30. März 2016, 19:03 Uhr

Großer Aufwand – doch für wen?

Bad Nauheim (bk). »Da werden Steuergelder zum Fenster rausgeschmissen«, entrüstet sich ein Mann aus Schwalheim. Tatsächlich erscheint die Sanierung eines Straßen-Teilstücks im Bad Nauheimer Gewerbegebiet In den Langen Morgen sehr merkwürdig. In dem etwa 100 Meter langen Abschnitt gibt es keinen einzigen Anlieger.
30. März 2016, 19:03 Uhr
Das große städtische Grundstück in der Georg-Scheller-Straße (r.) wird derzeit als Zwischenlager für Erde und Bauschutt genutzt. (Foto: bk)

Die Georg-Scheller-Straße dient in erster Linie der Zufahrt zum Rewe- und zum Bio-Markt. Das mittlere Teilstück ist vor allem für Radfahrer und Fußgänger aus Schwalheim von Bedeutung. An der Stelle, wo die Georg-Scheller-Straße scharf nach links in Richtung Friedrich-Stoll-Straße abknickt, beginnt ein Weg, der in den Stadtteil führt. »Von Radfahrern und Fußgängern wird diese Verbindung unheimlich oft genutzt. Die Märkte sind schnell zu erreichen, junge Leute fahren mit dem Rad zum Schulzentrum oder in die Innenstadt«, berichtet ein Senior aus Schwalheim, der dort ebenfalls regelmäßig unterwegs ist.

Problem: Bei Dunkelheit fehlt bislang die Straßenbeleuchtung. Dankbar sind die Betroffenen der Stadt deshalb für die neuen Laternen, die auf dem Straßenabschnitt bis zum Fuß- und Radweg installiert werden. Weil die Verwaltung die Holperpiste derzeit ohnehin sanieren lässt, wird die Beleuchtung gleich mit erledigt.

Mit Kopfschütteln quittiert der Mann aus Schwalheim dagegen die Bauarbeiten zwischen dem Weg und der Friedrich-Stoll-Straße. »Dort ist nie ein Fahrzeug unterwegs, weil es keinen Anlieger gibt. Ich sehe höchstens mal einen Spaziergänger, dessen Hund sich auf der städtischen Wiese erleichtert.« Trotzdem erhält auch dieses Teilstück Laternen und erstmals eine Asphaltschicht. Die Kosten schätzt der kritische Bürger auf rund 30 000 Euro. Eine Verschwendung von Steuergeldern?

Im Normalfall trifft die Schilderung des Seniors zu: Dieses Teilstück wird für den Verkehr nicht benötigt. Derzeit bietet sich ausnahmsweise ein etwas anderes Bild, weil viele Baufahrzeuge unterwegs sind. Das gilt zum einen für das Unternehmen, das die Georg-Scheller-Straße instand setzt, zum anderen für die Firma, die in der Stresemannstraße arbeitet. Erde und Bauschutt, die dort anfallen, werden nämlich auf dem städtischen Gelände in der Georg-Scheller-Straße zwischengelagert.

Nach den Worten von Jürgen Patscha, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung im Rathaus, macht es durchaus Sinn, die Georg-Scheller-Straße durchgehend zu sanieren. Nur wenn das Umfeld stimme, sei es möglich, diese letzte unschöne Ecke in dem großen Gewerbegebiet zu vermarkten. »Bei dem städtischen Grundstück, das seit etlichen Jahren ungenutzt ist, handelt es sich um eine der letzten großen Gewerbeflächen in Bad Nauheim, die noch zu haben sind«, sagt Patscha. Für das Areal direkt an der B 3 gebe es immer wieder Anfragen – auch für Wohnbebauung. Möglich sei aber nur eine gewerbliche Nutzung.

Heruntergekommene Gebäude

Heute müsse Unternehmen aber mehr geboten werden als ein großes Grundstück. Die Umgebung müsse ebenfalls passen. Dazu gehöre die Erschließungsstraße, die bisher nicht asphaltiert war. Dazu gehörten aber auch die Nachbargrundstücke, wo einiges im Argen liegt. Direkt gegenüber der städtischen Liegenschaft ist ein Areal mit heruntergekommenen Gebäuden zu finden. »Wir sind mit dem Eigentümer aus der Schweiz im Gespräch. Es gibt zumindest eine gewisse Tendenz, dort etwas zu verändern«, berichtet der Fachbereichsleiter. Allerdings herrschten bei dem Eigner gewisse Ansichten, die mit der Realität nur schwer in Einklang zu bringen seien. Das gelte auch für die Preisvorstellungen.

An dieses Grundstück schließt sich ein zweites an, das ebenfalls nicht sinnvoll genutzt wird und dessen Erscheinungsbild stark verbesserungsbedürftig ist. »Wenn der öffentliche Straßenraum demnächst fertig ist, entwickelt sich vielleicht etwas«, hofft Patscha auf eine positive Veränderung in dieser Ecke des Gewerbegebiets. In Bälde werde die Firma Autoservice Sen hinter dem Rewe-Markt ins Gewerbeband Frankfurter Landstraße umsiedeln. Dann komme ein weiteres attraktives Gewerbeareal auf den Markt.



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