23. September 2015, 19:53 Uhr

Wenn Bäume warnen

Bad Nauheim (ui). »Die Bäume in einem Wald sind sehr sozial. Sie stehen in engem Kontakt miteinander, warnen und schützen sich gegenseitig.« Mit diesen Worten begann Hartmut Backhaus vom Verein »Bürgerinitiative Waldpark Skiwiese« seine Erläuterungen zu den Geheimnissen des Waldes.
23. September 2015, 19:53 Uhr
Vorstandsmitglieder von Bürgerstiftung und BI sowie Mitwanderer machen während der informativen Tour an der Herfurth-Ruh Station. (Foto: ui)

Die BI hatte gemeinsam mit der Bürgerstiftung »Ein Herz für Bad Nauheim« zu einer Waldwanderung eingeladen. Es ging um »Das geheime Leben der Bäume und Sträucher«. Dabei stellte die Stiftung die BI »Waldpark Skiwiese« als Träger ihres Ehrenpreises vor. Beispielhaftes Engagement und Nachhaltigkeit waren Kriterien für die Wahl. Ingo Renzel, Vizepräsident der Bürgerstiftung, stellte deren zahlreiche Aktivitäten vor.

Backhaus nannte jede Menge Beispiele für pflanzliche Kommunikation, die wissenschaftlich belegt sind. Wenn Menschen von anderen angegriffen werden, rufen sie laut um Hilfe oder laufen davon. Das können Pflanzen nicht, aber wehrlos sind sie deshalb noch lange nicht. Sie haben sich über die Jahrtausende ausgefeilte Verteidigungstechniken einfallen lassen. Darüber hinaus sind sie tatsächlich in der Lage, andere Pflanzen zu warnen.

Die Hilferufe sind nicht hörbar und existieren doch. Sie basieren auf Signalstoffen. Besonders gut konnten diese bei Akazien erforscht werden: Wenn ein Fressfeind Akazienblätter beschädigt, sendet der Baum das gasförmige Pflanzenhormon Äthylen aus, das sich mit dem Wind verbreitet. Andere Akazienbäume reagieren darauf mit einer starken Produktion von Gerbstoffen, die in kürzester Zeit die Blätter unverdaulich machen. Substanzen mit Signalwirkung sind im Pflanzenreich weit verbreitet. Beispielsweise bewirkt die Salicylsäure der Weiden, dass der Baum Feinde erkennt und Resistenzen ausbildet.

»Goldschatz vor der Haustür«

Im Wald ist es im Sommer kühler und im Winter wärmer als außerhalb, zudem geht der Wind nicht so stark. Dadurch entstehen für das Bodenleben optimale Bedingungen. Backhaus verwies besonders auf die Bedeutung der Bodenpilze, die unterirdisch große Flächen durchziehen. Dünne Pilzfäden leben in enger Beziehung zu den Wurzeln der Waldbäume, wachsen bis in die Wurzelspitzen hinein. Dadurch entsteht eine Symbiose, die für Bäume und Bodenpilze vorteilhaft ist. Die Bäume können durch die Pilzfäden ihre Wasseraufnahme verbessern und erhalten mineralische Nährstoffe. Aber auch die Pilze profitieren, bekommen Energie von den Bäumen, die über das Blattgrün gewonnen worden ist. Durch die unterirdischen Pilzgeflechte sind die Bäume des Waldes miteinander verbunden. Es wurde sogar nachgewiesen, dass zwischen benachbarten Bäumen unterschiedlicher Arten ein Stoffaustausch stattfinden kann. Negativ wirken sich Verdichtungen auf das Bodenleben aus, wie sie insbesondere durch den Reifendruck schwerer Forstmaschinen entstehen.

Stiftungspräsident Armin Häfner bedauerte während des Spaziergangs, dass die Revierförstereien aufgelöst wurden, sodass die Beförsterung nur noch in großem Maßstab vonstatten gehe. Er machte darauf aufmerksam, dass es in Bad Nauheim nicht nur eine Revierförsterei gegeben habe (neben dem Waldhaus), sondern auch die Oberförsterei nahe des Skulpturenparks.

»Auch daran kann man die große historische Bedeutung des Bad Nauheimer Waldparks erkennen, für den sich die Bürgerinitiative einsetzt.« Vizepräsident Ingo Renzel und Ulrike Basler-Kaiser sprachen von einem »Goldschatz vor der eigenen Haustüre«. Alle waren sich einig, dass das Bewusstsein für die Bedeutung des Waldparks verbessert werden müsse. Die Veranstaltung klang mit einem gemütlichen Beisammensein in der Wilbrandhütte aus; das Büfett hatten Bürgerstiftung und BI gemeinsam vorbereitet.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos