17. Juni 2015, 15:23 Uhr

Rock’n’Roll statt Rechtsmedizin

Bad Nauheim (ik). Zur allerbesten »Tatort«-Zeit gab es am Sonntagabend in Bad Nauheim ausgerechnet von einem seiner Top-Stars Konkurrenz für diesen Krimi: Jan Josef Liefers alias Prof. Karl-Friedrich Boerne tauschte den Rechtsmediziner-Kittel gegen Mikro und Gitarre und rockte mit seiner Band »Radio Doria« das Dolce-Theater.
17. Juni 2015, 15:23 Uhr
Leutselig: Liefers im Publikumsgespräch.

Schweißgebadet, rundum »happy«: Dieses Gefühl einte Musiker und 650 Fans in dem ausverkauften Haus nach zweieinhalb Stunden ununterbrochener Personality-Bühnenshow der besonderen Art. Dass mit »J. J.« und seiner fünfköpfigen Band ein Hochkaräter im Jugendstiltheater zu Gast war, ist dem »Kultursommer Mittelhessen« zu verdanken, der mit diesem Konzert unter dem Titel »Die freie Stimme der Schlaflosigkeit« offiziell in seine nunmehr 23. Saison startete.

Seit 2002 sorgt Liefers als Schauspieler an der Seite von Axel Prahl im »Tatort« aus Münster für Recht und Ordnung. So ganz nebenbei hat er sich eine Karriere als Musiker aufgebaut. Seit 2006 geht er mit »Radio Doria« (ehemals »Oblivion«) regelmäßig auf Tournee. Mit beachtlichem Erfolg: Auf das Konto des Musikers Liefers gingen erst jüngst zwei »Echo«-Nominierungen. Ebenso wie im autobiografischen »Soundtrack meiner Kindheit« vermittelt der gebürtige Dresdener auch im neuen Programm teils hoch emotionale Ein- und Rückblicke in sein Leben. Mit Johann Weiß (Gitarre), Jens Nickel (Gitarre), Gunter Papperitz (Keyboards), Christian Adameit (Bass) und Timon Fenner (Drums) an der Seite zieht Liefers das Publikum mit überwiegend rockigen Songskizzen in seinen Bann.

Den Geschmack der Masse bedient er damit nicht – und erntet dennoch oder gerade deswegen auch in Bad Nauheim tosenden Applaus. Mit großer Leidenschaft erzählte Liefers dort die Geschichte seiner Songs: »Es war so eine Idee, dem Kopfradio, das zwischen den Ohren abgeht, wenn man im Bett liegt und nicht schlafen kann, eine Stimme zu geben.« Themen, die keineswegs mainstream-tauglich sind. In den Liedern geht es um Beziehungen zwischen Menschen, um die Liebe, aber auch um Krieg und Terror. All das kommt mal druckvoll-rockig, mal melodisch-sentimental und dann wieder psychedelisch-traumwandlerisch rüber. Schöne Bilder im Kopf hinterlässt etwa das eingängige Liebeslied »Ein Hallelujah«, wenn es »Tage, an denen sich der Herzschlag verschiebt« beschreibt. Das Zeug zum Ohrwurm hat »Sehnsucht Nr. 7«, das im Reggae-Sound daherkommt und bei dem das Publikum schier aus dem Häuschen geriet: Die Musiker lieferten eine rasante Percussion-Sequenz. Dazwischen immer wieder augenzwinkernde Schauspielerei – klar: Die Rolle des Prof. Boerne, die ist Liefers auf den Leib geschrieben. Die Show bot nonstop Abwechslung, angefangen von stimmungsvollen Videosequenzen auf großer Leinwand bis zur Tänzerin in schneeweißem Tutu und der gelungenen Einbindung des Publikums: Dass der Gitarre, Ukulele und Mundharmonika spielende Liefers zum Walzertanz dann ausgerechnet Heike Häuser auf die Bühne holte, brachte ihm vor allem eine schlagfertige Replik der offenkundig begeisterten Bürgermeister-Gattin ein. Zum Finale war die Bühne von Fans bevölkert, der Saal stand Kopf: »J. J.« tauchte in die Menge ein und verabschiedete sich per Handschlag.

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