06. April 2022, 21:54 Uhr

Ukrainische Töne im Gäst_innenhaus

06. April 2022, 21:54 Uhr
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Aus der Redaktion
Mit einem Willkommensspruch auf ukrainisch werden die Geflüchteten begrüßt. FOOTO: PM

Dieser Tage sind sechs aus der Ukraine geflüchtete Menschen, davon vier Kinder, im Gäst_innenhaus Jakob in Dannenrod angekommen. Die zwei eng befreundeten Familien sind in zwei gemütlichen Zimmern in dem ehemaligen Gasthaus untergekommenen. Sie haben eine eigene Küche zur Verfügung, wie die Gastgeber mitteilen. Zusammen mit allen Bewohnerinnen und Bewohnern im Haus wird sich, wie sonst auch, über die gemeinsame Versorgung ausgetauscht und gekümmert.

Die Geflüchteten wurden von den Menschen aus dem selbst organisierten Projekt Gäst_innenhaus, dem Familienzentrum Homberg und von russisch sprechenden Bewohnern sowie externen Übersetzenden empfangen. Als die neuen Mitbewohner das große Willkommensbanner an der Hausfront sahen, haben sie gelächelt. Dort steht auf ukrainisch »Herzlich Willkommen! Schön, dass ihr da seid«. Anschließend gab es einen Rundgang durch die Räume des Hauses bis zu den Wohnräumen für die Ukrainer. Davor waren sie in den eingezäunten Geflüchteten-Erstaufnahmeeinrichtungen in Gießen.

Eine Person im Gäst_innenhaus sagt zur neuen Situation: »Die Verständigung zwischen den Geflüchteten und den Hausbewohner*innen ist nicht einfach, aber funktioniert, da vor Ort ein Mensch mit Russisch-Kenntnissen lebt und Übersetzungs-Websites genutzt werden.« Die neuen Mitbewohnerinnen und -bewohner bekommen so gut es geht Unterstützung von den Gastgebern und anderen Helfenden, um ihren Bedürfnissen entsprechend leben zu können. »Wir freuen uns sehr, den Menschen beistehen zu können.«

Die Ortsvorsteherin, weitere Dannenröder und Übersetzerinnen aus der Region helfen wo sie können. Im Projekthaus lebt außerdem seit zwei Wochen »Lotte«, eine kleine französische Bulldogge, die mit anderen Geflüchteten aus der Ukraine unterwegs war. Diese konnten ihr Haustier nicht mit in eine Notunterkunft bei Leipzig nehmen. Deshalb kümmern sich Menschen aus dem Gäst_innenhaus um Lotte, bis sie wieder zu ihnen zurück kann.

Mehrere 100 000 Geflüchtete aus der Ukraine sind inzwischen nach Deutschland gekommen. Geflüchtete Menschen aus der Ukraine sollen schnellstmöglich in Deutschland integriert werden, arbeiten gehen und die Schule besuchen.

Eine Aktive im Gäst_innenhaus meint dazu: »Diese Bestrebungen stehen konträr zu den Bemühungen um Geflüchtete aus anderen Kriegsgebieten.« Es würden viele Vergleiche zur Geflüchteten-Situation von 2015 gezogen, »aber dabei wird häufig mit zweierlei Maß gemessen und Menschen anhand ihrer Herkunftsorte beurteilt«. Auch die Integration der jetzt ankommenden Menschen aus der Ukraine, ihre finanzielle Grundversorgung und die Möglichkeit, dass die Kinder zur Schule gehen können, scheitert teilweise vor allem an bürokratischen und verwaltungsrechtlichen Hürden.

Viele Menschen würden gerne helfen und Wohnungen stehen bereit für die Geflüchteten in den Notunterkünften. Die Aktive kritisiert, dass die Kreisverwaltung in Lauterbach und die gesetzliche Lage allgemein Fortschritte blockieren. Es gebe »unnötige Hürden«, um Menschen in Not besser zu helfen.

Dieser Tage sollten weitere geflüchtete Menschen aus der Ukraine im Gäst_innenhaus und im Dorfgemeinschaftshaus in Dannenrod unterkommen.

Das Gäst_innenhaus ist ein selbst organisiertes Projekthaus und die Bewohnerinnen und Bewohner sehen sich als als Teil der Klimagerechtigkeitsbewegung. Infos zum Haus, zu den Projekten sowie Kontaktmöglichkeiten sind über www.gaest-innenhaus.org zu finden. Der Verein Gäst_innenhaus Jakob kooperiert mit der Stadt Homberg und dem Familienzentrum als Notunterkunft für aus der Ukraine geflüchtete Menschen. Es werden viele weitere erwartet und Kapazitäten für Hilfeleistungen sind vorhanden. Stadt, Familienzentrum und das Gäst_innenhaus heben die Unterstützung von Menschen hervor, die russisch und ukrainisch sprechen und helfen.



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