15. August 2021, 17:42 Uhr

Veranstaltung in Gießen

Rettungsmission: Laschet für Rückkehr der Bundeswehr nach Afghanistan

Mit einem Vorstoß für eine Rettungsmission der Bundeswehr in Afghanistan, um einheimische Ortskräfte nach Deutschland auszufliegen, hat Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet am Samstag beim Landestag der Jungen Union in Gießen aufhorchen lassen.
15. August 2021, 17:42 Uhr

Wo ist Helge? Eigentlich kann man ihn nicht übersehen«, sagt Armin Laschet von der Rednerbühne unter Gelächter und scannt die Sitzreihen vor der Basilika im Hof des Klosters Schiffenberg nach dem Kanzleramtschef ab. Der eher kleinwüchsige Kanzlerkandidat der Union ist selbst nicht zu sehen, als er am Samstag kurz nach 13 Uhr seiner Dienstlimousine entsteigt und in einem Pulk aus Sicherheitsleuten, Kameramännern, Pressefotografen und Handyknipsern verschwindet. Unter den Klängen von »Eye of the Tiger« aus dem Boxerfilm Rocky und begleitet von rhythmischem Klatschen der rund 350 Delegierten und Teilnehmer des 100. Landestags der Jungen Union schiebt sich das Gefolge des NRW-Ministerpräsidenten zur Bühne vor.

Dank für eine kämpferische Rede

Der Parteinachwuchs hat im Vorfeld seiner Veranstaltung Erwartungen an den Aufritt des Kanzlerkandidaten formuliert und ein Ende des Schlafwagen-Wahlkampfs gefordert. Aus Sicht des wiedergewählten JU-Landeschefs Sebastian Sommer hat Laschet geliefert. Für eine »kämpferische Rede« bedankt er sich nach dem 30-minütigen Auftritt des CDU-Bundesvorsitzenden.

Dabei sind es zunächst nachdenkliche Töne, die der mit schlechten Umfragewerten kämpfende Kandidat anstimmt. Er erinnert an die Gründung der Hessen-JU vor 75 Jahren, als Deutschland in Trümmern lag und junge Männer wie Robert Bouffier, Vater des hessischen Ministerpräsidenten, noch Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft verbringen mussten. Laschet arbeitet sich an den Extremisten von links und rechts ab und landet vor dem Hintergrund des rasanten Vormarschs der radikalislamistischen Taliban beim Thema Afghanistan. Es folgt ein überraschender Vorstoß des Kanzlerkandidaten, der eine kurzfristige Rückkehr von deutschen Truppen in das Bürgerkriegsland ins Spiel bringt, um Einheimische, die für die Deutschen gearbeitet haben, auszufliegen. »Die Bundeswehr hat Großes geleistet. Sie muss jetzt aber nochmal dorthin. Die Ortskräfte müssen jetzt rausgeholt werden. Die Bundeswehr muss diese Menschen retten«, fordert Laschet ein »neues Mandat des Bundestags« und sieht zudem das SPD-geführte Außenministerium in der Pflicht, die Weichen für eine Rettungsmission zu stellen. Vor den Kameras mehrerer Fernsehsender wiederholt Laschet seine Forderung später: »Das wird seit Monaten geprüft, jetzt muss gehandelt werden. Es bleibt keine Zeit mehr.«

Man spürt, dass Laschet mit solchen Vorstößen in die Offensive kommen will. Angesprochen auf seine schlechten Umfragewerte und Querschüsse der Schwesterpartei CSU sagt er in die Mikrofone: »Hier ist die Stimmung gut, und am nächsten Samstag werden ich, Angela Merkel und Markus Söder den Wahlkampf gemeinsam eröffnen.«

Dass die »Zeit der Zuspitzung« gekommen ist, merkt man zuvor bereits an dem mit viel Beifall bedachten Auftritt von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der wie Laschet und Braun die 2020er Jahre zu einem »Modernisierungsjahrzehnt« machen will. Digitalisierung und innovativer Klimaschutz gingen aber nur mit der Union und nicht mit den technikkritischen Grünen, heißt es allenthalben. Angesichts des Erfolgs der Impfkampagne (»drei von vier Erwachsenen sind geimpft«) fordert Spahn von seiner Partei mit Blick auf die Erfolge im Kampf gegen Corona einen »Bewältigungsstolz« ein. Gleichzeitig stimmt der Fachminister seine Zuhörer auf eine vierte Welle ein. Wie hoch und wie gefährlich sie werde, sei offen, Spahn sieht Deutschland aber besser gerüstet als im vergangenen Winter und gibt ein Versprechen für Geiimpfte und Genesene ab. Für diese Bevölkerungsgruppen werde es »keine Einschränkungen mehr geben«, sagt Spahn und schließt damit auch neuerliche Lockdowns aus.

Delegierte: »Macht die Unis auf«

In der kurzen Diskussion mit seinen jungen Parteifreunden gibt es auch Kritik. »In Gießen ist die Uni immer noch abgeschlossen. Macht die Unis auf, holt die Schüler und Auszubildenden zurück«, appelliert eine Delegierte an die Verantwortungsträger in Bund und Ländern.

Corona bestimmt auch die Abläufe der Veranstaltung, an der Delegierte, Gäste und Journalisten nur mit negativem Schnelltest teilnehmen können. Ein Großaufgebot der Polizei kümmert sich um weitere Sicherheitsbelange. Vom sehr überschaubaren und friedlichen Protest (siehe unten) gegen die Auftritte der CDU-Promis ist hinter den dicken Mauern des Klosterhofs außer ein paar Trillerpfeifen nichts zu hören.



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