21. April 2021, 21:52 Uhr

»Verzweiflung macht sich breit«

21. April 2021, 21:52 Uhr
Das Areal der ehemaligen Kleiderfabrik Bücking an der Georg-Martin-Bücking-Straße kann für den Neubau der Lehrerakademie infrage kommen. FOTO: JOL

Beschäftigte der Lehrkräfteakademie protestieren gegen den Umzug großer Teile der landeseigenen Behörde, die ihre Zentrale in Frankfurt hat, nach Gießen und Alsfeld. Der für 2024 geplante Umzug sei unsinnig und verlängere für die meisten Bediensteten die Wege zur Arbeit immens.

»Bei vielen macht sich Verzweiflung breit«, sagte die Personalratsvorsitzende Claudia Kilian. Es handele sich bei den Beschäftigten meist um Mitarbeiter, die schon lange bei der Ausbildungsbehörde des Landes beschäftigt seien und eine »hohe emotionale Bindung« zu ihrer Tätigkeit hätten. Sie fürchteten nun um ihre Stellen.

Eine Befragung der rund 150 Betroffenen habe gezeigt, dass durch eine Verlagerung der Behörde der Weg zum Arbeitsplatz für bis zu 90 Prozent der Beschäftigten länger werde. Durchschnittlich müssten sie von ihrem jetzigen Wohnort bis Gießen 85 Kilometer, bis Alsfeld sogar 113 Kilometer fahren. Eine Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Gießen bezeichneten nur 30 Prozent als gut, im Falle eines Umzugs nach Alsfeld waren es nur zwei Prozent. »Die von der Landesregierung beschlossene Zentralisierung gefährdet die Arbeits-fähigkeit der Lehrkräfteakademie«, sagte Christoph Degen von der SPD-Fraktion im Landtag, die den Protest unterstützt.

Zudem sei sie »nicht ökologisch«, da die Fahrten mit den Auto zunähmen und zudem deutlich länger würden. Die Landesregierung argumentiert, die Zusammenlegung von Abteilungen erhöhe die Effizienz.

Zudem werde der ländliche Raum gestärkt und es gebe mehr Möglichkeiten zur Telearbeit. Degen appellierte an Schwarz-Grün, die Umzugspläne zu überdenken.

Für die Lehrkräfteakademie wird aktuell in Alsfeld eine geeignete Liegenschaft mit einer Nutzfläche von rund 5650 Quadratmetern für rund 200 Arbeitsplätze gesucht. Bereits vor einiger Zeit hatte diese Zeitung über die Umzugspläne berichtet. Der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen prüft hierzu mehrere konkrete Mietangebote, wie ein Sprecher mitteilt. Die Mietvertragsverhandlungen sollen sich daran anschließen. Vorrangig soll die Zentralabteilung der Verwaltung in Alsfeld untergebracht werden. Dabei soll ein neues Arbeitsplatzkonzept umgesetzt werden, das flexibles Arbeiten stärker unterstützt. Das Verfahren laufe noch, heißt es dazu. In Alsfeld kommen mehrere Flächen infrage, die den geplanten mehr als 50 mal 50 Meter umfassenden zweigeschossigen Bau aufnehmen können. Der Neubau soll verkehrsgünstig liegen und auch die Polizeistation mit aufnehmen können. Die Zusammenlegung von vier zu zwei Standorten schaffe zudem die Möglichkeit, die Zusammenarbeit der verschiedenen Organisationseinheiten zu verbessern. Sowohl in Gießen als auch in Alsfeld sollen Neubauten errichtet werden. Der Umzug ist für 2024 geplant. Wesentliche Teile des Schulungs- und Konferenzbetriebs sollen in Gießen stattfinden.

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