Juli 2009, 16:58 Uhr

Sieben alles andere als magere Jahre

Bad Nauheim-Nieder-Mörlen (hau). »Sie sind an den Altar getreten, und nach zwei Sätzen ist der Funke der Sympathie übergesprungen«, begann Pfarrgemeinderatsvorsitzender Dr. Peter Woelfing seinen Dank an Pfarrer Pater Jacob Thanniyil. Sieben Jahre war der aus Indien stammende Priester in der katholischen Pfarrgemeinde Maria Himmelfahrt tätig. Sieben alles andere als magere Jahre, wie am Sonntagabend im proppenvollen Gemeindezentrum beim Abschiedsfest für Pater Jacob immer wieder durchklang. Kurz nach seinem 70. Geburtstag wird sich Pater Jacob in Zukunft als Pfarrvikar in Bensheim ganz der Seelsorge widmen. Gesundheitliche Gründe hatten ihn veranlasst, die Last der Verwaltungsaufgaben in jüngere Hände zu legen.
27. Juli 2009, 16:58 Uhr
Pater Jacob mit dem »Engel auf dem Sprung«.

Bad Nauheim-Nieder-Mörlen (hau). »Sie sind an den Altar getreten, und nach zwei Sätzen ist der Funke der Sympathie übergesprungen«, begann Pfarrgemeinderatsvorsitzender Dr. Peter Woelfing seinen Dank an Pfarrer Pater Jacob Thanniyil. Sieben Jahre war der aus Indien stammende Priester in der katholischen Pfarrgemeinde Maria Himmelfahrt tätig. Sieben alles andere als magere Jahre, wie am Sonntagabend im proppenvollen Gemeindezentrum beim Abschiedsfest für Pater Jacob immer wieder durchklang. Kurz nach seinem 70. Geburtstag wird sich Pater Jacob in Zukunft als Pfarrvikar in Bensheim ganz der Seelsorge widmen. Gesundheitliche Gründe hatten ihn veranlasst, die Last der Verwaltungsaufgaben in jüngere Hände zu legen.

»Sie haben unserer Gemeinde ihre verlorene Identität, ihre Seele wiedergegeben.« Mit dieser Rückschau traf Woelfing genau das Empfinden, das die Pfarrei in einer ganz besonderen Aufbruchstimmung zu einem in mageren Jahren verloren geglaubten Zusammenhalt zurückführte. Der Abschied sei nicht zum Trauern gemacht, sondern zum Danken in Demut für die gute Zeit. Alle Festredner unterstrichen in ihren Dankesworten die offene, auf Menschen zugehende Art des Pfarrers, seinen Lebensmut und die ansteckende Freude am Glauben.

»Sie sind nicht dazu gemacht, in den Ruhestand zu gehen«, formulierte Dekan Hans-Joachim Wahl und überreichte Pater Jacob symbolisch einen »Engel auf dem Sprung«. Guten Rat zur Erkundung des neuen Wirkungskreises im Odenwald hatte aus Ober-Mörlen Pfarrer Karl-Hans Keil mitgebracht, der Bensheim aus seiner Schulzeit gut kennt. Nieder-Mörlens evangelischer Pfarrer Friedhelm Pieper betonte kurz vor seinem eigenen Weggang die ökumenische Verbundenheit beider Gemeinden und Bad Nauheims Stadtverordnetenvorsteher Prof. Friedrich-Karl Feyerabend das gute Verhältnis von weltlicher und kirchlicher Gemeinde.

Ortsvorsteher Hans-Jürgen Clausen und Georg Kipp im Namen des Vereinsrings betonten die ausgezeichnete gegenseitige Unterstützung in allen Belangen christlichen Zusammenlebens während der »Ära Pater Jacob«. Mit Beiträgen verschönerten die Pfarrgruppen das Bühnenprogramm im Gemeindesaal, und lange saß man bei Speis, Trank und Gesprächen beisammen.

Begonnen hatte die Feier in der Pfarrkirche mit einem von Orgel, Singkreis, Instrumentalgruppe und Blasorchester der Feuerwehr musikalisch ausnehmend schön gestalteten Festgottesdienst. Wie schon bei der Amtseinführung Anfang August 2002 schien die Sonne in ein bis auf den letzten Platz besetztes Gotteshaus, und genauso wie damals durchzogen, gespickt mit einem Schuss Humor, Offenheit, Freude und Herzlichkeit die Feierlichkeit der Stunde. »Ich freue mich, dass die Kirche so voll besetzt ist, ein sonst seltenes Bild«, wandte sich Pater Jacob augenzwinkernd an seine Gemeinde und die zahlreichen Gäste. Die sieben Jahre seien wie im Flug vergangen. Es sei eine schöne und segensreiche Zeit gewesen.

Aus seinem Lebensabschnitt hinaus begleiteten ihn neben Dekan Wahl und Pfarrer Keil auch der stellvertretende Dekan Thomas Korfmann, ein Mitbruder aus dem Orden Karmeliter der seligen Jungfrau Maria sowie Generalvikar Dietmar Giebelmann. Lesung und Evangelium erzählten davon, dass ein jedes Ding seine Zeit hat und das erste Gebot der Nächstenliebe gehört. Ein letztes Mal unterstrich der Pfarrer in einer ungewöhnlich langen Predigt, wie wohl er sich in seiner »zweiten Heimat« Nieder-Mörlen gefühlt habe. Ein jeder habe an seinem Platz dazu beigetragen, dass man gemeinsam den Weg des Glaubens gegangen sei und viel Gutes bewirkt habe.

Seinen persönlichen Dank an alle, nicht zuletzt für die große Unterstützung, als ihm nach einem schweren Autounfall 2003 ein »neues Leben geschenkt« worden sei, verband Pater Jacob mit der Bitte, weiter Kraft bei Gott zu schöpfen und andere mit der Freude am Glauben anzustecken. In Anlehnung an Mahatma Gandhi nahm er das »Geheimnis der Rose« zur Erklärung: »Alle lieben die Rose, weil sie duftet. Wir wollen also alle duftende Christen sein.« Abschiede gehörten zum Leben, auch wenn sie schmerzhaft seien. »Sie alle bleiben in meinem Herzen und meinen Gebeten eingeschlossen«, sagte der Pfarrer.

Generalvikar Giebelmann umschrieb den vor 45 Jahren zum Priester geweihten Pater indischer Abstammung nach dessen jahrzehntelangem segensreichen Wirken in Deutschland als »sichtbare Beschreibung von Weltkirche«. Die Zeiten hätten sich verändert, die Botschaft bleibe gleich. Pater Jacob, immer unterwegs, verkünde die Botschaft Gottes auf seine zuwendende Art, führe zusammen und setze Zeichen der Einheit. Des Pfarrers Schritt von der ersten in die zweite Reihe besiegelte Giebelmann mit der Überreichung der Entpflichtungsurkunde als Pfarrer und der Verpflichtungsurkunde als Pfarrvikar in Bensheim. Dort wird Pater Jacob am 1. Oktober seinen Dienst antreten. Bis sein Nachfolger Pfarrer Thomas Groß in Nieder-Mörlen am 15. September seinen Dienst antritt, füllt Dekan Wahl die Interimszeit als Pfarrverwalter.



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