08. Februar 2021, 21:42 Uhr

Vereiste Weichen auf Bahnstrecke

Die Schulen blieben leer, nur die Hälfte der Züge ging wegen vereister Weichen auf die Gleise der Vogelsbergbahn. Eis und Schnee haben am Montag einiges im Vogelsberg durcheinandergebracht. Verlässlich funktionierte der Winterdienst der Bauhöfe. Positiv ist der Schneefall für Wintersport.
08. Februar 2021, 21:42 Uhr
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Von Joachim Legatis
Mit einem Kleintraktor wird der Schnee vor dem Oberstufenzentrum Alsfeld beiseite geschoben. FOTO: JOL

In der Ohmtalschule ist nur das Sekretariat besetzt, in den Fluren der Gesamtschule Mücke verlieren sich neben Schulleiterin Esther Becker nur zwei weitere Mitarbeiter. Eis und Schnee haben am Montag an den Vogelsberger Schulen für einen besonderen Distanztag gesorgt. »Sicherheit geht vor«, war das Ziel, nicht auszudenken, was geschähe, wenn ein voll besetzter Schulbus von der vereisten Fahrbahn abkommt und im Graben umstürzt.

Doch dadurch fällt der Unterricht nicht aus, wie Norbert Kissel erläutert. Der Leiter des Staatlichen Schulamts Gießen-Vogelsberg verweist auf die großen Erfahrungen, die mit dem Schulbetrieb in Pandemiezeiten bestehen. So setzen weiterführende Schulen weitgehend auf digitale Hausaufgaben und Videokonferenzen über die Plattform IServ. Lehrer an Grundschulen sorgen auch mal dafür, dass die Inhalte in Papierform im Briefkasten landen.

Am heutigen Dienstag soll die Schule wieder ganz normal »unter Corona-Bedingungen« laufen, wie Kissel ankündigt. Die Grundschulen setzen auf Distanzunterricht, nur Kinder, deren Betreuung nicht gewährleistet ist, können kommen. In weiterführenden Schulen gibt es Notfallgruppen und Präsenzunterricht für Abschlussklassen.

In einem Elternbrief des Kultusministeriums wird die weitere Planung für das Schuljahr vorgestellt. Demnach besteht die Absicht, die Klassenstufen 1 bis 6 ab 22. Februar im Wechselmodell wieder in die Klassenräume zu lassen. Schüler höherer Klassen sollen weiterhin digital lernen, und die Abschlussklassen sollen in den Schulen betreut werden.

An der Gesamtschule Mücke hat man den unterrichtsfreien Montag mit Distanzunterricht überbrückt. Wie Schulleiterin Esther Becker sagt, fiel der Präsenzunterricht lediglich für die Abschlussklassen und die Notfallgruppe aus. Die anderen Schüler bekamen ihre Aufgaben über die digitale Plattform.

Weichen vereist

An der Ohmtalschule Homberg hat es bereits am Sonntag eine Umfrage gegeben, ob die Eltern ihre Kinder am Montag zur Schule schicken wollen. Das betraf nur eine geringe Anzahl. Das Ergebnis war, dass keiner ein erhöhtes Risiko eingehen wollte, wie Schulleiter Carsten Röhrscheid berichtet. Ansonsten hätte man eine Betreuung anbieten können.

»Das Homeschooling ist heute eine echte Alternative, das ist positiv, weil auch zukünftig bei extremen Wetterlagen so verfahren werden kann.« Dabei spielt es eine entscheidende Rolle, dass breite Erfahrungen mit dem Unterricht per Computer vorliegen. »Das Ganze ist nicht ideal, aber man kann mit den gegebenen Mitteln das Beste erreichen.«

Einschneidende Folgen hatten Eis und Schnee für Busse und Bahnen. Viele Busse sind ausgefallen, wie die Verkehrsgesellschaft Oberhessen mitteilte. Auf der Vogelsbergbahn Gießen-Fulda gab es seit den Morgenstunden deutliche Einschränkungen, bedauerte eine Sprecherin der Hessischen Landesbahn HLB. Der Zugverkehr war witterungsbedingt stark eingeschränkt, und die Züge sind nur etwa alle zwei Stunden gefahren. Diejenigen, die gefahren sind, haben aber ihr Ziel erreicht.

Laut Fahrplan sind acht Züge von Gießen nach Alsfeld oder Fulda ausgefallen. Ab Fulda fielen sogar elf Verbindungen nach Alsfeld oder Gießen aus. Grund für die Schwierigkeiten auf der Strecke waren eingefrorene Weichen. Diese Übergangsstellen werden durch elektrische Heizungen enteist.

Streudienste

Den Wintereinbruch gut verkraftet haben offenbar die Bauhöfe der Kommunen. So meinte Bürgermeister Andreas Sommer, dass der Mücker Bauhof am Wochenende in Alarmbereitschaft war. Er habe sich noch am Sonntagabend mit der Leitung der Feuerwehren ausgetauscht, und es habe keine Besonderheiten gegeben. Die Kindertagesstätten waren am Montag geöffnet.

»Minus 10 Grad und 10 Zentimeter Schnee, das ist ein ganz normaler Winter«, der mit dem vorhandenen Gerät gut zu bewältigen war. Die Mitarbeiter des Bauhofs waren auf Zack und mit einem Unimog sowie einem Kleintraktor unterwegs. Hinzu kam in einigen Ortsteilen ein Dienstleister, der mit einem Schlepper die Straßen räumte und streute. Dabei werden zunächst Zufahrten zu Schulen und Kitas sowie Gefällstrecken geräumt.« Es kam eine Anfrage wegen einer nicht geräumten Straße, die sich Sommer am Montag nachmittag noch anschauen wollte.

Auch in Homberg ist der Bauhof in den schneereichen Tagen stark ausgelastet. »Fast alle Mitarbeiter werden auf Fahrzeugen oder im Handdienst für den Winterdienst eingesetzt«, berichtete Bürgermeisterin Claudia Blum. Auf der Marburger Straße stand am Montagmorgen ein Lkw, der die Strecke nicht hochfahren konnte. Das bedeutete erst einmal Stau. Ähnlich fällt auch die Bilanz in Ulrichstein aus. Bürgermeister Edwin Schneider freute sich über engagierte Bauhof-Mitarbeiter, die am Wochenende fünf Tonnen Streusalz auf die Fahrbahnen brachten. Ab den frühen Morgenstunden versuchten sie, die Straßen freizubekommen. »Sie können aber nicht überall sein«, es habe einzelne Beschwerden gegeben.

In sechs Stadtteilen schiebt ein Dienstleister im Auftrag der Stadt Schnee beiseite. Zum Salzstreuen muss aber der Lkw der Stadt kommen. Die Straßenverhältnisse sind in den Ortsteilen recht unterschiedlich, gibt Schneider zu bedenken. So liege Unter-Seibertenrod auf etwas über 300 Metern Höhe, während sich Rebgeshain gute 300 Höhenmeter weiter oben befindet.

Der Schneefall hat auch Vorteile, so macht der Skilanglauf mehr Spaß. Die Loipen auf freiem Feld werden aber teilweise vom Wind freigeweht, wie Schneider anmerkt.



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