28. Mai 2014, 16:28 Uhr

CDU-Kritik: Nach der Kita schließt Dorf Sellnrod

Mücke-Sellnrod (pm). In den seit Wochen laufenden Diskussionen um den zum 31. Juli von der Schließung bedrohten Kindergarten im Ortsteil Sellnrod fotrdert die CDU den Erhalt der eEinrichtung.
28. Mai 2014, 16:28 Uhr
In Sellnrod haben besorgte Eltern Protestplakate am Zaun des Kindergartens angebracht. Dabei wird auch darauf abgehoben, dass die Kinder gemeinsam in einem Kindergarten gehen sollten. (Foto: rs)

So setzt sich die CDU-Fraktion in der Mücker Gemeindevertretung wenige Tage vor der Sitzung am 4. Juni dafür ein, nicht nur Einnahmen und Ausgaben zur Grundlage der Entscheidung zu machen, sondern die pädagogische Seite und die Bedeutung einer solch einmaligen Einrichtung für das Dorf mit 730 Einwohnern zu sehen.

Wie Fraktionsvorsitzende Dr. Anneliese Brunn und der Sellnröder Gemeindevertreter Dr. Hans Heuser erklärten, sei der von der Dorfbevölkerung in den Jahren 1975/1976 mit großer Eigenleistung erschaffene Kindergarten von unschätzbarer und unverzichtbarer Bedeutung für ein Dorf, in dem die Infrastruktur von Geschäften verschiedenster Art in den letzten 20 Jahren erheblich ausgedünnt worden sei. Gerade für nicht mehr so mobile ältere Einwohner oder Personen ohne eigenes Fahrzeug, werde es immer schwieriger die lebensnotwendigen Dinge zu regeln. Genau unter diesem Gesichtspunkt werde sich jede Familie – gleichgültig ob älter oder jünger – ein Dorf sehr genau ansehen, bevor man sich entscheide, ob man dorthin ziehe.

Ohne Kita keine neuen Familien

»Wenn in gut zwei Monaten der Kindergarten tatsächlich geschlossen werden sollte, wird niemals mehr eine Familie mit kleinen Kindern nach Sellnrod ziehen«, so Dr. Brunn und Dr. Heuser. Schon in wenigen Jahren werde man die gravierenden Folgen für die Altersstruktur und das Leben im Dorf erleben müssen. Dann würden die Feuerwehr, die Vereine und andere Gruppen keinen Nachwuchs mehr finden. Veranstaltungen wie »Mücke 2020« vor zwei Jahren könne man sich gänzlich sparen, und die Veranstalter derselben müssten sich sogar fragen lassen, wie ernst sie sich und ihre Erzählungen von der Zukunft der Dörfer nehmen würden.

Von Seiten der Gemeinde werde die angekündigte Schließung des Kindergartens Sellnrod einzig mit den Kosten begründet. Dem widerspricht die CDU, denn selbst nach der Schließung werde das Personal in einem anderen Kindergarten der Großgemeinde eingesetzt, bleibe im Stellenplan der Gemeinde und müsse – wie jeder andere Arbeitnehmer – bezahlt werden. Die Ersparnis bei den Sachkosten sei eher gering, und die Ausgaben für Heizung, Wasser, Beleuchtung und Reinigung für diesen Kindergarten seien für einen Gemeindehaushalt von über 17 Millionen Euro (Ergebnishaushalt) durchaus verkraftbar.

Grundsätzlich müssten sich alle Entscheider in Gemeindevertretung, Gemeindevorstand und in den Ortsbeiräten klar sein, dass man einen Kindergarten nicht betriebswirtschaftlich führen und rechnen könne, wie beispielsweise die Wasserversorgung oder die Abwasserbeseitigung, heißt es in der CDU-Pressemitteilung. Ein Kindergarten könne genauso wenig wirtschaftlich arbeiten wie ein Hallenbad. Jeder gemeindeeigene Kindergarten sei aber eine eminent wichtige Investition in die Zukunft eines Dorfes – ohne diese Zukunft werde dem Ortsteil Sellnrod die Zukunft genommen und nach dem Kindergarten könne man mit zeitlichem Abstand das ganze Dorf schließen, wie es eine Teilnehmerin in der Elternversammlung am Freitag treffend formuliert hatte.

Betriebserlaubnis nutzen

Die CDU-Fraktion appelliert daher an alle Fraktionen in der Mücker Gemeindevertretung, den Sellnröder Kindergarten nicht zu schließen, insbesondere weil er noch eine Betriebserlaubnis bis zum 31. Juli 2015 habe. Es wäre den Menschen in Sellnrod nicht zu erklären, wieso der Kindergarten bei noch vorhandener Betriebserlaubnis »Knall auf Fall« zum 31. Juli zugesperrt werden soll.



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