16. Februar 2016, 13:36 Uhr

Keine Angst vor alten Kollegen

Irgendwann fängt jeder einmal an. Bei Lea Rolly fällt dieser Tag auf den 6. März. Dann stellt sich die 21-Jährige aus Oppershofen zur Wahl für einen Sitz im Gemeindeparlament. Mitverantwortlich für diese Entscheidung ist wohl die Mutter. Einschneidender war jedoch eine brisante Diskussion, die die Gemeinde kürzlich führte.
16. Februar 2016, 13:36 Uhr
Lea Rolly hat einen Vorteil: Ihre Mutter Pia hat bereits langjährige Erfahrung in der Kommunalpolitik. Dass die 21-Jährige sich nun auch für einen Sitz in der Gemeindevertretung zur Wahl stellt, hat jedoch andere Gründe. (Foto: Sabrina Daemon)

Bei den Rollys ist Politik Frauensache. Zumindest wenn es ernst wird. Klar, sagt Pia Rolly, ihr Mann und die zwei Söhne diskutieren mit, wenn eines der vielen lokalpolitischen Themen beim Abendessen zur Sprache kommt; sobald es jedoch darum geht, Beschlussvorlagen durchzuackern und Entscheidungen zu treffen, sind die Frauen gefragt: Pia und Lea Rolly, Mutter und Tochter, Grünen-Politikerinnen und Anwärterinnen auf einen Sitz in der Gemeindevertretung. Die Mutter hat bereits Erfahrung. Die 21-jährige Tochter stellt sich am 6. März zum ersten Mal zur Wahl. Sie will Politik machen, diskutieren und vor allem »frischen Wind in die Sache bringen«.

Vielleicht liegt es an der Mama. »Durch sie war ich schon immer sehr nah dabei«, sagt Lea Rolly. Und doch: »In der Schule fand ich Politik total langweilig.« Wodurch sich ihre Einstellung verändert hat? Am meisten wohl durch die Windkraft-Diskussion. Für die Jungpolitikerin waren die geplanten Windräder bei Oppershofen ein großes Thema. »Wir müssen früher oder später sowieso auf umweltfreundliche Energien umsteigen. Es geht nicht, dass wir das Thema wegschieben. Wir sollten den ersten Schritt machen.« Die Mehrheit der Rockenberger sah das allerdings anders, wie sich durch eine Bürgerbefragung zeigte.

Doch ob die Windräder nun gebaut werden oder nicht: Für die 21-Jährige war die Diskussion richtungsweisend. Denn selbst wenn Mutter Pia bei den Grünen ist, war der Beitritt für Tochter Lea keinesfalls selbstverständlich. »Ich habe mir vorher Parteiprogramme angeschaut und gemerkt, dass ich hinter den Zielen der Grünen stehe.«

Dass sie diese nun vertreten will, dafür entschied sie sich spontan, kurz bevor die Frist für die Zulassung der Wahlvorschläge endete (und ohne Drängen der Mutter). »Ich will mich für die Gemeinde einsetzen.«

Lea Rolly ist lokal verankert. »Das Schöne hier ist: Man fängt klein an. Zuerst die Grundschule, Klasse 1 und 2, dann der erste Schritt nach draußen in die weiterführende Schule nach Rockenberg und schließlich nach Butzbach oder Bad Nauheim« – der klassische »Oppershofener Weg«, den auch Lea Rolly gegangen ist. »Nach dem Fach-Abi habe ich überlegt, woanders hinzuziehen. Aber ich wollte nicht unbedingt weg hier.« Und so ist sie geblieben, lebt im Dachgeschoss des Elternhauses und macht eine Ausbildung als Anlagenmechanikern.

Politik soll ein Hobby bleiben. Ein zeitaufwendiges, wie sie durch die Mutter weiß. Und eines, in das sie sich erst einmal einarbeiten muss. Doch darüber macht sie sich keine Sorgen: »Wenn ich Fragen habe, frage ich. Damit hatte ich noch nie ein Problem.« Auch nicht, wenn der Altersdurchschnitt weit über ihren 21 Jahren liegt und viele Kollegen Erfahrung vorweisen. Lea Rolly sieht darin eher einen Vorteil: Junge Leute können festgefahrene Ansichten ins Wanken bringen.

Dass es bei der Wahl tatsächlich mit einem Sitz im Gemeindeparlament klappt, ist jedoch unwahrscheinlich: Lea Rolly ist auf Listenplatz 5, in der aktuellen Legislaturperiode haben die Grünen drei Sitze. Doch selbst, wenn sie in diesem Jahr keine Gemeindevertreterin wird, will sie die heimische Politik weiter verfolgen. »Ich glaube, ich kann etwas bewirken, wenn ich mich richtig dafür einsetzte.«

Junge Politik
Bundesweit ist das durchschnittliche Parteimitglied in CDU, CSU, SPD und Linke 59 Jahre alt. Dies zeigen die Analysen des Berliner Politologen Oskar Niedermayer. Lokal ist es mit dem Durchschnitt nicht anders: Beim Blick in die Liste der Wahlvorschläge für die Gemeindevertretung in Rockenberg bilden die über 40-Jährigen die Mehrheit. Liegt es an der Politikverdrossenheit der Jugend? Wohl kaum. Denn die ist politisch oft im Internet aktiv. Jungpolitiker twittern aus politischen Sitzungen, rufen in Youtube-Videos zu Diskussionen auf und berichten auf ihren Facebook-Accounts von ihrem Alltag. Den gleichaltrigen Internet-Nutzern gefällt’s. Das zeigt zum Beispiel der Youtube-Kanal von Florian Mundt alias LeFloid. Über 2,7 Millionen Zuschauer haben den Kanal abonniert, regelmäßig kommentiert er dort das aktuelle Weltgeschehen. (sda/dpa)


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