21. September 2021, 21:48 Uhr

Theologie in Farbe

21. September 2021, 21:48 Uhr
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Von Jutta Schuett-Frank
Ikonen-Galerist Karl Eisenlauer aus Autenried in Bobenhausen im Gemeindehaus mit einigen der gezeigten Werke. FOTO: SF

Ulrichstein-Bobenhausen (sf). Andachtsbilder haben nicht nur einen hohen ästhetischen Reiz, sie stehen in vielen Kulturen auch für die Hinwendung zum Glauben. Pfarrer Dr. Detlef Metz konnte jetzt zu einer entsprechenden Ausstellung den Ikonen-Galeristen Karl Eisenlauer aus Autenried nahe Ulm in Bobenhausen im Gemeindehaus begrüßen.

50 große und rund 20 kleine Ikonen können dort betrachtet und bestaunt werden. Zu allen Ikonen gab es die passende Geschichte und die verständliche und sachkundige Expertise. Ikonen seien demnach »Theologie in Farbe«, sie sprechen über Gott und seine Geschichte mit den Menschen, Jesus Christus und die Heiligen des Alten und des Neuen Testamentes. Vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart reichte die Fülle der Ikonen bei der Ausstellung.

Im Westen eher fremd

Ursprünglich stammen die Ikonen aus Moskau, Sankt Petersburg und aus weiteren Regionen Russlands sowie aus Bulgarien. In einer ganz auf das einzelne Kunstwerk konzentrierten Inszenierung werden verschiedene Aspekte von Spiritualität, Andacht und Anbetung präsentiert.

Der Begriff Ikone leitet sich vom griechischen eikon, »Bild« ab und verweist auf die Herkunft im byzantinischen Raum. Dort erlebte die Ikonenmalerei im 6. und 7. Jahrhundert eine erste Blütezeit. Der Legende nach war der erste Ikonenmaler ein Arzt, der »Arzt-Evangelist Lukas«, ein Schüler und Reisebegleiter des Apostels Paulus, der später selbst auf Ikonen dargestellt wurde. Nach einer bis heute wirksamen Vorstellung wohnt jeder geweihten Ikone bereits eine heilende Kraft inne.

Ikonen werden von orthodoxen Christen daher niemals als Kunstwerk, sondern als geheiligtes Kultbild verstanden, in dem das Urbild des Abgebildeten für den Gläubigen zur Zwiesprache, gleichsam zum Anfassen, gegenwärtig ist. Im Jahr 988 ließ sich der russische Großfürst Wladimir I. von griechischen Priestern taufen und übernahm die Ikonenmalerei. »Das spirituelle Gold Russlands« hat sich dort zu einer eigenständigen Kunst entwickelt. Meist auf Holz aus alten Weinstöcken werden Christus, Maria, andere Heilige oder biblische Szenen dargestellt. In Westeuropa oder im Abendland sind diese Andachtsbilder eher fremd.

Auch einfache Hausikonen gezeigt

Die Gäste hatten Fragen, und der passionierte Ikonenkenner- und -sachverständige Karl Eisenlauer konnte sie beantworten. Die Ausstellung zeigte einen repräsentativen Querschnitt durch das vielfältige Gebiet der Ikonenkunst. Neben hochwertigen musealen Sammlerstücken waren einfache Hausikonen ausgestellt. Abends fand ein Gemeindeabend statt und dort berichtete Ina Dietz, die aus einer orthodoxen Tradition stammt, mit lebhaften Worten, wie in Weißrussland »die Ikonen mit den Menschen leben«. An diesem Abend ging es um die Ikonenauffassung und -frömmigkeit der orthodoxen Kirche und im Vergleich dazu um die Bildauffassungen anderer Konfessionen. Zum Abschluss gab es am Sonntag einen Gottesdienst unter der Überschrift »Du sollst dir kein Bildnis machen«. Karl Eisenlauer unterstützt auf Wunsch auch gern bei der Datierung, Schätzung und Restaurierung persönlicher Ikonen.



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