27. November 2015, 20:23 Uhr

Fotos für die Ewigkeit

Als Siggi Schemken damit begann, Foto-Autogramme zu sammeln, ahnte er nicht, welches Ausmaß seine Leidenschaft erreichen würde. Mit gut 7000 Exemplaren sammelte sich Deutschlands berühmtester »Promijäger« ins Guinness-Buch der Rekorde.
27. November 2015, 20:23 Uhr
Eines seiner ersten hochkarätigen Foto-Autogramme erhascht Siggi Schemken 1986 von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt. (Fotos: hau/Schemken)

Mutter Teresa, Nelson Mandela, Schwarzenegger oder Jassir Arafat, er hatte sie alle vor der Linse. Auf jedem Foto ist Kurt Siegfried Schemken mit abgelichtet. Warum er an Bad Nauheim hängt, erzählen der Gast aus Essen und »Onkel Otto« Ulrich-Peter Frank.

Seit sie sich 1993 im damaligen »Postkeller« kennengelernt haben, sind Frank und Schemken befreundet. Heute heißt Franks Bistro im Ernst-Ludwig-Ring »Onkel Otto«, und wieder freut sich der Wirt über seinen Gast aus Essen. Diesmal ist der Kurgast von damals für ein paar Urlaubstage angereist. »Hier ist’s einfach schön«, strahlt Siggi Schemken, erzählt von Ausflügen in die Umgebung und genießt sein Jägerschnitzel. Das imposante Gericht hat Frank zur Feier des Tages zubereitet. Während sich die Dartbar an diesem grauen Novemberabend langsam füllt, hält Peter Schubert hinter der Theke die Stellung. So können die Kumpels in Anekdoten kramen, und die Reporterin staunt Bauklötze. Siggi Schemken entpuppt sich als Deutschlands prominentester Autogrammsammler.

Den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde schaffte er 1997 nach 15 arbeitsreichen Jahren. Über 7000 Foto-Autogramme hatte der ehemalige Kellner aus Essen bis dahin zusammengetragen, und auf jedem einzelnen ist er selbst mit dem jeweiligen Prominenten abgelichtet. »Alles andere zählt nicht, das kann ja jeder.«

Seine Trophäen hat Schemken in 37 dicken Schwarten zusammengetragen, ordentlich sortiert nach Politik, Sport oder Showbusiness. Mutter Teresa, Joseph Ratzinger und Nelson Mandela geben sich ein ebenso illustres Stelldichein, wie Boxlegende Mohammed Ali mit den beiden Klitschko-Brüdern, Steffi Graf, Boris Becker und Michael Schumacher. Fotos von Siggi mit Arnold Schwarzenegger, mit Shirley Bassey, Siegfried & Roy, David Copperfield oder Heinz Rühmann, mit König Juan Carlos, mit dem König von Tonga, mit Michail Gorbatschow oder Lech Walesa. Einer der ersten ganz prominenten Unterzeichner war 1986 Altbundeskanzler Helmut Schmidt.

Das Who-is-Who einer ganzen Ära trifft sich in Schemkens Prominenten-Schwarten. Etliche Fernsehsender berichteten, allein die Zeitungsartikel über den prominenten Sammler füllen ein ganzes Buch. Gut gekleidet und das jeweilige Foto-Buch unter dem Arm, habe er sich an sein Ziel vorgearbeitet und den Prominenten unterschreiben lassen, erinnert sich der ehemalige Kellner. Seinen Fotoapparat habe er kurzerhand einem der Umstehenden in die Hand gedrückt. Kein leichtes Unterfangen, wie sich der Sammler erinnert. Oft habe er Blut und Wasser geschwitzt.

Besonders bei jenem Abenteuer am »Langen Eugen« in Bonn, an dessen Ende das Foto-Autogramm von Jassir Arafat stand. »Die Zeiten änderten sich«, schmunzelt Schemken. »Erst wurde ich vom Protokoll weggeschubst, später wurde ich gefragt, ob ich auch alles im Kasten hätte.« Seine Arbeitszeit habe er sich für das kostspielige Hobby gut einteilen können. Letztendlich sei ihm die Aufregung aber wohl aufs Herz geschlagen.

Am Geburtstag ins Guiness-Buch

»So kam Bad Nauheim ins Spiel«, erzählt Schemken von erfolgreichen Bypass-Operationen, Kuraufenthalten und seiner Liebe zur Kurstadt. Mit Ulrich-Peter Frank verstand er sich so gut, dass der ihn nicht nur in Altenessen besuchte, sondern mit ihm im Jahr 2000 auch zum Rekordfestival nach Bregenz fuhr. Auch die große Präsentation von Siggis Schätzen beim Festival hatte Frank organisiert. »Ich find’s großartig, was der Siggi da geschafft hat«, macht Frank keinen Hehl aus seiner Bewunderung und seiner Freude an den sagenhaften Anekdoten. »Wir waren oft zusammen im Kerzen-Stüberl bei Klaus Dießner«, erinnert sich Frank an Besuche in Bad Nauheims legendärer Weinstube. Auf Antrag seiner Familie bekam Schemken 1997 den Eintrag ins Guinness-Buch. »Das war genau an meinem Geburtstag«, erinnert sich der heute 68-Jährige. Die Aufnahme in den illustren Rekord-Klub Saxonia folgte auf dem Fuße.

Wenig später hängte er sein Hobby mit Rücksicht auf seine Gesundheit an den Nagel. Seit 13 Jahren ist er in seiner Heimatstadt Essen leidenschaftlich als Betreuungsassistent tätig, und bald wird er auch im Nikolaus-Kostüm den Menschen im Altersheim Freude bringen.

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