15. April 2016, 19:43 Uhr

Ausladung Erika Steinbachs als Schadensbegrenzung

Bad Nauheim (bk). Am katholischen St.-Lioba-Gymnasium sind die Emotionen in den letzten Tagen hochgekocht – vor allem bei vielen Abiturienten. Grund war eine Einladung für kommenden Montag an die CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Erika Steinbach, die dem rechten Rand der Partei zugeordnet wird.
15. April 2016, 19:43 Uhr
E. Steinbach (Foto: DPA Deutsche Presseagentur)

Immer wieder stoßen ihre Äußerungen auf Unverständnis, auch in den eigenen Reihen. Im Februar sorgte ein Tweed der 72-Jährigen für Kopfschütteln: Auf dem Bild war ein kleines blondes Mädchen, umringt von dunkelhäutigen Menschen, zu sehen. Steinbach hatte das Foto mit »Deutschland 2030« überschrieben. »Das ist hart an der Grenze zum Rassismus«, sagt Lioba-Direktor Bernhard Marohn. Trotzdem wollte die Schulleitung ursprünglich an der Diskussionsveranstaltung »1946 - 2016: 70 Jahre Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg« für die Q4-Abiturienten-Jahrgänge festhalten – um der umstrittenen Christdemokratin am Freitag quasi in letzter Sekunde doch eine Absage zu erteilen.

Grundsätzlich hält Marohn eine Auseinandersetzung mit den Positionen Steinbachs für sinnvoll, auch mit ihren Aussagen zur Flüchtlingspolitik. Den Wunsch der Christdemokratin, daraus eine öffentliche Veranstaltung zu machen, hatte der Direktor abgelehnt, weil er ihr kein Forum bieten wollte. »Die Schüler können bei solchen Gelegenheiten üben, ihre Gegenargumente wirkungsvoll vorzubringen, eine harte Diskussion zu führen. « Voraussetzung sei allerdings eine Vorarbeit in den Kursen. Nach Angaben des Schulleiters war in der Lehrerkonferenz vereinbart worden, sich im Geschichts- oder Politik- und Wissenschafts-Unterricht darum zu kümmern. »Nur zwei von acht Kollegen haben daran gedacht. Ein Großteil der Abiturienten wäre unvorbereitet in die Debatte mit Steinbach gegangen«, sagt Marohn, eine Situation, die für einen Schulleiter unbefriedigend sei. Viele Schüler hätten sich selbst über Steinbach informiert und lautstark zu Wort gemeldet. Nach Aussage des Lioba-Direktors wäre eine Diskussion über das eigentliche Thema Vertreibung in dieser aufgeheizten Atmosphäre kaum noch möglich gewesen. »Es wäre nur noch um die aktuelle Flüchtlingspolitik und die Äußerungen Steinbachs gegangen.«

Am Freitag rief Marohn die Q 4-Schüler in der siebten Stunde zusammen, um über das Thema zu diskutieren. Bereits im Vorfeld habe die Schulleitung entschieden, die CDU-Rechtsauslegerin wieder auszuladen. »Es geht um Schadensbegrenzung.« Die Schüler, die sich kritisch geäußert hätten, habe er gelobt. Sie hätten sich mit ihrer Argumentation letztlich gegen die Schulleitung durchgesetzt. Da im Büro Steinbachs am Freitagnachmittag niemand mehr zu erreichen war, erfolgte die Absage per Mail.

Hätte die Leitung des Gymnasiums an der Veranstaltung festgehalten, wäre es auch zu einer Konfrontation mit der Antifaschistischen Bildungsinitiative (Antifa BI) aus Friedberg gekommen. Auf Facebook war von »Gegenaktionen« die Rede, sollte die Schule nicht einlenken. Nachdem die Absage bekannt worden war, bedankte sich die BI stattdessen für die Entscheidung. (Foto: dpa)



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