11. Juni 2021, 21:48 Uhr

Verpilzte Buchen und Öko-Wiesen

Wälder bieten Erholung und liefern Holz für Möbel und Hausbau. Dafür sorgen Förster und Waldarbeiter auf der Grundlage der »Forsteinrichtung«. Ein solcher Zehn-Jahresplan für den Wald entsteht gerade für das Forstamt Romrod.
11. Juni 2021, 21:48 Uhr
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Von Joachim Legatis
Forstarbeiter pflanzen den Wald der Zukunft: Forstamtsleiter Hans-Jürgen Rupp auf einer Aufforstungsfläche. FOTO: JOL

Wenn Hans-Jürgen Rupp durch den Wald geht, blickt er immer wieder nach oben. Im Blättermeer zwischen Homberg und Romrod zeigt sich, dass die Dürre der vergangenen Jahre massiv auf die Buche durchschlägt. Zuerst lichten sich die Kronen, dann stirbt der Baum von oben herab ab. Das trifft den hiesigen Wald besonders, »die Buche ist unsere Hauptbaumart mit über 50 Prozent«, berichtet der Leiter des Forstamts Romrod.

Das Problem sind die tieferen Bodenschichten. Dort, wo die alten Buchen ihre Hauptwurzeln haben, »ist der Untergrund hart wie Beton«. Mächtige Bäume geraten in Dürrestress, Pilze breiten sich in den Kronen aus. Jederzeit können starke Äste herabstürzen. Das zeigt, wie angeschlagen der Wald inzwischen ist und eine Gefahr für Spaziergänger ist. Hessen Forst muss für die Verkehrssicherheit an Wegen und Straßen Buchen fällen,

Dieser Prozess kommt zu dem flächenhaften Fichtentod in den Wäldern hinzu. Im Bereich des Forstamts Romrod schätzt Rupp, dass allein in den vergangenen drei Jahren etwa 40 Prozent der Fichten abgestorben sind.

Die Arbeiter kommen kaum hinterher, die von Borkenkäfern zerfressenen Stämme aus dem Wald zu schaffen. Das hat Folgen für die Planungen des Forstamts. Gerade läuft der Zehn-Jahresplan zur Entwicklung im Bereich des Forstamts Romrod. In dem aufwendigen Verfahren werden alle Bereiche abgegangen, geprüft und die Ziele für dier Zukunft erstellt.

Das ist ein Riesenaufwand, wie Rupp betont. Etwa zwei Jahre dauert es, bis die ganzen Unterlagen zusammen sind. Denn dabei geht es um 18 500 Hektar Wald, die zu 87 Prozent im Eigentum des Landes stehen. Wichtig für die Planung ist der Ausgleich zwischen Holzerzeugung, Naturschutz und der Erholungsfunktion des Waldes. »Der Wald gehört zum Großteil dem Land Hessen, das ist Bürgerwald«, sagt Rupp.

Teil der Forsteinrichtung ist das Waldforum mit Vertretern von Kommunen, Naturschutzverbänden, Jagdvereinen, Sägewerksbetreibern und forstlichen Dienstleistern. Dabei geht es den Forstleuten darum, Vorschläge für die Entwicklung des Forstes zu sammeln.

So gab es vor Jahren die Anregung, weniger Eichen im Maulbacher Forst einzuschlagen. Rupp erinnert sich, dass damals eine Begehung stattfand.

Der langfristigen Planung hat die Natur in den vergangenen Jahren einen Strich durch die Rechnung gemacht, wie Rupp sagt. »Bei der Fichte haben wir 200 Prozent der geplanten Zehn-Jahresmenge erreicht.« Das bringt erst einmal Einnahmen aus dem Holzverkauf, dafür muss aber für das Anwachsen der jungen Pflanzen gesorgt werden. »Wo immer es geht, setzt das Forstamt auf Naturverjüngung«, also das natürliche Besiedeln einer Freifläche über die Samen der umstehenden großen Bäume. Wenn aber das Gras zu schnell zu einem dichten Teppich wird, kommen die Baumsamen nicht auf den Boden. Dann muss von Hand gepflanzt werden.

Neuer Wald kostet

Diese Form der Walderneuerung ist teuer, man braucht Pflanzen, Personal zum Setzen, Schutz gegen Mäuse und Rehe. Meist müssen 30 bis 50 Prozent der Bäumchen nachgepflanzt werden. »In den ersten 20 Jahren kostet ein Wald nur Geld, dann kommt man langsam zur Kostendeckung. Erst wenn die Bäume 30 Jahre und älter sind, »kann man etwas verdienen«, informiert Rupp.

Der Wald ist aber heutzutage viel mehr. So gibt das Land vor, nach der strengeren Nachhaltigkeitsnorm PEFC zu arbeiten. Zudem ist Naturschutz eine zentrale Aufgabe der Forstämter. Im Bereich des Amts Romrod stehen fünf Prozent des Staatswalds unter Naturschutz.

Diese 800 Hektar »sind der Urwald von morgen«, freut sich Rupp. Dort dürfen Bäume absterben und werden zum Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Über 600 Hektar sind Waldwiesen, die spät gemäht und nicht organisch gedüngt werden. Die abwechslungsreiche Kräutermischung auf diesen Flächen nützt den Rehen, den Gourmets des Waldes.

Der Wald hat auch eine Erholungsfunktion, was sich derzeit in Corona-Zeiten bewährt. Gerade auf den Wanderstrecken Schächerbach- und Heinzemanntour sind viele Menschen unterwegs.



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