04. Oktober 2022, 21:51 Uhr

Ökotopia im Vogelsbergkreis?

04. Oktober 2022, 21:51 Uhr
GKM
Zehn Schulen des Vogelsbergkreises hat der Kreisausschuss als Umweltschulen ausgezeichnet. FOTO: GKM

Zehn Schulen hat der Kreisausschuss als »Umweltschulen« ausgezeichnet. In der Adolf-Spieß-Halle in Lauterbach nahmen sie nun ihre Urkunden aus der Hand des Kreisbeigeordneten Hans-Jürgen Schäfer für ihre Leistungen zum Umweltschutz und einer nachhaltigen Entwicklung entgegen.

In seiner Laudatio betonte Schäfer die Bedeutung von solchen Projekten, wie sie jetzt an den ausgezeichneten Schulen in vielfältiger Form durchgeführt wurden, für die Bildung und eine nachhaltige Entwicklung. »Die momentane Krise im Energiesektor zeigt uns die Bedeutung der Nachhaltigkeit,« sagte er und machte deutlich, wie wichtig der Umgang mit den natürlichen Ressourcen ist.

Mit den damit zusammenhängenden Fragen beschäftigten sich die Umweltschulen in Hessen. Von ihnen gebe es mittlerweile 210 im ganzen Land und der Vogelsbergkreis habe die auf die Schülerzahl bezogene höchste Dichte an Umweltschulen. Die jetzt ausgezeichneten ermutigte er, ihr Engagement fortzusetzen: »Lassen Sie in Ihren Anstrengungen nicht nach!«

Ohne Bienen keine Äpfel

Um welche Themen es dabei im Einzelnen ging und geht, präsentierten die beteiligten Schüler zusammen mit ihren Lehrern. Passend zur in diesem Sommer wieder deutlich wahrnehmbaren Trockenheit beschäftigte sich beispielsweise die Eichbergschule in Lauterbach mit dem Thema »Wasser ist Leben«. Dabei ging es sowohl um die globale Sichtweise als auch um lokale Bezüge und die Frage, wie Wasser eingespart werden könne.

Bei einem zweiten Projekt an dieser Schule beschäftigten sich die Schüler mit der Bedeutung der Bienen für die Lebensmittelerzeugung (»Ohne Bienen keine Äpfel«). Mit dem Besuch eines Imkers, der Anlage von Blühstreifen und Insektenhotels wurden verschiedene Aspekte des Themas beleuchtet, die auch an anderen Schulen Projekthemen waren.

An der Ohmtalschule in Homberg produzieren die Schüler mittlerweile ihren eigenen Honig und Kerzen aus Bienenwachs und kümmern sich um deren Verkauf, beispielsweise auf dem »Kalten Markt« und dem Weihnachtsmarkt in der Stadt.

Mit Projekten, bei denen es um den Erhalt der biologischen Vielfalt geht, beschäftigen sich eine ganze Reihe weiterer Schulen. So thematisierte die Freiherr-vom-Stein-Schule in Herbstein die Gestaltung von Grünflächen für Flora und Fauna, einschließlich des Teilthemas »Schulwald«.

Mit gesunder Ernährung und der Beachtung von Nachhaltigkeitsaspekten beim Einkaufen beschäftigte sich das Projekt: »Nachhaltigkeit is(s)t mit!« an der Schule an der Wascherde in Lauterbach. An der Vogelsbergschule in Schotten ging es zudem um alle Fragen rund um das Ei: Hühnerhaltung und die Entwicklung eines Konzepts zur Betreuung von Hühnern im Unterrichtsverlauf des Schuljahres.

Von Moor bis Wasser

Als neuere Entwicklung bei der Themenausrichtung der Umweltschul-Projekte hat Katharina Schlitzer die Beschäftigung mit der Wasserproblematik und die Bedeutung von Mooren für den Klimaschutz ausgemacht. Sie ist als Lehrerin an das AZN-Naturerlebnishaus in Kirtorf abgeordnet und berät die Umweltschulen im Vogelsbergkreis bei ihren Projekten. Dem einzigen Hochmoor in der Region auf der Breungeshainer Höhe widmet sich ein Projekt der Schlossbergschule in Ulrichstein. In Kooperation des Naturschutzgroßprojekts des Vogelsbergkreises, dessen Amt für den ländlichen Raum und dem AZN wurde ein Konzept erarbeitet, wie sich ein so sensibler Naturraum für Schulklassen erlebbar machen lässt.

Da der Zutritt zum Moor verboten ist, ging es dabei zunächst darum, »die nicht so sensiblen Bereiche erkennbar zu machen«, so Schlitzer. Wie ein solches Moorgebiet entsteht, wieviel Wasser es speichern kann und welche Bedeutung es für den Klimaschutz hat, weil es auch das Treibhausgas Kohlendioxid speichert, waren die Fragestellungen, die die Schüler behandelten.

Ebenfalls an der Schlossbergschule wurde ein »grünes Klassenzimmer« eingerichtet. Gemeint ist die Beschäftigung mit der Lebensmittelproduktion sowohl im Garten als auch in der Landwirtschaft. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf die Kartoffel gelegt. Ganz praktisch übten die Schülerinnen und die Schüler den Anbau, vom Setzen bis zur Ernte. Während sie im Vogelsberggarten in Ulrichstein unterwegs waren, kümmerten sich die Schüler der Oberwaldschule in Grebenhain um den Vulkangarten.

Außerdem betreuten sie die »Ökotopia-Wiese«, die im Rahmen des Umweltschul-Projektes angelegt worden war. Zu den Pflegearbeiten an dem Feuchtwiesen-Gebiet, das schon vor einigen Jahren angelegt wurde, um die Entwicklung von Tieren und Pflanzen zu beobachten, gehört mittlerweile auch die Beobachtung eines besonderen Zuwanderers: Ein Biber hat sich hier häuslich eingerichtet - sehr zur Freude aller Projektbeteiligten.



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