28. April 2021, 21:46 Uhr

Solarpark gestoppt

Der Vogelsbergkreis ist bekannt für seinen Beitrag im Rahmen der Energiewende mit über 200 Windkraftanlagen. Mittlerweile kommen noch mehr und mehr Fotovoltaikanlagen hinzu. In Gemünden hat sich jetzt keine Mehrheit mehrgefunden, ein seit über zwei Jahren betriebenes Verfahren zum Bau einer Anlage oberhalb von Ehringshausen weiterzuführen und demnächst bauen zu lassen.
28. April 2021, 21:46 Uhr
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Von Rolf Schwickert

Das kam überraschend: Bürgermeister Lothar Bott wirkte konsterniert, nachdem sich in der Gemeindevertretersitzung zur Weiterplanung des Solarparks »Auf dem Heppenrod« bei Ehringshausen keine Mehrheit gefunden hatte. Auf der Tagesordnung hatten eine Änderung des Flächennutzungsplanes sowie ein Satzungsbeschluss zur Bauleitplanung gestanden. Im Vorfeld hatte es zwar immer wieder kritische Anmerkungen in Hinblick auf die Verwendung von landwirtschaftlicher Nutzfläche zur Erzeugung regenerativer Energie gegeben, aber daraus hatte sich seither nicht erkennen lassen, dass eine Fotovoltaikanlage grundsätzlich nicht gewünscht ist.

Lange Debatte

So hatte erst unlängt der Ortsbeirat Ehringshausen geäußert, der Umwandlung von Grünfläche stehe er zwar kritisch gegenüber, aber generell sei ja der Ausbau regenerativer Energien zu fördern. Deshalb sprach sich das Gremium nicht explizit gegen einen Solarpark aus, sondern regte an, im Falle eines Baues sollte festgelegt werden, dass nach Abbau der Anlage der alte Zustand wiederhergestellt werden müsse. In der Diskussion in der Gemeindevertretersitzung äußerte Lukas Becker für die SPD, man habe die Thematik kritisch debattiert. Weil nach der Kommunalwahl neue Gemeindevertreter in den Gremien seien, empfehle man eine erneute Behandlung im Bauausschuss. Werde dem nicht gefolgt, werde man sich der Stimme enthalten.

Dunja Werneburg sagte für die UBL, bei der zur Rede stehenden Fläche gehe es um rund 5,5 Fußballfelder. Eigentlich seien regenerative Energien nötig, aber der Vogelsbergkreis habe einen Energiedeckungsgrad von sogar über 200 Prozent. Die Frage sei deshalb, ob noch mehr regenerative Energie generiert werden müsse, indem man für 30 Jahre qualitativ bessere landwirtschaftliche Nutzfläche beseitige.

Zudem befinde sich der Solarpark in Verlängerung der Hofackerstraße. Das ist die Ortsstraße, von der man im weiteren Verlauf über einen geteerten Wirtschaftsweg (verbotenerweise) über die Rastanlage auf die A 5 fahren kann. Die Bewohner hätten Sicht auf die Anlage, und das bedeute eine optische Belastung, stellte Werneburg heraus. Deshalb sei man gegen die Anlage, solange es noch andere Möglichkeiten wie Solaranlagen auf Dächern gebe. Tobias Reitz meinte für die BGG, seit 2018 sei das Thema im Gespräch, und man habe dem Investor der Energiegenossenschaft Vogelsberg seither immer eine positive Rückmeldung mit kritischen Anmerkungen gegeben. Vergleichsweise mehr Boden habe man mit dem Beschluss zum Neubaugebiet Burg-Gemünden in Richtung Mehrzweckhalle versiegelt, gab Reitz einen anschaulichen Flächenvergleich. In Ehringshausen könnte Strom für 1000 Haushalte mit jeweils vier Personen erzeugt werden. Die Gemündener müssten eigentlich stolz sein, wenn sie für die Gesellschaft insgesamt regenerative Energie ermöglichten.

Jürgen Lutz (UBL) berichtete, in der Fraktion sei lange diskutiert worden, Einerseits werde von der Politik regenerative Energie gefordert, andererseits gebe es noch viele Orte wie Elpenrod, wo keine regenerative Energie erzeugt werde. Lutz bewirtschaftet einen Aussiedlerhof zwischen Elpenrod und Nieder-Gemünden. Er stimme dem Solarpark zu, nachdem er sich die Örtlichkeiten angeschaut habe, berichtet der erfahrene Landwirt. Die Fläche oberhalb von Ehringshausen sei landwirtschaftlich nicht optimal. Er hoffte, dass Gemünden noch einen ordentlichen Beitrag für die Energiewende leisten könne,

Lukas Becker kündigte eine differenzierte Abstimmung seiner SPD-Fraktion an. Der Klimawandel sei nur im Miteinander von Mensch und Natur zu vermeiden. Einmal verlorene Ackerfläche sei für immer verloren. Er persönlich werde dagegen stimmen.

Drei Abstimmungen ohne Mehrheit

Bürgermeister Lothar Bott merkte an, er sei erstaunt über die aktuelle Stimmungslage, denn bei einer Bürgerversammlung sei keine ablehnende Haltung erkennbar gewesen. Jetzt habe man das Verfahren über zwei Jahre betrieben, und setze mit einer Haltungsänderung das falsche Signal. Das könne so verstanden werden, dass Gemünden unzuverlässig sei. Bott appellierte, das angestoßene Verfahren zu einem positiven Ende zu bringen, zumal Vertragspartner die Energiegenossenschaft sei.

Drei Abstimmungen ergaben kein Votum für das Weiterbetreiben der Planung: Für ein Verweisen in den Bauausschuss war nur die SPD, die Abstimmungen zu Flächennutzungsplan und Satzungsänderung endeten jeweils mit sieben zu sieben Stimmen bei einer Enthaltung.



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