Bad Nauheim

Kameras sollen Vandalen abschrecken

Bad Nauheim (bk). Genau zu beziffern sind die Schäden nicht, doch Vandalismus beeinträchtigt in Bad Nauheim nicht nur das Stadtbild, sondern belastet auch zunehmend die Stadtkasse. »Allein in den letzten Woche haben Randalierer im Kurpark Zerstörungen mit einem Volumen von 20 000 Euro angerichtet«, nennt Bürgermeister Bernd Witzel ein Beispiel. Auf dem Parkdeck an der Schwalheimer Straße, ein beliebter Treffpunkt Jugendlicher, werden des Öfteren Parkscheinautomaten geknackt und andere Schäden angerichtet. Nach Angaben der Stadtverwaltung belaufen sich die Reparaturkosten pro Jahr auf etwa 13 000 Euro. Um das Problem in den Griff zu bekommen, möchte der Magistrat jetzt einen Einstieg in die Videoüberwachung und schlägt vor, zunächst den Fußgängertunnel zwischen Bahnhof und Goldstein-Gebiet sowie das Parkdeck Schwalheimer Straße mit dieser Technik auszurüsten.
20. April 2009, 19:20 Uhr
Die Aufstockung des Parkdecks Schwalheimer Straße ist so gut wie abgeschlossen. Vandalismusschäden möchte der Magistrat mit Vide
Die Aufstockung des Parkdecks Schwalheimer Straße ist so gut wie abgeschlossen. Vandalismusschäden möchte der Magistrat mit Videokameras vorbeugen. (Foto: rüh)

Bad Nauheim (bk). Genau zu beziffern sind die Schäden nicht, doch Vandalismus beeinträchtigt in Bad Nauheim nicht nur das Stadtbild, sondern belastet auch zunehmend die Stadtkasse. »Allein in den letzten Woche haben Randalierer im Kurpark Zerstörungen mit einem Volumen von 20 000 Euro angerichtet«, nennt Bürgermeister Bernd Witzel gegenüber der WZ ein Beispiel. Auf dem Parkdeck an der Schwal-heimer Straße, ein beliebter Treffpunkt Jugendlicher, werden des Öfteren Parkscheinautomaten geknackt und andere Schäden angerichtet. Nach Angaben der Stadtverwaltung belaufen sich die Reparaturkosten pro Jahr auf etwa 13 000 Euro. Um das Problem in den Griff zu bekommen und die Sicherheitslage insgesamt zu verbessern, wird seit Jahren die Möglichkeit der Videoüberwachung besonders betroffener Punkte im Stadtgebiet diskutiert. Der Magistrat möchte jetzt einen Einstieg und schlägt vor, zunächst den Fußgängertunnel zwischen Bahnhof und Goldstein-Gebiet sowie das Parkdeck Schwal-heimer Straße mit dieser Technik auszurüsten. Zwar wird eine Überwachung weiterer Punkte für sinnvoll erachtet, aus finanziellen Gründen soll darauf derzeit aber verzichtet werden. Heute Abend wird sich der Bau- und Planungsausschuss mit dem Thema beschäftigen, am Donnerstag folgt der Haupt- und Finanzausschuss.

Der Kurpark bereitet Witzel derzeit die meisten Sorgen. Vor Ostern sei es in vielen Nächten zu Randale gekommen: »Um 1 oder 2 Uhr geht's los.« Aufgrund ihrer Größe kommt in dieser Grünanlage naturgemäß keine Videoüberwachung in Frage. Der Bürgermeister denkt deshalb über den Einsatz »Schwarzer Sheriffs« nach, private Sicherheitsfirmen, die das Wachpersonal in Form von Hilfspolizisten und freiwilligen Polizeihelfern unterstützen sollen. Weil der Kurpark eines von zwei Ausstellungsgebieten der Landesgartenschau 2010 ist und dort derzeit vieles neu gestaltet wird, summieren sich die Vandalismusschäden schnell zu einem fünfstelligen Eurobetrag.

Auch aus Sicht von LGS-Geschäftsführer Hartmut Kind muss die Sicherheitslage verbessert werden. Der Zaun um den Park soll deshalb bereits im November errichtet werden. »Warten wir länger, wird alles geklaut oder kaputt geschlagen«, sagt Kind, der zudem von zahlreichen Diebstählen auf Baustellen der LGS berichtet. Wenn der Zaun stehe, könnten bis April tagsüber »Schlupflöcher» für Kurpark-Besucher geöffnet werden, nachts dürfe es keinen Zugang geben.

Zurück zur Videoüberwachung: Für den Fußgängertunnel, der ab Mai saniert und modernisiert wird, ist die Installation einer solchen Anlage im Etat von 1 Million Euro bereits vorgesehen. Wie aus der Beschlussvorlage für die heutige Ausschuss-Sitzung hervorgeht, rechnet man dort mit Kosten von 24 500 Euro, weitere 6500 Euro müssen für die Einrichtung eines Videoraums im Polizeiposten Bad Nauheim veranschlagt werden. Von den insgesamt 31 000 Euro soll das Land 7000 Euro übernehmen.

Deutlich höher wären die Kosten für das Parkdeck Schwalheimer Straße, dessen Aufstockung dieser Tage abgeschlossen wird. Folgte man der Empfehlung des Landeskriminalamts, das zu schwenkbaren Kameras rät, käme auf die Stadt eine Investition von 130 000 Euro zu, das Land schießt in diesem Fall nichts zu. Aus Sicht des Magistrats ist eine solche Ausgabe nicht zu vertreten. Deshalb möchte man sich auf eine schwenkbare Kamera pro Etage beschränken, die restliche Fläche soll mit fest stehenden Videoanlagen überwacht werden.

Das Parkdeck ist als Treffpunkt bekannt, nicht zuletzt Jugendliche deutsch-russischer Herkunft kommen dort zusammen. Nicht nur Sachbeschädigungen werden verzeichnet, in der Vergangenheit ist es auch öfters zu Beschwerden von Anliegern gekommen. Von einer Videoüberwachung verspricht sich Witzel nicht nur einen Abschreckungseffekt, sondern auch Hilfe bei der Strafverfolgung. Wie es in der Beschlussvorlage heißt, sei allerdings »schwer abzuschätzen«, ob die gewünschte Wirkung wirklich eintritt.

Weitere Punkte im Stadtgebiet, an denen der Magistrat den Einsatz dieser Technik für wünschenswert hält, sind Sprudelhof, Trinkkuranlage, Marktplatz, Teile der Fußgängerzone und die Fußgängerunterführung zwischen Kernstadt und Schwalheim. Das ist allerdings Zukunftsmusik. Im Sprudelhof sind in den letzten Jahren ebenfalls enorme Schäden entstanden. Der Bürgermeister erinnert unter anderem an eingetretene Türen und eingeschlagene Fenster. Eine Reparatur dieser Jugendstil-Gebäudeteile verursacht besonders hohe Kosten. Bereits zu Zeiten von Kurdirektor Rainer Brill war deshalb eine Videoüberwachung im Gespräch. »Heute ist die Stiftung Sprudelhof zuständig. Die muss entscheiden, ob sie diese Investition für notwendig hält«, meint der Bürgermeister.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/bad-nauheim/art549,31419

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