12. April 2021, 21:49 Uhr

Tourismus als Chance für die Region

Homberg macht sich für Besucher mit der Schächerbachtour und dem Schloss attraktiv, in Ulrichstein sind es die Panoramatouren. Das zieht besonders in Corona-Zeiten, wenn die Menschen aus dem Homeoffice ins Grüne wollen. Doch alleine sind die Kommunen zu klein für eine effektive Tourismusarbeit. Deshalb bauen sie gemeinsam die »Vulkanregion Vogelsberg Touristik« aus.
12. April 2021, 21:49 Uhr
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Aus der Redaktion
Ein Besuchermagnet in Nicht-Corona-Zeiten ist das Schloss Homberg mit seinem gepflegten Garten. FOTO: JOL

Der Vogelsberg hat seinen Reiz mit einer schönen Wanderlandschaft, mit Fachwerkstädtchen, Burgen und Schlössern, dazu eine regionale Küche mit Lamm, Wild und Kartoffelwurst. Doch die Touristen kommen nicht von alleine, dafür braucht es viel Werbung, ein passendes Image und Geduld, wovon Dr. Jens Mischak ein Liedchen singen kann. Der Erste Kreisbeigeordnete ist oberster Touristiker des Kreises bei der Tochtergesellschaft Vulkanregion Vogelsberg Touristik. Sie vermarktet die attraktiven Angebote der Mitgliedskommunen.

Der neueste Schritt hin zu einer schlagkräftigen Organisation ist, den Geopark-Verein in die Touristik-GmbH zu integrieren. Jüngst haben die Homberger Stadtverordneten mit großer Mehrheit der Verschmelzung zugestimmt. Der Verein hat sich um die Anerkennung der Region als Geopark verdient gemacht.

Durch den Zusammenschluss wird die Touristik-GmbH größer, was nötig ist, um Landesmittel zu sichern, die nur an eine »touristische Destination« vergeben werden. Dafür erwartet das Land Hessen einige Vorleistungen aus der betreffenden Region, wie Mischak erläutert.

In Hessen steht man da in Konkurrenz zu bekannteren Tourismus-Zielen wie dem Rheingau, der Rhön und der Edersee-Region. Insgesamt elf Destinationen im Land sind in dem tourismuspolitischen Rahmenplan des Landes Hessen erfasst. »Wir sind von den Mindestanforderungen weit entfernt«, bedauert Mischak.

Mehr Kooperation

Um einen Schritt voranzukomemn, wurde der Geopark in die Tourismus GmbH eingegliedert. Dadurch hat man fünf Vollzeitstellen in der Geschäftsstelle, vom Land gefordert sind allerdings sieben. Das Budget soll laut Rahmenplan 800 000 Euro pro Jahr umfassen, »wir liegen knapp über 500 000 Euro«. Bei der dritten Anforderung des Landes wird es noch schwieriger, weil man in der Tourismusregion rund um den Hoherodskopf nur rund 540 000 Übernachtungen zählt. Gefordert sind aber stattliche 1,5 Millionen pro Jahr. »Die Übernachtungszahlen steigen langsam an, aber wir sind noch weit entfernt von dem, was das Land fordert«, fügt Mischak an. Um wenigstens bei den Finanzmitteln an die geforderte Höhe heranzukommen, war geplant, den Naturpark in die Touristik GmbH einzubeziehen. Doch das musste wieder verworfen werden, weil der Naturpark teilweise aus Landesmitteln bezuschusst wird. Das ließ sich nicht umgehen. Deshalb setzt die Touristik GmbH auf Kooperation statt Verschmelzung.

Um als Region eine Destination zu bleiben, sollen sich die Mitglieder der Gesellschaft stärker engagieren. Denn die »Vulkanregion Vogelsberg Touristik« vermarktet lediglich die Angebote, die in Ulrichstein, Schotten, Homberg, Amöneburg, Alsfeld und den anderen Mitgliedskommunen bestehen. Das sind Wanderwege, Mountainbikestrecken, Burgen und Schlösser, aber auch private Einrichtungen wie die Greifvogelwarte Feldatal, Gaststätten, Ferienwohnungen und Hotels.

Mehr Wanderer in Corona-Zeiten

Auf der lokalen Ebene gibt es noch Potenziale, ist Mischak überzeugt. Einen positiven Effekt brachte bereits die Arbeitsgemeinschaft »Rund um Alsfeld«, in der sich kleinere Kommunen mit Alsfeld zusammengeschlossen haben, um ihre Angebote gemeinsam zu verbessern. Dabei stehen Fachwerk und Märchen im Zentrum.

In Homberg, Ulrichstein und anderen Kommunen zeigen die vielen Besucher auf den gut ausgebauten Wanderwegen, dass der Ausflug in der Umgebung gerade in CoronaZeiten boomt. Auch der Hoherodskopf ist am manchen Wochenenden überlaufen. Erholung im eigenen Land ist gerade in Zeiten von Homeoffice, geschlossenen Schulen und dem Ausfall von Fernreisen im Trend. Daran will der regionale Tourismus-Zusammenschluss teilhaben.

Die Erweiterung der Touristik GmbH um den Geopark erforderte monatelange Diskussion, weil die Ansätze in den Kommunen unterschiedlich sind. So wirbt die Touristik-Gesellschaft mit dem Thema Vulkan, »der Hoherodskopf ist schließlich unser Hausberg«, die Angebote in der Region zwischen Amöneburg und dem Main-Kinzig-Kreis sind aber vielgestaltig. Eine längere Diskussion war nötig, alle Kommunen mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten mit einzubeziehen. Nur einige hatten das Thema Vulkan auf dem Schirm. Dabei ging es auch um eine höhere finanzielle Beteiligung, um die Kriterien für eine Landesförderung zu erfüllen.

Tagungshotel fehlt

Nun hofft Mischak auf weitere Fortschritte und ist froh über neue Gesellschafter. Die sind auch nötig, zumal der Wetteraukreis ausgestiegen ist. Die Städte Amöneburg und Lich sind neu hinzugestoßen. Grünberg und Birstein sind neben den Vogelsberger Kommunen bereits seit einiger Zeit Mitglied.

Wichtig ist für Mischak, die Angebote zu verknüpfen. So ist der Vogelsberg eine beliebte Region zum Wandern und Rad fahren. Dazu kommt etwas Städtetourismus, so rund um die Themen Fachwerk und Märchen in Alsfeld. Wanderer können aber auch das Schloss Homberg oder die Schlitzer Destille besuchen, wenn das nach der Pandemie wieder möglich wird.

Sinnvoll ist es, wenn mehrere Kommunen zusammenlegen, um gemeinsam einen Tourismus-Mitarbeiter zu beschäftigen. Gedanken macht sich Mischak auch um fehlende Übernachtungskapazitäten. Dabei geht es nicht nur um Ferienwohnungen, auch für ein Tagungshotel mit 100 Betten wäre noch Platz.



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