04. März 2016, 17:48 Uhr

Ein halbes Leben für die Katzen

Bad Nauheim (mi). Katzen kennen kein Wochenende und keinen Urlaub. Genau wie Helga Kupka, die sich seit 40 Jahren mit Herzblut um in Not geratene Tiere kümmert und jeden Tag ins Katzenhaus kommt, das es in Bad Nauheim nun seit 20 Jahren gibt. Dafür hat sie den Hessischen Tierschutzpreis verliehen bekommen.
04. März 2016, 17:48 Uhr
Helga Kupka (l.) mit Katze Filou und Bärbel Weber mit Kater Asti setzen sich seit Jahrzehnten für die Tiere ein. (Foto: agl)

Viele Passanten ahnen in der Bad Nauheimer Altstadt gar nicht, dass es dort ein kleines Haus gibt, in dem nur Katzen wohnen. Wer sie besuchen will, muss im Hof seine Schuhe desinfizieren, bevor er durch eine Art Schleuse in den Wintergarten gelangt, auf den an diesem Tag pausenlos der Regen prasselt. »Sie glauben gar nicht«, schwärmt Helga Kupka, »wie schön das im Sommer hier ist, wenn die Sonne hereinscheint und die Katzen sich in ihr räkeln.« Die Bad Nauheimerin war von Anbeginn dabei, die alte Schusterwerkstatt mit viel Idealismus umzugestalten, und sie wird mit dem Tierschutzverein in diesem Jahr das 20-jährige Katzenhaus-Bestehen feiern. Zudem begeht der Verein selbst sein 60-jähriges Jubiläum. »Helga Kupka hat ihr halbes Leben geopfert für die Katzen«, betont ihre Mitstreiterin Bärbel Weber, die sich gleichfalls schon seit Jahrzehnten um die in Not geratenen Tiere kümmert. Nicht selten, so erzählen beide, sei der ehrenamtliche Arbeitstag hier ein Fulltime-Job mit bis zu zehn Stunden. »Manchmal waren wir nächtelang unterwegs, um verletzte Tiere von der Straße zu retten, haben eine halbe Ewigkeit lang gewartet, bis sie in Fallen gegangen sind.«

»Wir brauchen junge Helfer«

Helga Kupka hat für ihr großes Engagement 2011 vom Ministerpräsidenten und der Umweltministerin Lucia Puttrich den Hessischen Tierschutzpreis verliehen bekommen. »Damals haben sie im Radio und Fernsehen darüber berichtet«, erinnert sie sich und zeigt stolz die Bilder der Zeremonie in Wiesbaden. Anfangs hatte sie als Chefin im Katzenhaus fast alle Arbeiten selbst übernommen: den Einkauf, die Aufnahme von Fundkatzen, Kontrollbesuche bei potenziellen Besitzern, aber auch das Putzen und Füttern, das täglich ansteht. Mittlerweile muss sie im höheren Rentenalter nach einer Operation Abstriche machen, kümmert sich um den Telefondienst und achtet nach wie vor akribisch darauf, ob es ihren Schützlingen gut geht. »Für uns wird es im Alter immer schwieriger, die Aufgaben zu erfüllen, deshalb brauchen wir dringend Nachwuchs und junge Helfer«, erläutert Bärbel Weber das größte Problem des Vereins.

Wer ins Haus eintritt, in dem sich im unteren Stockwerk das kleine Büro und die Futterküche befinden, muss eine steile Treppe erklimmen, um ins Wohnzimmer der Katzen zu gelangen. Für Helga Kupka ist diese Anstrengung derzeit zu groß, deshalb schaut sie nur von den Stufen hoch zu den Tieren. »Das hier ist Paul, der Älteste«, erklärt Bärbel Weber. »Er war voller Angst, als wir ihn eingefangen haben. Jetzt lässt er sich streicheln. Das ist für mich wie ein Wunder.«

Natürlich werden die Helfer hier für alle Anstrengungen mit großen Gefühlen und der Liebe der Katzen belohnt. »Sie geben uns so viel zurück«, strahlt Helga Kupka. Und doch muss man emotional auch abgehärtet sein. »Wer hier mitarbeitet, muss lernen, Abschied zu nehmen. Denn wir sind ja kein Gnadenhof, sondern haben das Ziel, die Tiere zu vermitteln. Hier muss man sich bewusst machen, dass es Menschen gibt, die sie genauso lieben wie wir.«

Der Tierschutzverein finanziert sich über Spenden, Mitgliedsbeiträge und Patenschaften. Davon fließt ein Großteil des Geldes auch in Tierarztkosten. »Da gibt es für uns keine großen Rabatte. Wir haben auch schon mal 1800 Euro für die Behandlung einer Katze bezahlen müssen«, erklärt Bärbel Weber, während Helga Kupka stolz auf ihre vielen Einfangaktionen frei lebender Katzen verweist, bei denen durch Kastration die unkontrollierte Vermehrung eingedämmt wurde. »In dieser Hinsicht kann uns die Stadt auch dankbar sein.«

Beiden ist es deshalb eine Herzensangelegenheit, die Zukunft ihres Vereins zu sichern, wofür sie mit Herzblut werben. »Wir sind ein Fünf-Sterne-Katzenhaus«, sagt Bärbel Weber, »an erster Stelle kommen bei uns die Tiere, dann die Arbeit, aber zuletzt natürlich auch die Geselligkeit. Wir haben auch sehr viel Spaß hier.«

Besuch und Prüfung

Samstags zwischen 15 und 18 Uhr besteht für Besucher die Möglichkeit, sich in dem Haus Usinger Straße 6 mit den Katzen zu beschäftigen und im besten Fall eine neue Lebensgemeinschaft zu gründen. Zuvor allerdings werden Interessenten vom Tierschutzverein genau geprüft,



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