07. Mai 2021, 21:48 Uhr

Traumjob im dritten Anlauf

Erst im dritten Anlauf hat Athanasia Zacharis in den Traumjob als Friseurin gefunden. Dabei profitierte sie von einer Förderung durch die Arbeitsagentur für Umschulungen. Eine Erfolgsgeschichte für die junge Frau aus Mücke.
07. Mai 2021, 21:48 Uhr
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Von Joachim Legatis
Athanasia Zacharis (l.) freut sich über die Umschulung zur Friseurin im Salon von Nadine Sisamci. FOTO: JOL

Sie ist mit einer Umschulung in ihrem Traumberuf angekommen. »Das war das Beste, was mir passieren konnte«, sagt die angehende Friseurin Athanasia Zacharis über die Ausbildung bei »Haaribo« in Marburg. Dafür muss die 23-Jährige aus Mücke jeden Tag einige Kilometer fahren, aber das macht sie gerne. Besonders schätzt sie die gute Arbeitsatmosphäre mit Chefin Nadine Sisamci und meist drei Kolleginnen im Salon auf dem Richtberg. Die Unterstützung durch die Arbeitsagentur lobt sie ausdrücklich.

Friseurmeisterin Sisamci hat ebenfalls die Vorzüge einer Agenturförderung genossen. Sie ist selbst über eine Umschulung in das Handwerk gelangt und das ausgesprochen erfolgreich.

Heute betreibt sie drei eigene Salons mit 16 Angestellten. Und sie gibt gerne jungen Leuten eine zweite Chance. Das war für Athanasia Zacharis ein Glücksfall. Sie hat zuvor einen Ausbildungsplatz aufgeben müssen, »das habe ich mir selbst versaut«, erzählt sie freimütig. Die zweite Azubi-Stelle war vom Arbeitsklima so, dass sie schnell aufgeben musste. Enttäuscht arbeitete sie zunächst im Restaurant der eigenen Familie mit. Erst auf Anraten einer Freundin versuchte sie es noch einmal. Diese war im dritten Ausbildungsjahr bei Nadine Sisamci und überredete die Freundin, es zumindest zu versuchen. »Sie hat erzählt, dass man hier auf ein offenes Ohr stößt, wenn einmal etwas ist«, sagt Zacharis und zeigt in den Salon.

Sie einigte sich schnell mit Nadine Sisamci, dass sie es versuchen kann. Voraussetzung war allerdings, dass die Arbeitsagentur die Ausbildung unterstützt. Denn im Mai vergangenen Jahres arbeiteten bereits zwei Auszubildende mit. Zacharis konnte also nur zusätzlich eingebunden werden. »Ich habe mit dem Berater der Arbeitsagentur vereinbart, dass sie erst einmal einen Monat Praktikum bei uns macht, um zu sehen, ob es passt«, erinnert sich Sisamci.

Die Agenturmitarbeiter waren richtig nett, mit dem Berater in Lauterbach habe sie sich gleich gut verstanden, fügt Zacharis an. Das erleichterte den Neustart nach zwei abgebrochenen Ausbildungen. Für die Friseurmeisterin war die Unterstützung der Agentur wichtig, für die junge Frau aus Mücke der Fahrtkostenzuschuss.

Ein Jahr später hat sie sich sehr gut eingefunden in den Job. Das Miteinander am Arbeitsplatz sei sehr gut. »Ich bin vorher schon als Mensch zweiter Klasse behandelt worden - ich habe mir vorgenommen, das mache ich nie mehr mit«, sagt sie sichtlich erfreut.

Sisamci ist für einen offenen Umgang miteinander. Wenn es etwas zu korrigieren gibt, dann nimmt sie die Mitarbeiterin beiseite und bespricht die Situation. Kritik untereinander gebe es auf keinen Fall vor den Kundinnen, sagt sie. Gerade junge Menschen spürten schnell, wenn man nicht ehrlich mit ihnen umgehe. Immerhin verbringt man unter der Woche mehr Zeit mit den Kolleginnen als mit der eigenen Familie.

An ihrer Arbeit findet Zacharis die kreative Seite so spannend. Viele Kunden und Kundinnen wollten auch mal etwas Neues ausprobieren. Bei »Haaribo« wird sie schnell an die Techniken herangeführt. Je nach Lernfortschritt übernimmt sie immer mehr Aufgaben. Sie arbeitet gerne nah am Menschen. Ihr Motto: »Ich will die Kunden glücklich machen«.

Ihre Chefin hat die Anstellung der inzwischen 23-Jährigen nie bereut. »Sie ist extrem zuverlässig«, lobt Sisamci. Ein Arbeitsplatz im Anschluss an die Ausbildung sei ihr sicher.

Die Friseurin ist davon überzeugt, das noch mehr Menschen von einer solchen Umschulung profitieren. Sie habe bislang meist gute Erfahrungen mit Umschülerinnen gemacht.

Zacharis kann die Maßnahme nur empfehlen, auch wenn es Papierkram bedeutet. Gewundert hat sie sich, dass in ihrer Berufsschulklasse keiner von einer solchen Unterstützung durch die Arbeitsagentur wusste. Dafür müsste mehr Werbung gemacht werde, dann könnten mehr Menschen eine zweite Chance erhalten. Die ganze Gesellschaft habe etwas davon, wenn Arbeitslose in den richtigen Beruf finden.

Dass sich der Einsatz gelohnt hat, merkt Athanasia Zacharis auch im Berufsbildungszentrum. Ihre letzten Noten waren eine 1 und eine 2.



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