Bad Nauheim

Patienten aus dem Schlaf gerissen

Bad Nauheim (lk/bk). Montag, 21.53 Uhr: Die Patienten der Kurpark-Klinik werden vom Feueralarm aus dem Schlaf gerissen. Viele flüchten auf die Straße, andere gehen auf den Balkon ihres Zimmers. Ein Feuerwehr-Großeinsatz folgt, auch wenn es letztlich ein Fehlalarm ist. Warum wurde das Gebäude nicht evakuiert?
15. Dezember 2015, 17:53 Uhr
Mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften eilt die Feuerwehr am Montagabend zur Kurpark-Klinik. Ergebnis: Wieder einmal ein Fehlalarm.	(Foto: lk)
Mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften eilt die Feuerwehr am Montagabend zur Kurpark-Klinik. Ergebnis: Wieder einmal ein Fehlalarm. (Foto: lk)

Für die vielen Kliniken in Bad Nauheim gibt es nach Angaben von Stadtbrandinspektor Ronald Neumann ausgeklügelte Einsatzpläne, die mit der Feuerwehr abgestimmt werden. Jedes Krankenhaus treffe hausintern eigene Absprachen, was notfalls in Sachen Evakuierung zu tun sei. Die Schulung des Personals sei ebenfalls Sache der Geschäftsführung. Für Kliniken wie das Hochwaldkrankenhaus mit vielen bettlägerigen Patienten und einer Intensivstation gelten andere Vorschriften als für Häuser wie die Kurpark-Klinik mit Reha-Patienten, die sich fast alle selbstständig fortbewegen können.

»Unser Haus ist in verschiedene Brandschutzabschnitte unterteilt, die beispielsweise durch spezielle Türen voneinander getrennt sind«, sagte Michael Poschmann, Geschäftsführer der Kurpark-Klinik in der Kurstraße. Werde ein Brandmelder ausgelöst, sei in der Brandmeldezentrale sofort ersichtlich, welcher Teil des Gebäudes betroffen sei. Die Mitarbeiter könnten unmittelbar die notwendigen Schritte einleiten. »Am Montagabend war es ein Brandmelder im Treppenhaus des ersten Untergeschosses, wo die Räume für Physiotherapie zu finden sind, aber keine Patientenzimmer. Außerdem stellte sich schnell heraus, dass es sich um einen Fehlalarm handelte. Eine Evakuierung wurde deshalb nicht eingeleitet«, berichtete der Geschäftsführer. Das Personal werde regelmäßig geschult, das Brandschutzkonzept ständig weiterentwickelt. Im Sommer seien die Regelungen zuletzt reformiert worden.

»Das war bösartig«

Für die rund 300 Patienten war der Alarm ein Schreck in der Abendstunde. Zu dieser Zeit lagen die meisten Kranken bereits im Bett. Etwa 100 Patienten, bekleidet mit Schlafanzug und Morgenmantel oder Jogginganzug, liefen auf die Straße. »Nicht einmal schlafen kann man in Bad Nauheim. Ich habe wunderschön geträumt und wurde dann durch ein Geräusch geweckt. Ich wusste gar nicht, wo das herkommt«, sagte Patient Michael Ressel, der im vierten Stock der Klinik untergebracht ist, am Montagabend.

Obwohl es der Feuerwehr mithilfe eines Haustechnikers erst nach einer guten halben Stunde gelang, die Alarmsirene abzuschalten, sickerte die Information vom Fehlalarm schnell nach draußen. »Wir haben gehört, dass jemand die Brandmeldeanlage im Keller eingeschlagen hat«, meinte Ressel. Mit der Frage, ob es sich um einen fahrlässigen oder vorsätzlichen Fehlalarm handelte, hat sich Geschäftsführer Poschmann noch nicht befasst. Nach Angaben der Polizei, die nicht vor Ort war, wurde bislang keine Strafanzeige erstattet. Feuerwehreinsatzleiter Marcus Müller ging von Vorsatz aus: »Jemand hat den Druckknopfmelder eingeschlagen. Man könnte sagen, das war bösartig.«

Die Feuerwehr rückte am Montagabend mit einem Großaufgebot von 30 Mann und fünf Fahrzeugen an. »Bei Kliniken gilt ein besonderer Alarmstärkewert, das genießt eine höhere Priorität«, sagte Stadtbrandinspektor Neumann. Dem Brandschutzkonzept der Kurpark-Klinik stellte er ein gutes Zeugnis aus. Damit habe es noch nie Probleme gegeben.

Über die Ursache für den Alarm wollte Neumann nicht spekulieren. Die Feuerwehr habe schon die merkwürdigsten Geschichten erlebt. »Erst kürzlich flog ein weicher Plastikball auf einen Brandmelder und hat tatsächlich den Alarm ausgelöst«, erzählte der Stadtbrandinspektor. Im Schwimmbad sei schon mal ein herumgeworfenes Mini-Surfbrett Ursache eines Feuerwehr-Einsatzes gewesen. »Der Besenstiel einer Putzfrau war ebenso vertreten wie ein Mann, der im Dunkeln den Lichtschalter bedienen wollte und den Brandmelder traf. Vor zig Jahren hatte wir mal Ärger in einer Schule. Zwei Jungs wurden tatsächlich erwischt und mussten bei uns antreten zum Waschen der Feuerwehr-Fahrzeuge.« Sollte es sich um einen vorsätzlich ausgelösten Fehlalarm handeln, komme auf den Verursacher die Rechnung für den Feuerwehr-Einsatz in Höhe von 538 Euro zu. Dabei unterscheide die Feuerwehr nicht zwischen fahrlässiger und vorsätzlicher Falschalarmierung. Außerdem sei mit strafrechtliche Konsequenzen zu rechnen.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/bad-nauheim/art549,108051

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