28. April 2014, 09:18 Uhr

60 Jahre im Fanfaren- und Spielmannszug getrommelt

Altenstadt (geo). Gerhard Winkler sitzt auf einem Stuhl vor dem Vereinsraum der Altenstadthalle und hört sich konzentriert die Probe an. Bis vor drei Jahren war Winkler noch selber als Trommler im Fanfaren- und Spielmannszug (FSZ) Altenstadt aktiv. Nun ist der 90-Jährige zwar im musikalischen Ruhestand, bleibt dem Verein aber weiterhin als Zuhörer und Kritiker verbunden.
28. April 2014, 09:18 Uhr
Gerhard Winkler hat auch die Geschichte dieses Pokals miterlebt: Den Ehrenpokal des Landes bekam der Fanfaren- und Spielmannszug 1998 während der Landeswertungsspiele in Gießen. (Foto: Georgia Lori)

Seit 1978 ist Gerhard Winkler schon Ehrenmitglied des FSZ, dem er 1952 beitrat. Er pflegte stets die Kameradschaft mit seinen Vereinskollegen und trug über all die Jahre mit seiner Spielfreude und seinem Einsatz zur Förderung des Vereins bei. Gemeinsam mit Walter Müller, der über 20 Jahre Stabführer war, und dem langjährigen Vorsitzenden Heinrich Mekiska half Winkler, den 1952 wieder neu gegründeten Spielmannszug publik zu machen. »In 60 Jahren habe ich keine 50-mal gefehlt«, sagt er stolz. Eine enorme Leistung, wenn man bedenkt, dass der FSZ pro Jahr mindestens 100 Termine absolviert. Tradition und Disziplin stehen hinter Winklers Engagement.

Von Schlesien nach Altenstadt

Geboren wurde Winkler am 15. August 1923 in Schlesien. Nach Arbeitsdienst, Militär und Gefangenschaft konnte er nicht mehr in die Heimat zurückkehren. Heinrich Harter, den Winkler in der Gefangenschaft kennengelernt hatte, nahm den Vertriebenen mit in seine hessische Heimat – nach Altenstadt. Eine glückliche Fügung des Schicksals: Winkler lernte hier Irma Bittner kennen, die er 1951 heiratete. Die Familie vergrößerte sich um eine Tochter und einen Sohn sowie zwei Enkel. Winkler arbeitete nach dem Krieg in der Baufirma Wayss & Freytag auf verschiedenen Baustellen in der Werkzeugausgabe. Insgesamt 20 Jahre, bis zu seinem Eintritt in das Rentenalter.

Musik interessierte ihn schon als Kind. Bereits als Zehnjähriger begann Winkler, auf der Trommel zu spielen. 1952 erlernte er im FSZ Altenstadt das Trommelspiel, bis 2010 spielte er im Register Schlagwerk des Vereins, in der Gruppe der Marschtrommeln, sowohl in der Region als auch in den Niederlanden, Belgien, Österreich, der Tschechei und in Polen. »Zur Steubenparade nach New York wäre ich gerne mitgereist«, sagt Winkler.

Doch an Erinnerungen mangelt es ihm auch so nicht. Mit Leidenschaft besuchte er die Übungsstunden, immer dienstags und freitags von 20 bis 21.30 Uhr. »Die Kameraden zu treffen, das war die schönste Zeit«, sagt Winkler. Geselligkeit sei ihm immer wichtig gewesen. Der Verein, die Spielleute und die Musik – das war sein halbes Leben. Dafür hat er sich Zeit genommen, trotz der beruflichen Anspannung und obwohl er dreimal gebaut hat. »Der Spielmannszug ging immer vor. Meine Frau hat mich unterstützt«, dankt Winkler ihr.

Seine Leidenschaft für den Spielmannszug wirkte ansteckend in der Familie. Sein Schwiegersohn Gunter Saßmannshausen bläst Fanfare, sein Enkel Chris wurde 1988 aktives Mitglied und ist inzwischen Stabführer.

Für seinen langjährigen, unermüdlichen Einsatz für den FSZ hat Winkler 1987 den Ehrenbrief des Landes Hessen überreicht bekommen. Zahlreiche Ehrungen auch seitens der Gemeinde und vom Musikverband sowie Ehrennadeln der Vereine wurden ihm überreicht. »Im Prinzip hat er alle Auszeichnungen der Ehrenordnung der Vereine in diesem Bereich bekommen«, sagt Chris Saßmannshausen stolz über seinen Großvater.

Zehn Ständchen zu seinen Ehren

Über 400 Pokale und Auszeichnungen hat der FSZ in seinem Besitz. Winkler hat beim jahrzehntelangen Kampf um fast alle Pokale mitgewirkt. »Jeder Pokal hat eine andere Geschichte.« Er wünscht sich noch mehr Jugendliche im Verein. Derzeit sind 60 bis 70 Jugendliche aktiv oder in der Ausbildung.

Zu seinem 90. Geburtstag brachte der FSZ dem Jubilar das mittlerweile zehnte Ständchen. 30 Minuten lang durfte Winkler während des letzten Sommerfestes fünf Musikstücke genießen. Das erste Ständchen hatte ihm der FSZ 1973 gespielt – zum 50. Geburtstag. Verändert hat sich Winkler seitdem nicht. Werte wie Kameradschaft, Hilfsbereitschaft und Zuverlässigkeit bestimmen auch heute noch sein Leben. (Foto: Lori)

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