28. März 2021, 20:28 Uhr

Wählerprotest gegen Demo-Szene

28. März 2021, 20:28 Uhr
Bei der Kommunalwahl schnitt die AfD in manchen Orten sehr gut ab. FOTO: JOL

Das Ergebnis der Kommunalwahlen in Homberg ist gleich in mehrfacher Hinsicht besonders. Dabei spielt die Debatte über den Bau der Autobahn A 49 durch die Gemarkung eine zentrale Rolle. Doch auch die hohe Zustimmung zur AfD in Appenrod ragt aus den Zahlen heraus. Darüber gab es schon Debatten auf digitalen Plattformen und Reaktionen in der Öffentlichkeit.

Stattliche 28,93 Prozent Zustimmung erhielt die rechtspopulistische Partei in Appenrod bei der Kreistagswahl. In der Ohmstadt ist sie nicht mit einer lokalen Liste angetreten. Das ist zwar nicht der höchste Zustimmungswert im Kreis, aber das Ergebnis ist erklärungsbedürftig.

Zur Erinnerung: Kreisweit kam die AfD auf 8,2 Prozent der Stimmen, 2016 waren es noch 5,8 % gewesen. Der Spitzenwert bei dieser Kreistagswahl wurde in Grebenhain-Bermuthshain mit 31,43% erreicht, in Schotten-Einartshausen waren es beachtliche 30,95%. Im Grebenhainer Ortsteil Herchenhain kam die AfD auf 27,17 %. Appenrod ist demnach nicht Spitze, aber in der Spitzengruppe.

In anderen Kommunen kamen allerdings in einzelnen Ortsteilen hohe Werte zustande. So erreichte die AfD in Burg-Gemünden 21,28%, in Erbenhausen 18,94% und in Wohnfeld 24,07%. Die Ergebnisse in Kirtorf-Gleimenhain mit 15,61 % und in Kirtorf-Kernstadt mit 11,53% liegen ebenfalls über dem Vogelsbergresultat.

AfD strikt für Bau der Autobahn

Das sind Zahlen aus einzelnen Ortsteilen, es gibt aber auch Gegenbeispiele. So erreichte die rechtspopulistische Partei in Kirtorf-Arnshain marginale 1,74%, in Kölzenhain 5,46%. Die Gemeindeergebnisse spiegeln das wider, so lagen sie in Schwalmtal gerade mal bei 4,06%, in Ulrichstein bei 5,26% und in Schotten mit 3,48% noch mal darunter.

Doch zurück zu Appenrod: Wie kommt ein so hohes Ergebnis pro AfD zustande. Gegner der Autobahn können nicht unter den Wählerinnen und Wählern sein. Denn die AfD Vogelsberg ist strikt für den Ausbau der Infrastruktur (außer Windkraft) und eindeutig für die Autobahn.

Was Appenrod von anderen Orten unterscheidet, ist, dass ein junger Ortsbewohner auf der Kreisliste antritt. Kommunalwahlen sind Persönlichkeitswahlen, das zeigt sich auch in solchen Einzelergebnissen. Auf Nachfrage der Allgemeinen nennt Ortsvorsteher Richard Fleischhauer noch zwei weitere Punkte zur möglichen Erklärung. Zum Einen gebe es im Ort einige Menschen, die Baumbesetzungen und Demonstrationen ablehnen. Aus Protest gegen die Demoszene im Dannenröderf Wald hätten vermutlich manche ihr Kreuz bei der AfD gemacht.

Viele Briefwähler

Zudem gibt das Stimmergebnis nur einen Teil der Wirklichkeit wieder, wie Fleischhauer anfügt. Denn in Appenrod wurde rege von der Briefwahl Gebrauch gemacht, die für den Stadtteil genannten 28,93% beziehen sich nur auf die Stoimmabgabe im Wahllokal. Dabei wurde eine Beteiligung von knapp 44 Prozent gemessen, bei der Ortsbeiratswahl zum Beispiel lag diese aber bei über 82 %.

Die Appenröder, die per Briefwahl andere Parteien gewählt haben, sind also im Briefwahlbezirk 2 von gesamt Homberg/Ohm ausgezählt worden und sind demnach nicht in das Wahlergebnis von Appenrod mit eingeflossen. Dort, in dem Briefwahlbezirk 2, erntete die AfD nur 5,76%.

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