29. Januar 2021, 21:57 Uhr

Zufrieden mit Arbeit im Supermarkt

29. Januar 2021, 21:57 Uhr
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Aus der Redaktion
Alleinerziehende haben bei der Jobsuche nicht selten mit Vorbehalten von Arbeitgebern zu kämpfen. SYMBOLFOTO: FOTOLIA/LUNAUNDMO

Alleinerziehende auf Jobsuche stehen häufig vor doppelten Hürden: Schwierigkeiten bei der Kinderbetreuung, geringere zeitliche Flexibilität und oftmals keine Hilfe, wenn ein Kind krank wird. Gerade in der Corona-Krise wirken sich diese strukturellen Nachteile besonders deutlich aus.

Den überwiegend weiblichen Alleinerziehenden, die Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB II) beziehen, gilt das besondere Augenmerk der hessischen Kommunalen Jobcenter. Dort weiß man, dass dem Integrationserfolg häufig nicht die fehlende schulische oder berufliche Qualifizierung entgegensteht.

Im Gegenteil: Alleinerziehende Arbeitslose hätten im Vergleich zu den anderen SGB II-Leistungsbeziehenden überproportional gute Schul- und Ausbildungsabschlüsse.

Diese Faktenlage lasse darauf schließen, dass es für alleinerziehende Arbeitslose bei gleichen oder günstigeren Voraussetzungen grundsätzlich schwerer ist, eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt aufzunehmen und dort Fuß zu fassen.

Die Kommunalen Jobcenter in Hessen wissen aus langjähriger Erfahrung, dass es bei Teilen der Arbeitgeber immer noch Vorbehalte gibt, hinsichtlich der Verfügbarkeit und des Ausfallrisikos von Alleinerziehenden.

Die Jobcenter sehen eine ihrer wesentlichen Aufgaben darin, mit positiven Beispielen ein Umdenken herbeizuführen. Gerade die Digitalisierung biete vielfältige Chancen für flexibles und mobiles Arbeiten in vielen Berufsfeldern. Alleinerziehende Jobsuchende sind eine wertvolle Fachkräfte-Reserve, die der Arbeitsmarkt bislang nur unzureichend abruft. Dies zeigte sich auch beim folgenden Beispiel: Natalie S. aus Lauterbach ist 37 Jahre alt und alleinerziehend. Ihre erwachsene Tochter lebt beim Vater, die siebenjährige Tochter bei ihr.

Jahrelang hat sich die gelernte Hauswirtschaftshelferin mit Arbeiten als Reinigungskraft auf 450-Euro-Basis und zusätzlicher Unterstützung durch die KVA Kommunales Jobcenter durchgeschlagen. »Leider war die Tatsache, dass ich alleinerziehend bin und die Betreuungsmöglichkeiten für meine Tochter dadurch begrenzt sind, immer wieder ein Problem für potentielle Arbeitgeber«, erklärt S. »Da fällt es teilweise schwer, motiviert zu bleiben.«

Doch Natalie S. ließ sich nicht unterkriegen. »Meine persönliche Ansprechpartnerin in der KVA hat mich über eine lange Zeit betreut und mir immer wieder geholfen. Neben der persönlichen Betreuung haben mir auch die angebotenen Maßnahmen wie das Bewerbungscoaching, die Intensivberatung, die Teilnahme an der Werkakademie, geholfen, meinen jetzigen Job zu finden.«

Seite Mitte November vergangenen Jahres arbeitet Natalie S. als Teilzeitkraft in einem Supermarkt in Lauterbach. »Ich bin sehr glücklich, hier eine Chance bekommen zu haben, um zu zeigen, dass auch alleinerziehende Mütter gute Arbeitskräfte sind. Ich hoffe, dass andere alleinerziehende Mütter und Väter durch meine Geschichte motiviert werden, nicht aufzugeben und Maßnahmen der KVA ernst zu nehmen.«

Aufgrund der Teilzeitbeschäftigung ist die 37-Jährige zwar weiterhin auf finanzielle Unterstützung durch das Kreisjobcenter angewiesen, »aber ich kann meiner Tochter zeigen, dass es wichtig ist, arbeiten zu gehen und das macht mich stolz.«

Dieses Beispiel zeige, dass die Jobcenter mit maßgeschneiderten Beratungs- und Qualifizierungsangeboten auf die besonderen Bedürfnisse alleinerziehender Leistungsbeziehender eingehen.



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