17. November 2021, 21:57 Uhr

»Nur gemeinsam schaffen wir es«

17. November 2021, 21:57 Uhr
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Aus der Redaktion
Ehrung für 70 Jahre Treue zur Gewerkschaft.

Erstmals bot die Kongresshalle Gießen den äußeren Rahmen für die traditionelle Ehrung der Jubilare der IG Metall Mittelhessen. Und dies, wen wundert’s, unter Corona-Bedingungen. Mario Wolf, 2. Bevollmächtigter der IGM Mittelhessen, der anstelle des aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesenden 1. Bevollmächtigten Stefan Sachs die Veranstaltung moderierte, zeigte sich erfreut, dass nach dem pandemiebedingten Ausfall der Jubilarehrung im vergangenen Jahr diese nun im Herbst 2021 wieder möglich geworden sei.

Mit den bekannten Einschränkungen und trotz der Ehrung von IGM-Mitgliedern gleich zweier Jahrgänge mit insgesamt deutlich weniger Teilnehmern. Von knapp 1400 mittelhessischen Metallern, die in den Jahren 2020 und 2021 zur Ehrung für 25, 40, 50, 60 70 und auch 75 Jahre Mitgliedschaft anstanden, nahm ein knappes Zehntel an der Feier in der Kongresshalle teil.

All dies ändert laut Wolf aber nichts an dem Selbstverständnis und der Tatsache, dass die Gewerkschaftsbewegung von ihren Mitgliedern lebe. In Mittelhessen gehören rund 16 000 Frauen und Männer der IG Metall an, deren Geschäftsstelle sich in der Marburger Straße in Gießen befindet. Die Erfolge der Gewerkschaft in Sachen Verbesserung der Arbeits-, Einkommens- und somit letztlich der Lebensbedingungen seien ohne die jahrzehntelange Treue ihrer Mitglieder nicht möglich gewesen. »Und das wird auch so bleiben - speziell in der vom produzierenden Gewerbe im Metallbereich geprägten Region Mittelhessen.« Diese ist laut Wolf in ihrer Zulieferfunktion stark abhängig von der Automobilindustrie. Gerade in deren Wandel sehe die IG Metall eine große Herausforderung für die nächsten Jahre. Es gelte, »gute und mitbestimmte Industriearbeitsplätze unter Tarifstrukturen« langfristig sicherzustellen. Dazu müsse die IG Metall als starker Partner und Vertreter der Arbeitnehmerinteressen handlungsfähig sein und bleiben. »Nur gemeinsam können und werden wir das schaffen«, so der 2. Bevollmächtigte Mario Wolf.

Aufruf zum Impfen

Auch Festredner Stefan Körzell, gebürtiger Hesse und seit 2014 Mitglied im geschäftsführenden Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes, kam an Corona nicht vorbei. Zum einen motovierte er dazu, sich zum eigenen wie auch zum Schutz der Mitmenschen als »Akt der Solidarität« impfen zu lassen, zum anderen wies er auf die »extremen Auswirkungen« der Pandemie auf die heimische Wirtschaft wie den internationalen Warenverkehr hin. Dies betreffe die Zulieferindustrie insgesamt, die Hersteller- und die Konsumgüterindustrie, aber auch Banken und die Privatwirtschaft. Teile zur Herstellung von Fahrzeugen und Maschinen blieben aus. Folge: Produktionsengpässe.

»Wir brauchen ein Umdenken«, ist sich Körzell sicher. Deutschland dürfe nicht von einem festsitzenden Containerschiff im Suezkanal abhängig sein. »Wir brauchen eine Verkürzung der Lieferketten«, was bedeute, dass die so wichtigen Halbleiter - und nicht nur jene für die Automobilindustrie - wieder in Europa beziehungsweise in Deutschland gefertigt werden müssen. Deutschland brauche eine »präventive Strukturpolitik«, die jetzt einsetzen müsse und nicht erst, wenn Regionen »abgestürzt« seien. Die Einrichtung von »Transformations-Beiräten« - auch in Mittelhessen - eröffneten Politik, Arbeitgebern, Gewerkschaften, Arbeitsagentur und Wissenschaft die Möglichkeit, darüber zu beraten, was notwendig sei, damit die Region nicht abgehängt werde.

Insgesamt werden sich laut Körzell die gesamten Verkehrs- und Energieinfrastrukturen in Deutschland und Europa neu aufstellen müssen. Nötig seien Investitionen in die Infrastruktur zum Beispiel der Stromnetze und der Speicher, in den Ausbau erneuerbarer Energieerzeuger und in die Ladeinfrastruktur, wenn die Wirtschaft bis 2045 klimaneutral umgestaltet werden soll. Aber auch Investitionen in Gebäudesanierungen, Schulen und Hochschulen seien nötig. Was dazu nicht passe, sei die »Schuldenbremse«, die Körzell als »Zukunftsbremse« bezeichnete. »Wir wollen, dass es den Menschen in Deutschland gut geht. Und dafür kämpfen wir. Und wenn es sein muss, dann auch vor den Werkstoren und auf den Straßen.«

Jubilare aus dem Raum Alsfeld

2020 - 50 Jahre: Gerhard Delwa (Homberg), Horst Radmacher (Ulrichstein), Alfred Labus, Franz Houserek und Karin Diebel (Alsfeld), Bruno Rostkowski (Kirtorf), Helmut Eigner und Rainer Pigors (Grebenhain). 40 Jahre: Heinrich Rininsland, Helmut Frühauf, Maria Miladinovic, Ingrid Ahrens, Edmund Seipp, Hartmut Ellrich, Karl-Heinz Orth, Helmut Ebert, Ulrich Weitzel und Friedrich Paulic (Homberg), Dieter Fritsch, Bernd Reinig, Klaus Stark, Thomas Tröller und Lothar Mayer (Mücke), Albrecht Frank und Norbert Michel (Ulrichstein), Jürgen Müller (Antrifttal), Rolf Gromoll (Grebenhain), Klaus Klimek und Günter Wagner (Kirtorf), Nusret Üst (Schwalmtal), Klaus Bäuscher, Udo Decher, Hans-Ulrich Kern, Manfred Ruppelt, Bernd Lippert, Manfred Reuber und Elfriede Korell (Alsfeld). 25 Jahre: Peter Jurkowitsch und Thomas Nitzl (Homberg), Norbert Schmitt, Meik Dickel, Adolf Heitmann und Stefan Metzler (Mücke), Mario Schleich, Ralf Fiedler und Carola Schmitt (Gemünden), Martin Hilberg (Romrod), Andreas Jungk (Antrifttal), Tadeusz Stabulanice (Grebenau), Heiko Noll (Schwalmtal), Ralf Degenhardt, Andrea Schuchard und Cornelia Wahl (Alsfeld).

2021 - 70 Jahre: Otto Ermel (Schwalmtal). 60 Jahre: Georg Bommersheim (Mücke). 50 Jahre: Dieter Kehl, Peter Pfeiff, Helmut Jordan und Klaus Peter Cichowski (Homberg), Waltari Merita und Willi Wild (Mücke), Horst Tobias und Walter Reinhardt (Alsfeld), Hartmut Wende und Heinz Willi Wahl (Kirtorf). 40 Jahre: Erika Kammer und Helmut Wenger (Grebenhain), Herta Seim (Romrod), Peter Spill, Ewald Beyer und Manfred Schlitt (Antrifttal), Sylvia Apolle (Grebenau), Birgit Decher (Kirtorf), Achim Steuernagel und Karin Schmidt (Schwalmtal), Jürgen Olbrich, Berthold Hofmann, Harald Friese, Erich Quehl, Gerhard Brocke, Brigitte Doublier und Ingrid Müller (Alsfeld), Norbert Sandner, Gerhard Blank, Wilhelm Friedrich Rothärmel und Ralf Müller (Gemünden), Matthias Burk, Helmut Mannss und Helmut Erdmann (Mücke), Ottmar Häcker, Walter Schaaf, Ulrich Zeise und Michael Pfeil (Homberg). 25 Jahre: Andreas Kratz, Eckhard Liehr, Steffen Müller, Björn Tröller und Lars Becker (Mücke), Marco Missikewitsch (Ulrichstein), Uwe Petry (Gemünden), Norbert Bartoschek (Antrifttal), Stefan Köhler (Feldatal), Hans Ruhl (Grebenau), Monika Köhn (Schwalmtal), Alexander Lenz (Kirtorf), Carola Siegner und Yvonne Röhrig (Alsfeld).



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