03. Mai 2021, 21:58 Uhr

»Nicht als einzige Antwort alles zusperren«

03. Mai 2021, 21:58 Uhr

Die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie müssen auf einer wissenschaftlich soliden Basis stehen und verhältnismäßig sein. Die Statistik des Robert-Koch-Instituts (RKI) bilde das Corona-Infektionsgeschehen allerdings unzulänglich ab - das meint die Industrie- und Handelskammer Gießen-Friedberg. In ihrer Resolution »Verantwortungsvoll mit dem Corona-Virus leben - eine Öffnungsperspektive jetzt!« fordern nun die Mitglieder der Vollversammlung, dass es Lockdowns als Folge von überlasteten Intensivstationen in Zukunft nicht mehr geben dürfe.

Kritisch beschäftigte sich als Gast der Vollversammlung Professor Gerd Antes vom Freiburger Cochrane Institut mit den Zahlen des Robert-Koch-Institutes »Die Zahlen des RKI sind nicht aussagekräftig genug, um das Infektionsgeschehen in Deutschland abzubilden«, meinte der Mathematiker und Medizin-Statistiker in seinem Vortrag. Es seien lediglich Melderaten von Tests, die das Institut vorlege. Eine statistische Inzidenz ließe sich daraus nicht ableiten, also auch keine Begründung von Lockdown-Maßnahmen.

Für eine faire Perspektive

Die IHK-Mitglieder rufen die Politik dazu auf, Unternehmen besonders negativ betroffener Branchen, wie zum Beispiel im Veranstaltungsbereich, im Einzelhandel, in der Reisebranche sowie der Hotellerie und Gastronomie, die »insgesamt Milliardenbeträge in innovative Hygienekonzepte investiert haben«, eine »faire Öffnungsperspektive« zu bieten. »Wir verstehen uns als Teil der Problemlösung und wollen unseren Beitrag leisten, dass verantwortungsvolle Öffnungsperspektiven umgesetzt werden können«, erklärte Hauptgeschäftsführer Matthias Leder. Die Resolution wurde auf der Vollversammlung einstimmig verabschiedet.

Trotz Lieferservice seien die Einnahmen von Restaurants während der Lockdowns bei Weitem nicht kostendeckend, bemängelte IHK-Vizepräsident Rainer Dietz. Die ersten Gastronomiebetriebe hätten nach sechs Monaten Schließung bereits Insolvenz anmelden müssen, zumal die Fördermittel der Einkommensteuer unterliegen würden. Dabei hätten die Gastronomen Millionen an Euros in Luftfilter und Abtrennungen investiert, um ihre Gaststätten am Laufen halten zu können.

»Nicht als einzige Antwort alles zusperren«, stellte Angelika Schlaefke fest. Darüber hinaus sprach sich die IHK-Vizepräsidentin unter anderem für weniger Bürokratie sowie ein sinnvolleres Management von Impfungen aus.

»Wir müssen in besonderer Weise den Finger für die vom Lockdown betroffenen Unternehmen heben«, sagte Präsident Rainer Schwarz. Unternehmen könnten nur bestehen, wenn am Ende die Verluste aus der Corona-Krise gestemmt werden könnten. Die Hilfsprogramme seien bedauerlicherweise in wesentlichen Teilen zu kurz gegriffen und die Überbrückungshilfe an Kriterien gekoppelt, die man kaum erfüllen könne.

Wie Firmen Förderung erhalten

Ebenfalls einstimmig verabschiedeten die Mitglieder der Vollversammlung die Resolution »Intelligente Stadtverkehrskonzepte statt voreiligem Verkehrsversuch«. Mit großer Besorgnis habe man die Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Gießen über die Einrichtung von Radverkehrswegen auf dem Gießener Anlagenring zur Kenntnis genommen, heißt es darin. Die Mitglieder halten das einjährige Verkehrsexperiment für ein »falsches politisches Signal«, dessen Folgen gerade in der jetzigen schwierigen wirtschaftlichen Situation für Wirtschaft und Arbeitsplätze unabsehbar sind.

Matthias Leder stellte dann noch ein Video vor. VV-Mitglied Christian Eichenberger und Präsident Schwarz beschreiben ganz praktisch, wie Firmen durch den Antragsdschungel an Fördermittel kommen.«

Das Video ist abrufbar auf der Facebook-Seite der IHK sowie über der IHK-Website. Telefonische Beratung unter Telefon 06 41/79 54-22 22.



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