27. Oktober 2009, 19:28 Uhr

Landwirte danken Gott und kritisieren Discounter

Romrod (ia). In würdigem Rahmen - vormittags eingeleitet mit einem Gottesdienst in der Schlosskirche und nachmittags im Bürgerhaus mit zahlreichen Ansprachen von Repräsentanten der Landwirtschaft - feierte der Kreisbauernverband am Sonntag das Kreiserntedankfest 2009.
27. Oktober 2009, 19:28 Uhr
Die neuen Junglandwirte des Vogelsbergkreises mit, von links: Kreislandwirt Norbert Reinhardt, Kreisbauernverbandsvorsitzender Kurt Wiegel, 4. von links Rolf Schmidt (Ausbildungsberater LLH), rechts Landrat Rudolf Marx, 2. von rechts Berufsschullehrer Dr. Bernhard Geiß, 3. von rechts Heinz Adolf Koch (Prüfungsausschussvorsitzender). (Fotos: ia)

Romrod (ia). In würdigem Rahmen - vormittags eingeleitet mit einem Gottesdienst in der Schlosskirche und nachmittags im Bürgerhaus mit zahlreichen Ansprachen von Repräsentanten der Landwirtschaft - feierte der Kreisbauernverband am Sonntag das Kreiserntedankfest 2009. In der Veranstaltung mit rund 70 Teilnehmern wurden auch acht Junglandwirte für erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung zum Landwirt im Vogelsbergkreis beglückwünscht. Die »frisch gebackenen« Landwirte hatten kürzlich nach zwei- oder dreijähriger Ausbildung auf einem externen Betrieb erfolgreich ihre Abschlussprüfung absolviert. »Es tut uns sehr gut zu hören, dass junge Menschen auch sehr viel Zuversicht haben in die Entwicklung, die uns in den nächsten Jahren erwartet.« So seien die Ausbildungszahlen wieder deutlich gestiegen, von 330 Auszubildenden 2004 bis zu 397 im vergangenen Jahr. Aktuell stelle die Landwirtschaft in Hessen etwa 400 Ausbildungsplätze zur Verfügung.

Die Gratulationen, verbunden mit Überreichung von kleinen Präsenten, nahmen der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Vogelsberg, Kurt Wiegel, Landrat Rudolf Marx, Berufsschullehrer Dr. Bernhard Geiß (Max-Eyth-Schule), Ausbildungsberater Rolf Schmidt und der Vorsitzende der Prüfungsausschusses Agrar, Heinz Adolf Koch, vor.

Erfolgreiche Ausbildungen zum Junglandwirt schlossen ab: Elisabeth Kachel (Schlitz-Queck), Manuel Bönsel (Grebenhain-Metzlos), Markus Löffler (Grebenhain-Ilbeshausen), Sebastian Schmidt (Lauterbach-Maar), Marc Semmler (Feldatal-Stumpertenrod), Martin Dippel (Lauterbach), Timo Dürer (Schlitz-Rimbach) und Andreas Wagner (Burg-Gemünden).

Durchgängiger Tenor in allen Ansprachen im Bürgerhaus waren Worte des Dankes an Gott für einen in diesem Jahr guten Ertrag und eine gute Ernte. Auf christlich-religiöser Ebene hatten bereits vormittags im Gottesdienst Dekan Dr. Jürgen Sauer und Romrods Pfarrer Friedhelm Sames in ihren Predigten die Worte gefunden, die auch in den einzelnen Grußworten am Nachmittag nochmals zustimmend reflektiert wurden.

So sagte Kreisbauernverbandsvorsitzender Wiegel, in diesem Jahr habe die Ernte nicht getrocknet werden zu brauchen. Immer wenn es nötig gewesen sei, habe es geregnet. Außerdem habe es in der Region keine größeren Probleme mit Tieren, also im Bereich von Tierseuchen gegeben: »Es ist gut gegangen.« Allerdings komme Verbitterung auf bei den Preisen, »weil unsere Produkte nichts mehr wert sind.« Mit konkreten Preisangaben thematisierte der Bauernverbandsvorsitzende die aus Sicht der Landwirte unerfreuliche Erlössituation: »Hier muss einiges passieren, wenn bei den Discountern die landwirtschaftlichen Erzeugnisse verramscht werden.« Mit Querverweis auf eine Milliarde Menschen, die Hunger litten, und niedrigsten Preisen für zum Beispiel Kartoffeln hinterfragte der Redner, »ob das alles so richtig ist?«

Die öffentliche Diskussion zum Thema »Zwischen Tank und Teller« sei »scheinheilig«. Froh sei er, Wiegel, daher, dass die Landwirtschaft jetzt auch über ein Ventil verfüge: zum Beispiel Bioethanol und Biogas, um den Markt zu entlasten. Mit Blick auf Entwicklungen mit leerstehenden Betrieben, weil Nachfolger fehlten und Äcker für Windkraftanlagen genutzt würden plädierte der Redner für ein Vorgehen mit Augenmaß. Gemeinsam gelte es für eine bessere Zukunft der Landwirtschaft zu streiten.

Weitere Grußansprachen hielten Romrods Stadtverordnetenvorsteher Udo Kornmann, Landrat Rudolf Marx (Romrod), Hannelore Reibling (Lauterbach), die Sprecherin der Bezirkslandfrauen, Helmut Bittner, Ehrenvorsitzender der Ehemaligen Lauterbach, und Andreas Kornmann (Romrod-Zell), Ausschussmitglied der hessischen Landjugend.

Auch der Vizepräsident des Hessischen Bauernverbands, Armin Müller, sprach zur Versammlung und dankte dem Kreisbauernverband Vogelsberg ausdrücklich für dessen überzeugendes Engagement im Interesse der Landwirtschaft. Er setze in großer Tradition seine Arbeit fort. Mit Blick auf die Vergangenheit und der seinerzeitigen »Erzeugungsschlacht« - um damals in der Hungersnot die Bevölkerung satt zu machen - thematisierte Müller ausgiebig die Entwicklung der Weltbevölkerung und die Welternährungssituation, nicht ohne auch direkt auf Worte in der Bibel Bezug zu nehmen wie »Saat und Ernte« oder »unser täglich Brot gib uns heute« im Vater unser: »Wir nehmen Ernährung für die Bevölkerung ernst.« In den Betrieben werde dies mit hoher Verantwortung gesehen.

Müller machte auch auf den extremen Verlust an landwirtschaftlicher Nutzfläche in Hessen aufmerksam, sechs Hektar seien es jeden Tag: »Diese Entwicklung ist dramatisch.« In der Vergangenheit sei mit den wertvollen Böden Schindluder getrieben worden. Als Stichwort nannte der Vizepräsident die Ausgleichsflächenproblematik. Jetzt sei es, auch durch Wiegels Einsatz in der Politik, gelungen, dies in eine andere Richtung zu lenken. Es gebe jetzt intelligentere Lösungen, dennoch müsse ständig daran gearbeitet werden, »diesem Flächenverbrauch entgegen zu treten.«

Müller zog auch statistische Quervergleiche, lobte die hervorragenden Fachschulen in Hessen mit Blick auf Ausbildung von jungen Landwirten. Mut machte der Vizepräsident für den Sektor Milch - »die Zeichen bei der Milch stehen wieder positiv« -, es handele sich nicht um eine Eintagsfliege. Dennoch dürfe man sich in Hessen nicht weiter einschränken. Pro Jahr werde in dem Bundesland nur noch gerade eine Milliarde Liter Milch gemolken, das seien gerade drei Prozent der bundesdeutschen Milchmenge.

Der Vizepräsident schloss mit Worten des Vertrauens in die Politik. Sie sei ein fairer Partner, bei dem man nachhaltig seine Argumente vortragen müsse. Mit zugegen beim Kreiserntedankfest waren auch die Hessische Milchkönigin Melanie und die Rapsblütenkönigin Kathrin.

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