20. Mai 2015, 17:53 Uhr

Das freundliche Auge des Gesetzes

Bad Nauheim (lk). Sie sind im Einsatz für Recht und Ordnung. Ihr Revier: die Bad Nauheimer Parks und die Fußgängerzone. Rosemarie Schneider und Armin Völker sind Polizeihelfer. Sie haben ein Auge auf Radler in der Stresemannstraße und Sonnenanbeter auf der großen Wiese im Kurpark.
20. Mai 2015, 17:53 Uhr
Sorgen für Recht und Ordnung: Die Polizeihelfer Rosemarie Schneider und Armin Völker. (Foto: Laura Kaufmann)

Doch die beiden und ihre Kollegen können nicht überall sein. Der freiwillige Polizeidienst im Wetteraukreis sucht daher Verstärkung.

Seit einer Dreiviertelstunde dudelt der Akkordeon-Spieler dasselbe Lied. Einige Geschäftsleute rund um die Stele sind genervt. Rosemarie Schneider (68) und Armin Völker (69) greifen ein. Die Friedbergerin und der Dorheimer sprechen den Musiker an, bitten ihn, woanders hinzugehen. Der Mann nickt.

Schneider und Völker sind seit fast zehn Jahren Polizeihelfer. Den freiwilligen Dienst gibt es derzeit in Bad Nauheim, Bad Vilbel, Karben und Rosbach. 29 Ehrenamtliche laufen in den vier Kommunen Streife. Die Polizei sucht weitere Helfer.

Beim Kontrollgang von Schneider und Völker durch die Fußgängerzone bleibt es am Montagnachmittag ruhig. »Unsere Hauptaufgabe ist es, Präsenz zu zeigen«, sagt Völker. »Das erhöht das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger«, ergänzt Schneider. Das Wichtigste bei ihrem Einsatz: »Immer freundlich bleiben, nie stoffelig sein.«

Am Rosengarten nähert sich ihnen ein Radfahrer. Er scheint zu wissen, dass er hier nicht radeln darf. Als er die beiden entdeckt, steigt er nicht ab, sondern tritt in die Pedale und düst davon. »Manchmal zeigen sie einem auch den Vogel oder den Mittelfinger«, sagt Rosemarie Schneider. Anfeindungen haben sie und Völker im Lauf der Jahre immer wieder mal erlebt. Meist können sie dagegen nicht viel tun. Manchmal aber schon: Ein Autofahrer titulierte Völker beim letzten Drachenfest in Bad Nauheim als »Arschloch«. Der 69-Jährige merkte sich das Kennzeichen und erstattete Anzeige. »Das Verfahren läuft noch.« Doch nicht selten gibt es auch Anerkennung. Ein Kurpark-Besucher etwa sagt am Montag zu den beiden: »Gut, dass Sie da sind. Sie sollten viel öfter hier sein.«

Fünf bis sechs Touren laufen Völker und Schneider pro Monat. Jede dauert drei bis vier Stunden. »Insgesamt dürfen wir nicht mehr als 20 Stunden pro Person im Monat machen«, sagt Schneider. Ausgebildet werden die Helfer von der Polizei, die sie in Absprache mit der jeweiligen Kommune einsetzt.

Bei herrlichem Wetter haben es sich am Montag einige Parkbesucher auf der großen Wiese im Kurpark gemütlich gemacht. Dabei darf man die laut Parkordnung nicht betreten. Die Polizeihelfer weisen die Betroffenen höflich auf das Verbot hin, ein knutschendes Paar sucht schnell das Weite.

Pfefferspray noch nie gebraucht

Auf dem Holzdeck am Teich herrscht Ruhe. »Letzte Woche haben da Abiturienten gefeiert und ordentlich Müll hinterlassen«, berichten die Polizeihelfer. Eigentlich dürften sie Ordnungsgelder verhängen und Strafzettel verteilen. »Aber das machen wir nicht«, sagen sie, während sich eine Frau auf dem Rad nähert. Sie muss absteigen. Ihr Sohn hingegen kann weiterradeln. »Kinder bis acht Jahre dürfen im Park fahren«, erläutert Völker auf dem Weg um den großen Teich. Dort treffen sie auf einen querschnittsgelähmten Mann im Liegerad, der darf natürlich auch fahren. Eine etwa 30-jährige Rollerfahrerin, die absteigen muss, findet das ungerecht. »Dann bin ich jetzt auch behindert«, ruft sie den Polizeihelfern zu. Rosemarie Schneider sagt entschieden: »Sind Sie mal lieber froh, dass Sie das nicht sind.«

Wenige Meter weiter will ein Parkbesucher von Völker wissen, wie es eigentlich dem Bernd geht. Welchem Bernd? Na, dem Bernd Witzel natürlich. Völker und Schneider zucken mit den Schultern. »Woher sollen wir das wissen«, raunt Schneider. Völker ergänzt: »Hätten wir nicht die Uniform an, würden wir so was nie gefragt.« Ausgerüstet sind die Polizeihelfer neben der Uniform mit einem Ausweis, Handy und Pfefferspray. Aber das haben sie »zum Glück« noch nie gebraucht.

Auf dem Weg zum Sprudelhof treffen die beiden einen Bier trinkenden jungen Mann. Sie weisen ihn auf das geltende Alkoholverbot hin. »Das wusste ich nicht. Ich bin nur Schreiner, vielleicht übersteigt das meine Kompetenz«, erwidert er verdattert. Ein Sprinterfahrer, der an der Minigolfanlage Bänke abholen will, wird belehrt, dass er im Park nur mit Sondergenehmigung fahren darf, eine Hundehalterin in Nähe der Trinkkuranlage darüber informiert, dass dort Leinenpflicht besteht, und immer wieder sind es Radler, die gebeten werden abzusteigen. »80 Prozent Radfahrer, 10 Prozent Hundebesitzer, 10 Prozent Wiesenlieger«, fasst Völker die Hauptaufgaben zusammen.

Im Südpark bekommen die beiden einen Anruf von der Polizei. Eine 80-jährige Altenheimbewohnerin, bekleidet mit roter Jacke und schwarzem Rock, wird vermisst. Die Polizeihelfer sollen die Augen offen halten.

Warum die beiden sich seit vielen Jahren engagieren? »Weil es Spaß macht, es eine spannende und abwechslungsreiche Aufgabe ist«, sagt Rosemarie Schneider. Sie wolle nicht nur auf der Couch sitzen. Trotzdem, bald ist für die beiden Schluss, denn älter als 70 Jahre darf ein Polizeihelfer nicht sein.

Der freiwillige Polizeidienst

Der freiwillige Polizeidienst ist auf der Suche nach Verstärkung. Bewerben kann sich jeder, der zwischen 18 und 65 Jahre alt ist und einen Schulabschluss oder eine abgeschlossene Ausbildung hat. Für ihren Einsatz erhalten die Polizeihelfer von den Kommunen eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 7 Euro pro Stunde. Interessierte können sich bis 8. Juni bei Oberkommissarin Elke Engel bewerben, Tel. 0 60 31/60 11 10, E-Mail: pd-wetterau.ppmh@polizei.hessen.de.



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