01. Juli 2021, 21:36 Uhr

Tödliche Unfälle mit Pedelecs

Wenig überraschend hat sich die Corona-Pandemie mit ihren Einschränkungen beim Autofahren auf die Unfallzahlen ausgewirkt. So verzeichnet die Polizei für Osthessen einmalig niedrige Unfallzahlen für das vergangene Jahr. Zugenommen haben allerdings die Unfälle mit den kleineren E-Bikes, den Pedelecs.
01. Juli 2021, 21:36 Uhr
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Von Joachim Legatis
Rad fahren ist im Trend, deshalb gibt es mehr Verkehrsunfälle mit Zweirädern. FOTO: JOL

Der Fahrradboom ist in der Polizeistatistik angekommen. Im Unfallbericht 2020 des Polizeipräsidiums Osthessen sticht besonders der starke Anstieg von Unfällen mit Fahrrädern und Pedelecs, also Elektro-Bikes mit einem schwächeren Motor, hervor. Im Unterschied dazu können E-Bikes schneller als 25 Stundenkilometer fahren und benötigen ein Nummernschild.

Mit Fahrrädern gab es allein im Vogelsbergkreis 46 Unfälle, das ist eine Zunahme um rund 31 Prozent zu 2019. Die Zahl der Verunglückten stieg sogar um 57 Prozent auf 44, es gab sogar drei tödlich Verletzte. 2019 waren lediglich 28 Menschen verunglückt, und keiner kam ums Leben.

Bei den Pedelecs stieg die Zahl der Unfälle um stattliche 1100 Prozent. Das liegt aber daran, dass 2019 nur ein einziger Unfall zu verzeichnen war, 2020 waren es dann bereits zwölf mit 13 Verunglückten. Sieben Schwer- und fünf Leichtverletzte gehören zur traurigen Bilanz.

Die Zahl der Unfälle mit Pedelecs in ganz Osthessen stieg um 70,3 Prozent auf 63 Fälle (2019: 37) an. Dabei ist fast jeder fünfte Unfall auf zu schnelles Fahren zurückzuführen. Das Präventionsangebot der Polizei wird daher erweitert. Unter dem Motto »Pedelec - mit Rückenwind, aber sicher!« bringt die osthessische Polizei mehrere Übungen über ihre Socialmedia-Kanäle nach Hause. Polizistinnen und Polizisten klären in kurzen Videosequenzen über Gefahren im Straßenverkehr auf und zeigen anhand von Fahrübungen, was bei der Benutzung eines motorisierten Fahrrads zu beachten ist. Zudem sind mehrere Fahrsicherheitstrainings für Pedelec-Fahrer im Spätsommer 2021 geplant.

Generell zeigt die Unfallstatistik auf, wie stark die Corona-Einschränkungen im alltäglichen Leben und beim Pendeln zum Arbeitsplatz wirken. Polizeipräsident Günther Voß meinte denn auch, »die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung spürbar beeinflusst und auch zu einem deutlichen Rückgang der Verkehrsunfälle geführt«.

Mit 9413 Verkehrsunfällen hat das Polizeipräsidium Osthessen im Vergleich zum Vorjahr 2231 Unfälle weniger registriert. Das entspricht einem Rückgang um 19,2 Prozent (2019 waren es noch 11 644 Fälle). Das bedeutet den niedrigsten Wert seit Bestehen des Präsidiums. Der Anteil an den Gesamtunfallzahlen des Landes Hessen (122 786) beträgt 7,7 Prozent. Verkehrsunfälle mit Todesfolge sanken von 28 auf 25. Dabei starben 25 Menschen, vier weniger als im Vorjahr. 1721 Personen verunglückten im vergangenen Jahr auf osthessischen Straßen, was einem Rückgang von 24,3 Prozent (553 Fälle) entspricht. Die Zahl der Schwerverletzten sank ebenfalls um 92 auf 433 Personen (2019: 525) und liegt damit deutlich unter der 500er-Marke.

Der Verkehrsbericht informiert auch speziell über die Unfälle auf Vogelsberger Straßen im Jahr 2020. Aus dem Bericht geht hervor, dass die Zahl der Verkehrsunfälle mit 2245 Unfällen gegenüber dem Vorjahr um 14,25 Prozent gesunken ist. Diese positive Entwicklung ist sicherlich zumindest teilweise durch die Corona-Pandemie bedingt, wie die Polizei schlussfolgert. Das durch die Lockdowns im Frühjahr und Herbst und Arbeiten im Homeoffice verringerte Verkehrsaufkommen wirkte sich entsprechend auf die Unfallzahlen aus.

Die geringere Anzahl der Unfälle führte auch zu einem Rückgang bei den im Straßenverkehr verletzten Menschen im Landkreis. So reduzierte sich die Anzahl von Unfällen mit Personenschäden um 16 Prozent gegenüber 2019. Einen Anstieg gab es aber tragischerweise bei den Verkehrsunfällen mit tödlichem Ausgang, sie stiegen von sieben im Jahr 2019 auf zehn im Vorjahr.

Bei näherer Betrachtung der Gesamtzahlen treten zwei Kategorien hervor. Zum einen ist ein erfreulicher Rückgang von Wildunfällen von 10,93 Prozent auf nunmehr 1019 Unfälle zu verzeichnen. Zum anderen sank die Zahl der Unfallfluchten um 14,1 Prozent auf 446. Als Erfolg der eigenen Ermittlungsarbeit wertet die Polizei die gestiegene Aufklärungsquote. Sie ging um 9,74 Prozentpunkte auf nunmehr 41 Prozent nach oben.

Voß verwies besonders darauf, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Polizeipräsidiums mit Verkehrskontrollen und Sicherheitskonzepten daran arbeiten, die Unfallursachen nachhaltig zu senken. »Neben Kontrollmaßnahmen setzen wir auf unsere Präventionsarbeit«, betonte Voß. »Jeder verhinderte Verkehrsunfall ist ein Erfolg, jeder Unfall mit schweren Folgen ist einer zu viel.«



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