19. Mai 2021, 21:52 Uhr

»RP nimmt Sorgen nicht ernst«

19. Mai 2021, 21:52 Uhr
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Von Kerstin Schneider
Teilnehmer der Demonstration vor dem Regierungspräsidium fordern einen Baustopp an der Autobahn 49. Auch aus dem Vogelsberger Raum sind einige dabei, weitere kommen aus Gießen, Marburg, Stadtallendorf und von weiter her. FOTO: KS

Wieder einmal wehten die Fahnen mit der Aufschrift »Wald statt Asphalt« im Wind. Vor dem Regierungspräsidium in Gießen hatten sich am Mittwoch rund 100 Menschen versammelt, um gegen den Weiterbau der Autobahn 49 und für den Schutz des Trinkwassers zu demonstrieren. Den sehen sie beim Bau der Autobahn gravierend vernachlässigt. Der Regierungspräsident nehme diese Sorgen nicht ernst, lautete die Kritik.

Es gebe zahlreiche Belege dafür, »dass sich auf dem Gelände des ehemaligen Sprengstoffwerkes der WASAG in Stadtallendorf entlang der geplanten Trasse der A49 giftige Chemikalienreste im Boden befinden«, sagte Karsten Mischke von den »Parents forFuture«, die zur Demo aufgerufen hatten. Bis sichergestellt sei, dass davon keine un- umkehrbare Verschlechterung des Trinkwassers für 500 000 Menschen in der Region ausgeht, sei ein umgehender Baustopp an der Autobahn notwendig, lautete die Forderung der Demonstranten.

Rede von schweren Versäumnissen

Im vom Ausbau der A49 betroffenen Gelände seien »hochgiftige« Sprengstoffe dokumentiert, die bei bisherigen Sanierungen nicht berücksichtigt worden seien, so Mischke weiter. Dieser Vorwurf habe sich mit der Antwort aus dem Dezernat Gewässerschutz des Regierungspräsidiums auf eine Anfrage mit Berufung auf das hessische Umweltinformationsgesetz bestätigt. In Pflanzenwurzeln auf dem Gelände lasse sich der Sprengstoff TNT nachweisen. Entgegen anderslautenden Berichten seien zudem mit Sprengstoff belastete Wurzelstöcke »geschreddert und weithin über die Trasse verteilt worden«.

Verbliebene Gebäude- und Mauerreste entlang des Trassenbereichs zeigten eine unvollständige Sanierung des Geländes. Auch scheine die Bodensanierung nur bis zu einer Tiefe von drei Metern durchgeführt worden zu sein, obwohl für die Verlegung einer Erdgasleitung über zehn Meter tief in das belastete Gelände eingegriffen werde. Damit seien die Nebenbestimmungen zum Bodenschutz im Planfeststellungsbeschluss nicht erfüllt und eine Einstellung der Arbeiten notwendig, so die Arbeitsgemeinschaft »Danni lebt«. Mit der Demonstrationen wollten die Teilnehmer das Regierungspräsidium auffordern, »die schwerwiegenden Versäumnisse umgehend aufzuarbeiten und bis dahin alle weiteren Bauarbeiten in diesem Bereich einzustellen«. Denn Voraussetzung für die Arbeiten auf dem Gelände sei laut Planfeststellungsbeschluss eine vorherige komplette Sanierung des Geländes. »Alles andere ist ein Roulettespiel auf Kosten derer, die auf das hier gewonnene Trinkwasser angewiesen sind«.

Weitere Redner waren Dr. Wolfgang Dennhöfer vom Vogelsberger BUND-Kreisverband sowie Jörg Bergstedt, der unter anderem auf eine aus seiner Sicht stattfindende »Kriminalisierung von Aktivisten« einging. Bei der Demonstration sollten auch Barbara Schlemmer und Elke Müller vom Aktionsbündnis »Keine A49« sprechen. Sie hatten wegen der am Abend in Homberg stattfindenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung absagen müssen. Auch dort ging es in weiten Teilen um die A 49.



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