17. September 2021, 21:31 Uhr

Verständnis ist ganz wichtig

Die Diagnose ist ein Schock: Demenz. Viele Menschen und damit auch ihre Angehörigen sind davon betroffen. Deswegen ist rechtzeitige Information wichtig, darüber, wie man mit dem Erkrankten umgeht, welche Hilfen es gibt. Beispielhaft schildert Ludemberg Pereira de Lima, Leiter der Senioren-Residenz »Goldborn« in Homberg, den aktuellen Stand.
17. September 2021, 21:31 Uhr
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Die Diagnose Demenz trifft in älter werdenden Gesellschaften immer mehr Menschen. Umso wichtiger ist es, sich rechtzeitig zu informieren. FOTO: SCHEPP

Demenz - Genau hinsehen« lautet das diesjährige Motto der »Woche der Demenz« rund um den »Welt-Alzheimertag« am 21. September 2021. Die bundesweite Aktion soll auf die Bedürfnisse Betroffener hinweisen und wirbt für mehr soziale Akzeptanz von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen. Wie auch andere Senioreneinrichtungen nutzt die Senioren-Residenz »Goldborn« in Homberg diese Kampagne und bietet Tipps, Unterstützung und Beratung. Was die Diagnose Demenz bedeuten kann, und wie man mit den Folgen zurecht kommt - auch mit Unterstützung von Fachleuten - erläutert Einrichtungsleiter Ludemberg Pereira de Lima.

? Woran erkennt man eine beginnende Demenzerkrankung von Angehörigen, und wo findet man Unterstützung?

Dies sind Fragen, die sich täglich tausende von Menschen in Deutschland stellen. »Tatsächlich ist Demenz ein allgegenwärtiges Thema«, sagt Einrichtungsleiter Ludemberg Pereira de Lima, »weltweit sind mehr als 50 Millionen Menschen davon betroffen. Tendenz steigend. Laut der Deutschen Alzheimergesellschaft wird davon ausgegangen, dass sich diese Zahl bis 2050 mehr als verdreifacht.«

? Bedeutet Demenz ein Leben abgesondert von den anderen Menschen?

»Die Diagnose Demenz bedeutet keinesfalls soziale Isolation«, erklärt Pereira de Lima. »Ziel ist es, Betroffenen ein Leben in der Mitte der Gesellschaft zu ermöglichen. Hobbys nachgehen, im Freundeskreis aktiv bleiben oder sich in Vereinen oder in der Gemeinde einbringen. All das ist möglich, wenn wir als Gesellschaft mehr Verständnis für diese Erkrankung aufbringen und Betroffene entsprechend miteinbeziehen und unterstützen.«

? Was kann man grundsätzlich machen?

Um Erkrankten mehr Lebensqualität zu ermöglichen, setzen Seniorenheime auf breitgefächerte Ansätze und Konzepte. »Wichtig ist es, Betroffenen auf der Zeitebene zu begegnen, in der sie sich gerade befinden und dabei individuell auf ihre Fähigkeiten und ihre Biografie einzugehen«, weiß der Einrichtungsleiter, »auch eine feste Tagesstruktur und wiederkehrende Rituale sind wichtig, um demenziell Erkrankten ein angstfreies Lebensumfeld zu bieten.«

? Wie sollte das Umfeld der Erkrankten idealerweise aussehen?

Sinnvoll sind beispielsweise helle, große Aufenthaltsbereiche, die nostalgisch eingerichtet sind. Ebenso sollten vielfältige Rückzugsorte angeboten werden. Die nach Angaben von Pereira de Lima speziell ausgebildeten Teams der Einrichtung halten sich bei der Planung der Aktivitäten penibel an die Hobbies, den Beruf und auch die Erfahrungen in Kindheit und Jugend der Bewohner. »Wer beispielsweise sein Leben lang gerne im Garten gearbeitet hat, wird das auch heute noch gerne tun«, erklärt er, »also wird diese Tätigkeit ermöglicht oder simuliert.«

? Gibt es bei der Betreuung Dementer neue Entwicklungen?

Um die Förderung Demenzerkrankter durch Simulation geht es auch beim Ansatz der Nutzung von »Virtual Reality«-Brillen. Wir bieten diese Form des Erlebens an, um die Beweglichkeit und das Erinnerungsvermögen der Betroffenen zu trainieren, berichtet Pereira de Lima. Spaziergänge am Strand, Schwimmen mit Delfinen oder eine Bergwanderung - die VR-Brille macht es auf Knopfdruck möglich. Eingesetzt werden kann auch eine »Tovertafel«. Dabei werden unterschiedliche Spiele oder Übungen über einen Projektor auf einem Tisch abgebildet. Neben rein digitalen Programmen können auch reale Dinge, beispielsweise Steine, Seifenblasen oder Spielfiguren in den Ablauf integriert werden. Das Konzept bereitet Freude und fördert ganz nebenbei das Gedächtnis, die Motorik und die Konzentration.

? Muss man mit Sorge auf die Diagnose »Demenz« blicken?

»Auch wenn Demenz nicht heilbar ist, so können wir doch mittlerweile auf vielfältige Möglichkeiten zur Förderung, Stabilisierung oder Mobilitätsverbesserung von Erkrankten zurückgreifen«, sagt Pereira de Lima, »unser Credo lautet dabei: Eine Demenz beeinträchtigt das Leben auf vielfältige Weise. Umso wichtiger ist es deswegen dabei, nicht die Krankheit zu sehen, sondern die Menschen, um dort zu helfen, wo es nötig ist.«

Und der Einrichtungsleiter fasst die Möglichkeiten positiv zusammen: »Der Diagnose ›Demenz‹ können wir viel entgegensetzen«, sagt Peira de Lima.



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