26. Mai 2021, 21:40 Uhr

Von Kirchengemeinden reich beschenkt

26. Mai 2021, 21:40 Uhr
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Aus der Redaktion
Thomas und Andrea Harsch blicken zuversichtlich in die neue Zeit. Sie ziehen nach Rheinhessen, wo er eine neue Pfarrstelle hat. FOTO: PM

Gemünden (pm). Nach 20 g Jahren im Feldatal zieht es Pfarrer Thomas Harsch und seine Frau Andrea nach Rheinland-Pfalz. In den rheinhessischen Kirchengemeinden Armsheim und Bornheim wird der 56-Jährige eine neue Pfarrstelle antreten. Im Februar 2001 kam Harsch als junger Pfarrvikar auf Betreiben des damaligen Propstes Klaus Eibach auf die vakante Stelle in Ehringshausen. Hier wurde er 2004 Pfarrstelleninhaber und Pfarrer auf Lebenszeit und mit der Fusion der Dekanate Homberg und Alsfeld zum Dekanat Alsfeld auch stellvertretender Dekan. Letzteres war er bis zur Fusion der Dekanate Alsfeld und Vogelsberg im Jahr 2019.

Eine Zeit der Pfarrerschwemme

Geboren wurde Harsch 1965 in Bad Vilbel-Heilsberg. Die Oberstufe verbrachte er im Internat in Laubach. Dorthin hat es ihn im Spezialvikariat wieder zurückverschlagen - als Religionslehrer und Schul- und Wohnheimseelsorger. »Nach meinem ausführlichen Studium - wir befanden uns in den 90er-Jahren ja in der Zeit der Pfarrerschwemme, und so habe ich nicht nur evangelische Theologie, sondern auch katholische Theologie, Kinder- Jugend- und Familienpsychologie sowie vergleichende Religionswissenschaften studiert - musste ich immer noch drei Jahre auf einen Vikariatsplatz warten«, berichtet Harsch. Die Zeit verbrachte er im Sozialdienst in der Altenheimseelsorge und in der Sterbebegleitung in seiner Heimatstadt Bad Vilbel. Von prägenden Erinnerungen und berührenden Begegnungen erzählt er immer noch tief bewegt. Im Vikariat in Nieder-Mörlen lernte er seine Ehefrau Andrea kennen, mit der er schließlich nach Ehringshausen kam. »Und hier haben wir wirklich viel erlebt.« So viel, dass er es kaum in Worte fassen kann und froh ist, zwei dicke Fotobücher vor sich zu haben, die voller schöner Erinnerungen sind. Sie zeigen ein Kirchspiel, in dem auch die Kirchengemeinden untereinander das Miteinander pflegen, in dem Glaube und Geselligkeit Hand in Hand gehen und in dem viel bewegt werden konnte. »Gemeinsam mit den Kirchenvorständen haben wir eine Kirche, das Pfarrhaus und zwei Orgeln renoviert, wir haben einen großen Flügelaltar, eine neue Glocke und vieles mehr angeschafft.« Was ihn besonders freut, das sind die vielen, vielen Menschen, die stets die Ereignisse und großen Gottesdienste - und manchmal auch die kleineren - besucht haben: Gemeinden voller Elan sieht man auf diesen Bildern und mittendrin einen Pfarrer, der Erdbeerbowle kredenzt, Martinsbier serviert, als Papst Leo X. eine Glanzrolle hat, ebenso wie als Nikolaus im Bischofsgewand. Und Harsch kann auf sehr lebendige Jahre blicken, die nicht wenige Highlights bereithielten. »Unvergessen bleiben das Epiphaniasfest mit der Laienspielgruppe, das große Pfingstfest 2013, das Lutherjubiläum 2017 mit dem großen Festgottesdienst und dem Gemeindeausflug nach Worms, das Michaelisfest 2019, die Feiern mit den Gruppen, die Gottesdienste und Fahrten mit den Konfirmanden.«

Auch an die große Adelshochzeit von Caroline Baroness Schenck zu Schweinsberg mit Benedikt Graf Droste zu Vischering erinnert der Pfarrer sich. Hier war das ganze Dorf auf den Beinen. Das Ehepaar tritt die Nachfolge in der Familie des Patronatsherrn Bernhard Baron Schenck zu Schweinberg an. »Der Baron ist ein Kontinuum in der Gemeinde, wir haben stets gut zusammengearbeitet - und ein Open-Air-Gottesdienst auf dem Hofgut der Familie war ein weiteres Highlight. Ich musste nie etwas allein organisieren und managen. Neben meiner Frau unterstützten viele Menschen in den Kirchengemeinden unsere Aktivitäten.« Kein Wunder, dass Pfarrer Harsch den vielen regelmäßigen Ereignissen wie beispielsweise dem Johannesfest oder dem Osterfrühgottesdienst mit anschließendem Frühstück hinterhertrauert. Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist vieles erst einmal eingeschlafen. Seine digitale Christvesper in Ehringshausen hatte aber mehr als 1000 Aufrufe.

Mit Pfarrer Thomas Harsch verlässt ein Theologe das Dekanat, den seine Gemeinden für seine Zugewandtheit, seine Offenheit und seine Geselligkeit geschätzt haben. Umso schlimmer ist es für ihn, dass er sich nicht mit einem großen Fest verabschieden kann, sondern dies in einen kleinen, bescheidenen Rahmen tun muss. »Das zerreißt mir ein wenig das Herz«, gibt er zu, auch wenn er sich auf einen Neuanfang noch einmal freut. »Da durch die Pfarrstellenbemessung die Stelle im Kirchspiel Ehringshauen-Rülfenrod-Ermenrod-Zeilbach auf eine halbe reduziert wurde, musste ich mich wohl oder übel nach einer anderen Stelle umschauen.«

Zeit hätte die Familie Harsch noch bis Ende 2023 gehabt, doch das Angebot in Rheinhessen passte, nachdem sie sich schon viele freie Pfarrstellen angesehen hatten, dann einfach doch zu gut.



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