24. August 2016, 16:33 Uhr

Kampf den Keimen im Freibad

Alles klar im Usa-Wellenbad? »Alles bestens. Sonst hätten wir ja nicht auf«, sagt Sascha Rieck, Badbetriebsleiter und Interimsmanager. An heißen Tagen tummeln sich bis zu 5000 Menschen im Bad Nauheimer Freibad. Urin, Speichel, Haare und mehr landen im Wasser. Sorgen sind laut Rieck aber unbegründet: »Die Wasserqualität ist gut.«
24. August 2016, 16:33 Uhr
Eine Anlage regelt die Wasserqualität in den Becken des Usa-Wellenbads – permanent und vollautomatisch. Zweimal pro Tag werden zudem händisch Proben genommen, um zu prüfen, ob die Technik richtig funktioniert. Sascha Rieck demonstriert, wie’s geht.

Es ist ein Irrglaube zu denken, das Wasser im Kinderbecken sei schmutziger als das im großen Schwimmerbecken«, klärt Sascha Rieck, Badbetriebsleiter im Usa-Wellenbad, auf. Lediglich die Pflege des Babybeckens, die sei etwas anspruchsvoller. Das liegt an den vielen Rundungen, der Wasserspritz-Krake und an der Rutsche – alles Hindernisse für den Bodensauger, der nur in rechtwinkligen Becken im Automatikbetrieb zum Einsatz kommen kann. Im Babybecken ist noch Handarbeit gefragt. Pünktlich zur letzten Ferienwoche hat sich der Sommer zurückgemeldet. An heißen Tagen kommen schon mal 4000 bis 5000 Besucher ins Freibad. Hochsaison für Keime, Viren und Bakterien. Laut Rieck, der auch Interimsmanager des Bades ist, aber dennoch kein Problem, da Viren und Co. rasend schnell abgetötet würden. Die Wasserqualität sei konstant gut, werde permanent von der Messanlage und zudem zweimal pro Tag händisch kontrolliert. »Die Werte werden dauerhaft dokumentiert.«

Morgens, noch vor der Öffnung des Bades, nimmt ein Angestellter in jedem Becken eine erste Probe. »Immer an einer anderen Stelle des Beckens«, berichtet der 36-jährige Rieck. Die Becken seien hinsichtlich der Durchströmung so konzipiert, »dass die Wasserwerte auch an der ungünstigsten Stelle in Ordnung sind«. Am frühen Nachmittag folgt die zweite Handmessung. Kontrolliert werden Chlor- und pH-Wert sowie die Wassertemperatur. Und zwar mit Instrumenten, die extra für den Badebetrieb entwickelt worden sind. Rieck hat in den vergangenen Jahren mehrfach erlebt, dass Besucher mit dem eigenen Thermometer angerückt sind, sich danach beschwert haben, das Messergebnis der Angestellten sei falsch.

Dass die Wasserqualität passt, dafür sorgt eine Anlage. Sie erkennt Abweichungen, steuert dagegen. Über Schieber und Regler werden verschiedene Chemikalien beigegeben, Chlor kommt zum Einsatz gegen Viren, Bakterien und Keime. Für den richtigen pH-Wert sorgen Gemische mit Salzsäure- und Schwefelsäureanteil oder eben Natronlauge. Sie werden vollautomatisch zugeführt. Die Anlage, um die sich drei Haustechniker kümmern, ist geeicht. »Mit den Handproben überwachen wir lediglich, dass sie richtig funktioniert. Schließlich können Maschinen auch mal einen Aussetzer haben«, sagt Rieck. Die Wasseraufbereitungsanlage sorge für eine permanente Durchströmung der Becken, das Wasser in jedem einzelnen werde pro Tag mehr als einmal komplett umgewälzt. »Man könnte die Umwälzleistung nachts drosseln, nur auf Teillast fahren«, sagt Rieck. Doch im Usa-Wellenbad wird auf Volllast gesetzt. »Dadurch sind die Wasserwerte besser, und man spart Zusätze ein.«

Ist das Wetter gut, steigt der Chlorverbrauch. »Die Sonne zieht Chlor.« Der typische Schwimmbadgeruch weist laut Rieck übrigens nicht darauf hin, dass zu viel der Substanz im Wasser sei, sondern nur darauf, dass »die Belastung an dem Tag hoch war«. Denn Chlor gehe mit Schmutz und Verunreinigungen Verbindungen ein. Das kann dann deutlich erschnüffelt werden.

Chemie allein sorgt nicht für eine gute Wasserqualität. »Pro Tag und Badegast müssen 30 Liter Frischwasser zugeführt werden. Das ist genau geregelt«, erklärt Rieck. Zudem hilft Technik, sprich ein ausgeklügeltes Filtersystem, dabei, Schmutzstoffe aus dem Wasser zu ziehen. Kleinstpartikel – sogenannte Schwebstoffe – werden aufgetrieben. Ein Flockungsmittel kommt zum Einsatz. »Dadurch werden nicht filtrierbare Stoffe in filtrierbare verwandelt.« Haare und Fusseln landen in einem Sieb. Pflaster, Schmuck, Kau- und Haargummis – sogenannte Sinkstoffe – werden über den Bodensauger oder händisch aus dem Becken gefischt. In der Hauptsaison komme pro Monat schon einmal eine handvoll Schmuck zusammen – vom Ehering bis zum Ohrstecker. »An der Kasse steht ein Kästchen mit den gefundenen Wertgegenständen«, sagt Rieck. Längst nicht jedes Schmuckstück werde abgeholt.

Wie viel Urin, Schweiß, Spucke genau im Becken ist? Das kann Rieck nicht sagen. »Über den Chlorwert wissen wir lediglich, wie stark verschmutzt das Wasser insgesamt ist.« Er habe mal gelesen, dass jeder Mensch Urin verliere. »Der eine mehr, der andere weniger. Nach dem Bericht kann man pro Badegast mit einem Schnapsgläschen rechnen.« Macht 4000 bis 5000 Urin-Schnapsgläschen pro heißem Hauptsaison-Tag. Schlimm sei das, auf die Wassermassen im Freibad gerechnet, allerdings nicht. Außerdem: »Die Aufbereitungs- und Filteranlagen sind heute dermaßen gut, die kommen damit klar.« Durch die permanenten Kontrollen habe man zusätzliche Sicherheit.

Ganz abgesehen davon: »Das Gesundheitsamt kommt unangekündigt regelmäßig vorbei.« Gibt’s Probleme, müssen Auflagen erfüllt werden. »Bei gravierenden Mängeln werden Becken auch einfach gesperrt.«

Von Fettfilmen und Kaugummis

Morgens erscheint das Wasser im Becken klarer als abends. Der Grund: ein Fettfilm, basierend auf Sonnencreme. Die Technik ist in der Lage, innerhalb weniger Stunden für Klarheit zu sorgen. Badebetriebsleiter Sascha Rieck freut sich aber trotzdem, wenn Badegäste nach dem Eincremen einen kurzen Moment warten, bevor sie wieder in die Fluten springen. »Für die Trübung der Wasserqualität wäre das nicht schlecht, auch würden die Filter weniger schnell verschmutzen.« Worüber sich Rieck außerdem freut: Wenn Besucher vor dem Schwimmen ihren Kaugummi in den Mülleimer werfen. »Denn fällt er beim Lachen aus dem Mund, kann er die Bürste oder den Beckenboden verkleben. Das sieht nicht schön aus.« Ganz abgesehen davon bestehe die Gefahr, sich am Kaugummi zu verschlucken. »Ihn vor dem Schwimmen aus dem Mund zu nehmen, dient auch dem Eigenschutz.«

Schlagworte in diesem Artikel

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos