03. März 2021, 21:18 Uhr

Nester für Turmfalken und Sperling

03. März 2021, 21:18 Uhr
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Von Jutta Schuett-Frank
Michael Schmidt und Andre Schlosser bei der Montage. FOTO: SF

Mücke (sf). Die Gemeinde Mücke setzt sich für die Vielfalt an Lebensräumen und Ökosystemen ein, das sind die Grundvoraussetzungen für das (Über)Leben der Arten, für ihre Entwicklung, ihr Sterben und ihre Neubildung. Vor diesem Hintergrund wurden jetzt am Verwaltungsgebäude neuer Wohnraum geschaffen für Turmfalken, Mauersegler und Sperling.

»Mit diesem Startschuss an der Verwaltung«, so berichtet Bürgermeister Andreas Sommer, »wird ein Zeichen gesetzt. Auch sollen weitere öffentliche Gebäude mit kleinen Wohnungen ausgestattet werden. Zielgruppe sind auch die Fledermäuse, die geschützt werden müssen«.

Die Artenvielfalt ist laut Sommer ein Teil der Biodiversität oder biologischen Vielfalt. »Darunter fallen auch die Vorgärten, welche so angelegt sind, dass sich Flora und Fauna wohlfühlen. Die Betongärten fallen da allerdings aus dem Raster, denn sie sind Stätten des Grauens. Das Problem von vielen aktuellen Steingärten ist - vom Design abgesehen: Sie enthalten wenig oder gar keine Pflanzen. Häufig werden zudem Neophyten gepflanzt, die sich außerhalb des Gartens ausbreiten und die heimischen Pflanzen verdrängen und hiesigen Tieren kaum oder gar keine Nahrung bieten«, erläutert Sommer weiter.

Der Bürgermeister appelliert schon jetzt an die Mücker Vorgarten- und Gartenbesitzer, ihren Garten für die Artenvielfalt offen zu halten. Weltweit seien derzeit rund 1,8 Millionen Arten beschrieben, 71 500 seien in Deutschland nachgewiesen. Vollständig sei diese Liste aber noch lange nicht. Wie viele Arten es überhaupt auf der Erde gebe, sei unklar.

Es gibt immer weniger Turmfalken

Die Artenvielfalt ist nach Angaben von Sommer ein Indikator für die biologische Vielfalt und zeigt den Zustand von Ökosystemen oder Landstrichen an. Die Arten sorgten außerdem für ein ausgeglichenes Ökosystem, für sauberes Wasser, saubere Luft, den Schutz vor Bodenerosion und Hochwasser.

Andre Schlosser und Michael Schmidt, Mitarbeiter des Bauhofes, haben in diesem Sinne am Dienstag die neuen Wohnungen für die Vögel in luftiger Höhe montiert. Mithilfe eines Steigers wurden im hinteren Bereich die Haussperlingswohnungen angebracht und im vorderen Bereich der Verwaltung die Wohnungen für den Mauersegler und den Turmfalken, denn die lieben eine steile Flugkurve.

Zu den einzelnen Vögeln erläuterte der Bürgermeister, der Turmfalke bevorzuge hochgelegene Brutplätze. Auf diese Vorliebe sei auch seine Bezeichnung als Mauer-, Dom- oder Kirchfalke zurückzuführen. Er sei ein überwiegend rotbraun gefärbter Greifvogel mit unterschiedlicher Kopf- und Schwanzfärbung bei Männchen und Weibchen. Ein ganz charakteristischer Ruf ist das »ti,ti,ti« ein Erregungslaut, der vor allem dann zu hören ist, wenn die Vögel am Nest gestört werden. Zwar ist der Turmfalke nicht auf der Roten Liste, aber dennoch gehen die Bestandszahlen langsam stetig zurück. Der Grund dafür: Immer mehr Lebensräume gehen für den Turmfalken verloren. Freie Flächen an den Stadt- und Dorfrändern werden durch Straßen und Neubauten versiegelt, Nistmöglichkeiten an Häusern verschlossen, Kirchtürme bei Renovierungen völlig abgedichtet.

Spatz erobert die Gärten zurück

Spatzen haben sich den Menschen wahrscheinlich schon vor rund 10 000 Jahren angeschlossen, als der Mensch sesshaft wurde und mit dem Ackerbau begann. Denn auch Spatzen lassen sich gerne fest nieder und bewegen sich nur in Ausnahmefällen wenige Kilometer von ihrem Geburtsort weg. Der Spatz hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Zwischenzeitlich beschuldigte man den Haussperling auch, ein Schädling und Korndieb zu sein. Bis in die 1950er-Jahre wurde er deshalb bekämpft. Dabei ist der intelligente Vogel, was die Nahrungssuche angeht, ganz schön findig. Immer wieder erschließen sich Spatzen neue Nahrungsquellen: Sie haben gelernt, dass manche Türen automatisch aufgehen, wenn man vor ihnen umherflattert, dass man über die Rolltreppenschächte in die U-Bahn-Stationen hinunterfliegen kann, und dass es Papiertüten gibt, aus denen man durch Schütteln kostbare Brösel zaubert. Oder dass parkende Autos wahre Insekten-Schnellimbisse sind.

Elegante Mauersegler

Mauersegler sausen elegant durch die Lüfte - und ausdauernd: Sie können bis zu zehn Monate lang fliegen, ohne ein einziges Mal zu landen. Nur in der Brutzeit haben sie Bodenkontakt. Mauersegler sehen so ähnlich aus wie Schwalben. Im Gegensatz zu ihnen sind sie aber keine Singvögel, sondern rufen laut. Mit ihrem charakterischen »Sri Sri« übertönen sie sogar den Straßenlärm in der Stadt. Wenn man genau hinhört, kann man sogar zwei verschiedene Stimmlagen vernehmen: Das Männchen ruft ein hohes Sri und das Weibchen ein tieferes Sri. Mausersegler sind Zugvögel. Manche Mausersegler fliegen von ihren Brutgebieten in Europa nach Zentralafrika, verbringen den Winter dort und fliegen wieder zurück, ohne dabei den Boden zu berühren.

Nun hofft man in Mücke, dass die neuen Brutstätten auch bewohnt werden. Betreut wurde das Projekt von Jörg Carle, Beauftragter für Arten- und Naturschutz der Gemeinde Mücke.



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