28. Mai 2015, 12:53 Uhr

Häuser zu Klinikverbund: Neuaufteilung in den Gremien tabu

Wetteraukreis (hed). Im WZ-Interview rät der GZW-Aufsichtsratsvorsitzende und Bad Nauheimer Bürgermeister Armin Häuser, bei den Verhandlungen zum Gesundheitszentrum Mittelhessen nicht nur den finanziellen Status quo zu berücksichtigen.
28. Mai 2015, 12:53 Uhr
Ob das Gesundheitszentrum Wetterau bald mit den drei Kliniken im Lahn-Dill-Kreis kooperiert, ist noch nicht entschieden. (Foto: Nicole Merz)

Zudem macht er deutlich, dass an der geplanten Besetzung der Kontrollgremien, die laut Vertrag je zur Hälfte mit Vertretern aus Lahn-Dill- und Wetteraukreis besetzt sein sollen, nicht gerüttelt werde dürfe.

Lahn-Dill-Landrat Wolfgang Schuster (SPD) hatte zuvor mitgeteilt, er wolle eine breite Basis für einen Beschluss zum Gesundheitszentrum Mittelhessen. Die CDU im Lahn-Dill-Kreis könnte diese vereiteln. Sie will zum derzeitigen Zeitpunkt dem Vertragswerk nicht zustimmen. »Wir werden nicht dazu beitragen, die Katze im Sack zu kaufen«, erklärte der Vorsitzende der größten Fraktion im dortigen Kreistag. Er verweist auf das Gutachten, das die Finanzlage des Gesundheitszentrums Wetterau (GZW) als angespannt betitelt hatte. Die CDU vermisse Konzepte, wie die Gesellschaft mit den »erheblichen finanziellen und wirtschaftlichen Risiken der Wetterauer Kliniken« umgeht.

Gegenüber der WZ äußerte sich Häuser zu den Verhandlungen.

Herr Häuser, wie hoch schätzen Sie die Chance ein, dass es bald ein Gesundheitszentrum Mittelhessen geben wird?

Armin Häuser : Mehr als 50 Prozent. Ich denke, in der Wetterau stehen die Beschlüsse. Auch wenn jetzt noch einmal die Beratungsschleife im Lahn-Dill-Kreis gezogen wird, sehe ich mehr Chancen als Risiken.

Jedoch haben Politiker im Lahn-Dill-Kreis Bedenken ob der finanziellen Leistungsfähigkeit des Gesundheitszentrums Wetterau. Die dortige CDU sagt, eine Zustimmung sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Was antworten Sie ihr?

Häuser: Die Überzeugungsarbeit muss Landrat Schuster vor Ort leisten, so wie wir unsere Arbeit in Bad Nauheim und im Wetteraukreis erledigen müssen. Aber ich glaube, dass wir in der Vergangenheit bewiesen haben, dass das GZW gut aufgestellt ist. Was jetzt an Zahlen herumwabert, ist nicht immer zutreffend. Es gibt in Schotten ein Problem – das war allen Beteiligten bekannt. Deshalb gibt es die vertragliche Zusage des Wetteraukreises für einen Verlustausgleich für drei Jahre. Danach wird man entscheiden müssen, ob Schotten in den Verbund passt oder nicht. Also gehen weder der Lahn-Dill-Kreis noch die Stadt Bad Nauheim ein finanzielles Risiko ein.

Das von den Lahn-Dill-Kliniken in Auftrag gegebene Gutachten nennt die Finanzlage gleichwohl angespannt. Andererseits heißt es, das GZW habe ein beachtliches Eigenkapital. Wie ist denn nun die tatsächliche finanzielle Lage?

Häuser: Natürlich haben wir ein beachtliches Eigenkapital. Mit dem, was insbesondere Wolfgang Potinius nach der Fusion der Kliniken des Wetteraukreises auf den Weg gebracht hat, haben wir bezüglich der wirtschaftlichen Ausgestaltung in Schotten einen großen Schritt gemacht. Mit unserer Lage mitten in Hessen, mitten in Deutschland, mitten in Europa haben wir eine gute Zukunftsperspektive, die man jenseits aller betriebswirtschaftlichen Zahlen auch nicht unterschätzen sollte.

Sollte sich ein Nein zum Vertrag im Lahn-Dill-Kreistag abzeichnen, wird dann noch einmal verhandelt?

Häuser: Im Prinzip gilt: Das Paket ist geschnürt. Ich will nicht generell Nein sagen. Aber an der gleichmäßig verteilten Besetzung in Gesellschafterversammlung und Aufsichtsrat werden wir nicht rütteln. Wenn man das infrage stellt, stellt man den gesamten Verbund infrage.

Gibt es in Bad Nauheim noch Diskussionsbedarf über den Gesellschaftervertrag oder wird heute Abend abgestimmt?

Häuser: Nun ist das Ende der Verhandlungsphase. Jetzt geht es um Entscheidungen. Es gab im Ausschuss noch Detailfragen, aber letzten Endes eine breite Mehrheit auch über die schwarz-grüne Koalition hinaus. Mag sein, dass der eine oder andere wegen der Berichterstattung in den Medien nun ein Stück weit verunsichert ist. Aber ich rechne mit einem Gremienbeschluss.

Braucht es tatsächlich eine gemeinsame Dachgesellschaft, um Dinge wie den Einkauf von medizinischem Equipment zusammenzulegen? Wo liegen Ihrer Ansicht nach die wirklichen Vorteile einer Holding?

Häuser: Das wäre natürlich nicht nur eine Einkaufsgemeinschaft. Es zeichnet sich ab, dass es nach der nächsten Gesundheitsreform für die kleinen Krankenhäuser immer schwieriger werden wird, zu bestehen. Perspektivisch wird man bestimmte Leistungen nicht mehr mit der Krankenkasse abrechnen können, wenn die Fallzahlen nicht hoch genug sind. Wir wollen die kommunale Trägerschaft erhalten. Dafür strategische Lösungen zu finden, ist in einem Verbund einfacher als in einer losen Gemeinschaft.

Wird sich das GZW einen anderen Partner suchen, wenn die Kooperation mit den Lahn-Dill-Kliniken scheitert?

Häuser: Der Lahn-Dill-Kreis ist weiterhin unser gewünschter Partner. Aber es gibt sicherlich auch Alternativen. Wir haben – unabhängig von den betriebswirtschaftlichen Zahlen, die nur den Status quo abbilden – einiges zu bieten. In einer immer noch prosperierenden Region sind wir gut aufgestellt und auch für andere ein attraktiver Partner. Wir haben für die Verhandlungen eineinhalb Jahre Zeit und viel Arbeit investiert. Das wäre nicht umsonst gewesen, sollte der Verbund doch scheitern.



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