15. März 2021, 21:46 Uhr

Resetknopf für die Stadtpolitik?

15. März 2021, 21:46 Uhr
Die Homberger Wähler mischen die Verhältnisse auf. FOTO: KS

In Homberg gibt es bei der Kommunalwahl zwei klare Gewinner: Bündnis 90/Die Grünen und das Demokratische Bürgerforum (DBF). Als ganz großer Verlierer steht die CDU da. Was sich beim Trendergebnis bereits abzeichnete, bestätigte sich mit dem Endergebnis. Die Christdemokraten erleiden im Vergleich zur letzten Wahl einen erdrutschartigen Verlust von fast 19 Prozent. Bei der SPD sind es »nur« rund fünf Prozent an Einbußen. Die Freien Wähler verlieren ebenfalls Stimmen in etwas geringerem Umfang.

Die SPD bleibt stärkste Kraft in der Kernstadt sowie in Deckenbach und neu in Nieder-Ofleiden. Die CDU behauptet sich in Bleidenrod, Büßfeld, Erbenhausen, Gontershausen, Maulbach und Schadenbach. Die Freien Wähler holen mit fast 29 Prozent in Büßfeld ihr bestes Ergebnis, dort wohnt Kandidat Marco Keller. Die Grünen kassieren in Dannenrod 50 Prozent ein, diesen Wert hatte vor fünf Jahren die CDU. Auch in Maulbach und Appenrod sind die Grünen stark. Das Bürgerforum erhielt in Appenrod sein bestes Ergebnis. Hier Stimmen der Akteure zum Wahlausgang:

CDU: Eine schwere Niederlage räumt CDU-Spitzenkandidat Kai Widauer zum Abschneiden seiner Partei ein. »Wir hätten uns 35 Prozent plus x gewünscht.« Viele Stimmen seien zu Bürgerforum und Grünen gegangen. »Aber dass wir so abstürzen, das ist ein Schlag in die Magengrube.« Gründe sieht er im Protest gegen den Autobahnbau, das habe die Grünen gestärkt. Die hohen Verluste müsse man nun analysieren, »die Wähler waren offenbar mit unserer Arbeit nicht zufrieden, obwohl wir das beste Wahlprogramm hatten«. Man sei immerhin noch knapp stärkste Fraktion geworden und stelle den Stadtverordnetenvorsteher. Wie es in den nächsten Wochen weitergehen wird, das werde sich zeigen. Auf jeden Fall strebe er als Spitzenkandidat keine Koalition an, es scheine derzeit nicht sinnvoll, eine solche zu schmieden. Insgesamt werde die Arbeit nicht einfacher, aber es solle versucht werden, den Wählerwillen umzusetzen. »Gefühlt ist es eine ganz schwere Niederlage,« so Widauer. »Jetzt sollten wir aber versuchen, zur Sacharbeit zurückzufinden.«

SPD: Michael Fina, Spitzenkandidat der SPD, zeigte sich mit dem Abschneiden seiner Partei überwiegend zufrieden, auch wenn die Partei den Verlust eines Sitzes verschmerzen muss. Er hoffe, dass man im Stadtparlament eine gute Konstellation für die kommende Zeit hinbekomme. Es solle doch allen nun darum gehen, »nicht das eigene Ego in den Vordergrund zu stellen, sondern vernünftig und sachbezogen für Homberg zu arbeiten.« Man werde nun in Ruhe das Ergebnis bewerten.

Grüne: Barbara Schlemmer von den Grünen findet das Abschneiden »supergut«, sie sei total zufrieden. »Wir bekommen jetzt fünf Leute in die Stadtverordnetenversammlung.« Am Wahlabend hätten die Kandidaten schon etwas Panik verspürt, als 26 Prozent im Raum standen, »damit hätten wir unsere ganze Liste ausschöpfen müssen und hätten kein Personal mehr frei gehabt, was gar nicht gut gewesen wäre«. Gründe seien sicher die Autobahn gewesen, »aber auch unsere Offensive für mehr Transparenz in der Homberger Kommunalpolitik«. Viele Dinge seien in der Vergangenheit nicht offengelegt worden »und die Leute hatten das Gefühl, immer erst dann informiert zu werden, wenn es zu spät ist«. Als Beispiele nannte sie Baugebiete, Friedrichstraße, neues Industriegebiet. Zudem habe man vermitteln können, »dass wir keine Klientelpolitik machen«. Auch das Thema Straßenbeiträge habe man früh aufgegriffen. Jetzt sei man gesprächsbereit und rede mit jedem. Man arbeite ja schon mit dem Bürgerforum zusammen, »das klappt gut und kann so weitergehen«. Die Grünen wünschen sich, den »Resetknopf für die Homberger Politik zu drücken«.

Freie Wähler: Michael Krebühl von den Freien Wählern nannte eine schwierige Ausgangslage bei der Wahl, insofern könne man »im Großen und Ganzen noch ganz zufrieden sein«. Die Freien Wähler hatten nur sechs Kandidaten für die Liste gefunden, zumal zwei Mitglieder aus Altersgründen ausgeschieden waren und Rolf Süßmann zu den Grünen gewechselt war. Er selbst freue sich über mehr Stimmen als in 2016.

Bürgerforum: Jutta Stumpf als Spitzenkandidatin des Demokratischen Bürgerforums äußerte in einer Stellungnahme nach der Wahl auf Anfrage: »Wir bedanken uns bei unseren Wählerinnen und Wählern für jede Stimme und das damit verbundene Vertrauen ganz herzlich. Vier Sitze in der Stadtverordnetenversammlung für eine völlig neue Gruppierung sind ein tolles Ergebnis, über das wir uns sehr freuen«. Man werde nun »unsere Versprechen gegenüber den Wählern einlösen und unseren Anspruch auf völlige Offenheit und Transparenz in politischen Entscheidungen auch in der neuen Stadtverordnetenversammlung einbringen. Auf die Zusammenarbeit mit den neu gewählten Stadtverordneten freuen wir uns.«

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