23. September 2012, 21:13 Uhr

»Ohne Handwerk würde die Region veröden«

Romrod (ml). Insgesamt 144 Gesellen erhielten am Sonntag in einer Feierstunde ihre Gesellenbriefe überreicht.
23. September 2012, 21:13 Uhr
Gruppenbild der Innungsbesten mit den Vertretern des Handwerks sowie der Kommunalpolitik. (Foto: ml)

Im Rahmen der Freisprechungsfeier im Bürgerhaus Romrod konnte Kreishandwerksmeister Edwin Giese dazu auch den Präsidenten der Handwerkskammer Wiesbaden Klaus Repp begrüßen. Musikalisch umrahmt wurde die Feier durch Ulrike Schimpf und Araik Rubinyan.

Der Vogelsbergkreis biete den Gesellen eine Perspektive für das weitere Berufsleben, sagte Giese in seiner Begrüßung. Trotz des ländlichen Charakters habe man 1532 Handwerksbetriebe. Dort habe man die Möglichkeit, Fachkompetenz einzubringen und sich weiterzubilden. Doch diese »Perspektive Vogelsberg« bedeute auch Verantwortung. Gerade im ländlichen Raum sei das Handwerk der Nahversorger der Bevölkerung. »Ohne das Handwerk würde eine ganze Region veröden«, so Giese. Diese Chance solle man nutzen, denn gerade im Vogelsberg werde man gebraucht. Ein Lob gab es auch für die heimischen Betriebe, die derzeit 610 Lehrlinge ausbilden. Damit habe man eine Ausbildungsquote von zehn Prozent, eine Zahl, die ihresgleichen suche, meinte Giese.

Doch der Kreishandwerksmeister sprach auch ein akutes Problem an: Die Zusammenlegung der Berufsschul-Fachklassen mit anderen Landkreisen. Im Vogelsberg werden immer mehr Fachklassen geschlossen und die Schüler in die Ballungsräume geschickt. Doch es gebe auch andere Lösungen. So könne man zum Beispiel auch die Auszubildenden aus den größeren Städten wie Gießen nach Alsfeld oder Lauterbach schicken. Auch im Vogelsbergkreis gebe es hervorragende Berufsschulen. Dies wäre auch ein kleiner Schritt, um die ländliche Region zu stärken.

Handwerk verbindet Erfahrung mit Innovationsbereitschaft der Jugend

Repp erklärte in seiner Festansprache, dass der Vogelsberg ein wichtiger Teil des Kammerbezirks sei. Es würden junge Menschen für die Zukunft des Handwerks ausgebildet. Deutschland sei »handgemacht«, und ohne das Handwerk gehe es nicht. Die Gesellen seien mit ihrer Freisprechung Teil der Handwerkerfamilie, so Repp. Präzision, Freundlichkeit, Pünktlichkeit, Wissen und Können seien die wesentliche Voraussetzungen für den Erfolg, doch auch der Teamgedanke sei wichtig. Handwerk sei Kundennähe und -orientierung, Tradition und Innovation, es verbinde die Erfahrung der Älteren mit der Innovationsbereitschaft der Jüngeren.

Überall werde die Ausbildung in Deutschland bewundert, konstatierte Repp. Sie bedeute Fachkräftegewinnung und biete Perspektiven. Handwerk sei mühsam, aber alle Mühen wert, so Repp. Es biete Qualität, die aus Qualifizierung entstehe. Daher sei es für die Gesellen wichtig, sich jetzt nicht zurückzulehnen sondern die Chance zur Weiterbildung zu nutzen.

Landrat Manfred Görig betonte, dass es wichtig sei, den erbrachten Leistungen Respekt zu zollen. Die Ausbildung von Fachkräften sei eine der vorrangigen Aufgaben des Vogelsbergkreises. Ohne diese gebe es keine Zukunft für die Wirtschaft der Region. Daher würden größte Anstrengungen unternommen, damit alle in Ausbildungsberufe gelangten. Helmut Reitschky, stellvertretender Schulleiter der Alsfelder Max-Eyth-Schule, sagte, dass es bei Bildung keinen Stillstand geben dürfe. Die Globalisierung habe den Arbeitsmarkt verändert, Betriebe müssten sich weiterentwickeln und verändern. Daher reiche es nicht, sich auf dem Gelernten auszuruhen. Lebenslanges Lernen sei Voraussetzung für den Erfolg am Arbeitsmarkt, so Reitschky. Bildung gebe es jedoch nicht zum Nulltarif, daher seien Ausgaben für die Bildung die wichtigsten Investitionen in der Region. Für die Zukunft des Vogelsbergs sei es wichtig, die Zusammenarbeit zwischen Handwerk, Schulen und Politik fortzusetzen und weiter zu intensivieren. Nur im Verbund könne man das Überleben der Region sicherstellen.

Nach den Grußworten erhielten die Gesellen ihre Briefe und wurden von Giese nach alter Tradition freigesprochen sowie in den Gesellenstand erhoben. Ebenso wurden die Innungsbesten ausgezeichnet: Bäcker-Innung: Mareike Klaß (Alsfeld), Innung für Elektro- und Informationstechnische Handwerke: Timo Sust (Lauterbach), Innung für Klempner, Sanitär- und Heizungsbau: Anlagenmechaniker Sebastian Seiler (Lauterbach) und Marcel Wahl (Alsfeld), Klempner Maximilian Braun (Hosenfeld), Raumausstatter- und Sattler-Innung: Lisa Mengel (Mücke), Karosseriebauer-Innung Oberhessen: Michael Arnold (Biebertal), Karosserie- und Fahrzeugbauer-Innung Mittelrhein: Christian Schröter (Bad Marienberg), Tischler-Innung: Robin Löhler (Haunetal), Björn Zimmer (Wartenberg) und Dominik Koch (Romrod). Steffen Schneider (Homberg/Ohm) wurde zudem für seinen ersten Platz beim Wettbewerb »Die gute Form« der Tischler-Innung ausgezeichnet.Mit einem Sektempfang ließ man die Freisprechungsfeier ausklingen.



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