01. Januar 2010, 18:38 Uhr

Festliches Programm stimmt auf Jahreswechsel ein

Altenstadt-Engelthal (arc). Das traditionelle Stiftskonzert zum Jahresausklang »Mit Pauken und Trompeten« bescherte der Abtei Kloster Engelthal auch in diesem Jahr wieder einen Besucheransturm. Für das in Zusammenarbeit mit der Altenstädter Gesellschaft für Geschichte und Kultur organisierte Konzert brach in diesem Jahr alle Rekorde, man hätte jede Karte zweimal verkaufen können, berichtete Äbtissin Elisabeth Kraleman.
01. Januar 2010, 18:38 Uhr
Das Ensemble: »Quattromba«, Fumiko Namura und Andreas Köhs (v. l.). (Fotos: Stephan)

Altenstadt-Engelthal (arc). Das traditionelle Stiftskonzert zum Jahresausklang »Mit Pauken und Trompeten« bescherte der Abtei Kloster Engelthal auch in diesem Jahr wieder einen Besucheransturm. Für das in Zusammenarbeit mit der Altenstädter Gesellschaft für Geschichte und Kultur organisierte Konzert brach in diesem Jahr alle Rekorde, man hätte jede Karte zweimal verkaufen können, berichtete Äbtissin Elisabeth Kraleman.

Schon zur Stammbesetzung des Konzertes gehören der Kantor der Frankfurter Dreikönigsgemeinde Andreas Köhs an der Orgel und das Trompeten-Quartett »Quattromba« (Volker Bender, Norbert Vohn, Lutz Mandler und Thomas Markowic). Zum ersten Mal dabei war Schlagwerkerin Fumiko Nomura aus Kyoto an Pauken, Marimbaphon und kleiner Trommel.

Ein festliches Programm vom Barock bis in die Gegenwart stimmte die Zuhörer auf den Jahresausklang ein. So erklang zur Eröffnung Henry Purcells »Symphony form ›The Fairy Queen‹ «, in dessen erstem Satz die Trompeten fanfarenartig ins Stück einführten. Unterstrichen wurde der barocke Charakter besonders durch die harten Schlägel, die Nomura an den Pauken verwendete. Ein Effekt, der bei allen Liedern des Konzerts aus dieser Epoche beibehalten wurde. Der zweite Satz klang als verspielter Bläserteil weniger formell. Die Orgel leitete nach wuchtigen Tönen im dritten Satz das gemeinsame, wieder feierliche Finale im letzten Teil der Sinfonie ein.

Köhs wagte sich sodann an eines von Johann Sebastian Bachs großen Orgelwerken, die Toccata d-moll. Man kennt sie meist aus den Anfängen des Kinos, wo sie erklang, wenn es besonders bedrohlich wurde. Köhs’ Interpretation brachte neue Ideen in das alte Werk. Eine kleine Einlage an der kleinen Trommel servierte Fumiko Nomura, als sie ein ganzes Stück nur auf dieser spielte. Rechts führte sie dabei einen normalen Trommelstock, während sie links immer wieder wechselte vom Paukenschlägel bis hin zum »Besen« aus der Jazz-Musik. Durch das Anschlagen am Rand oder in der Mitte des Felles erweiterte sie das Klangrepertoire der einfachen Trommel nochmals und zeigte so, dass man für ein gutes Solo kein ganzes Schlagzeug braucht. Im Anschluss daran widmete sich die Schlagwerkerin dem Marimbaphon, dem sie die sanft an- und abschwellenden Wellen des Stückes »A little Prayer« von Evelyn Glennie entlockte. Mit Schnörkeln und Trillern versehen stimmte das ganze Ensemble Giuseppe Torellis »Sinfonia D-Dur« ein. Fortgesetzt von der Orgel, die zwischen mächtigen Harmonien und feinen Melodien wechselte, luden die Bläser anschließend zu einem schwungvollen Tanz im Dreiertakt ein.

Die klassischen Melodien und Harmonien mit weniger Ecken und Kanten der folgenden Werke von Felix Mendelssohn waren ein Kontrast zum bisherigen, fast ausschließlich barocken Programm. Der Psalm »Jauchzet dem Herrn« in Mendelssohns ruhiger Vertonung wie ein respektvoller Lobgesang und verzauberte die Zuhörer. Ebenso hatte der Komponist »Denn er hat seinen Engeln befohlen« bearbeitet, und viele Konzertbesucher schlossen dabei die Augen und ließen sich treiben.

»Was packt er heute aus?« fragten sich viele Besucher, als Lutz Mandler von Quattromba etwas aus einem Beutel kramte. Der Musiker ist den Stammgästen des Stiftkonzerts als experimentierfreudig bekannt. Und er enttäuschte sie auch diesmal nicht, als er ein kleines Intermezzo auf einer Südsee-Muschel zum Besten gab.

Feierlich, mit viel höfischem Prunk und hell klingenden Barocktrompeten setzte das Ensemble das Programm mit dem »Marche« aus Georg Friedrich Händels Occasional Oratorio fort. Dass die Berufsmusiker eine der »üblichen« Versionen des bekannten Werkes »Nun danket alle Gott« spielen, hatte wohl kein Besucher gerechnet. Doch brachte die neue Bearbeitung des Klassikers von Sigfrid Karg-Elert zunächst manche fragende Gesichter in die Reihen des Publikums. Wie in einem Flickenteppich huschte hier und dort ein entfremdetes Motiv des Chorals vorbei. Doch bald verschwanden die fragenden Blicke, und die Konzertbesucher spitzten interessiert die Ohren. Schließlich erntete die Bearbeitung ebenso großen Applaus, wie die Stücke zuvor.

Zum Abschluss des Konzerts folgte wieder ein bekanntes Werk in bekannter Form. Traditionell endet das Stiftungskonzert zum Jahresausklang mit Händels »Feuerwerksmusik«. Auf diesen Höhepunkt hatte das Publikum gewartet, hellwach, und hier und ertappte man sich dabei, die feierlichen Sätze unbewusst mitzudirigieren. So erklang auch der Satz »Ein Fest der Freude« nochmals als Zugabe, bevor das knapp zweistündige Konzert endete.



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