18. April 2013, 14:18 Uhr

Ausbildung bei Global Player der Automobil-Industrie

Mücke-Merlau (rs). »Wir sind auf dem Weg vom Stellenmarkt zum Bewerbermarkt«, konstatierten am Mittwoch Nachmittag Vertreter der Arbeitsagentur Gießen bei einem Besuch bei der Firma FFT EDAG Produktionssysteme.
18. April 2013, 14:18 Uhr
Die Scheiben werden in der Automobilproduktion von Robotern eingesetzt, FFT liefert dazu das Segment der Fertigungsstraße. Auf dem Bild ein Versuchsstand an einer Karosserie von BMW. (Fotos: rs)

Das bestätigten Vertreter von FFT, die sich um Auszubildende mittlerweile schon rund ein dreiviertel Jahr vor Ausbildungsbeginn kümmern müssen, früher hatte da ein Vorlauf von einem halben Jahr oder weniger durchaus gereicht. Hessenweit ist das Verhältnis der offenen Ausbildungsstellen und potenziellen Auszubildenden in etwa eins zu eins, wenn auch mit starken regionalen Unterschieden. Anlass des Treffens bei dem Unternehmen Flexible Fertigungstechnik am Mittwoch war der »Tag der Ausbildung« am 17. April, ein Tag, an dem die Vertreter der Arbeitsagenturen traditionell ausschwärmen, um für unterversorgte Jugendliche noch einen Ausbildungsplatz zu ergattern. Aus dem Gespräch am Mittwoch lässt sich indes ableiten, dass die »Bedürftigen« in der Zukunft auf der Ausbilderseite zu finden sein werden.

Arbeitsagenturleiter Eckart Schäfer war begleitet unter anderem von Katharina Gruß, Geschäftsführerin Operativ der Arbeitsagentur, auf seiten von FFT informierten Hubert Kern, Bereichsleiter Realisierung und Mitglied der Geschäftsleitung, die beiden Ausbildungs-Meister Bernd Orth und Jürgen Bodo Geiss sowie Andre Böhm von der Personalabteilung. Arbeitsagenturleiter Schäfer leitete ein, er sei angenehm überrascht, mit FFT in seinem Zuständigkeitsgebiet (die Kreise Gießen, Wetterau und Vogelsberg) ein weltweit so erfolgreiches Unternehmen vorzufinden. Das Kürzel FFT stand ursprünglich für Faust Fertigungstechnik,
Namensgeber war einer der Gründer 1974, Mücke ist der älteste Standort des mittlerweile global agierenden Unternehmens mit insgesamt 1600 Mitarbeitern. Davon arbeiten rund 430 in Merlau, darunter 35 Auszubildende.

Seit 1990 hat FFT weltweit
Niederlassungen gegründet

Die Serie der Erweiterungen bei FFT begann 1990 mit einer Niederlassung in Schmalkalden, es folgten Mexiko (1996),
Valencia in Spanien (1998), sowie Fulda (2001). Diese und weitere Niederlassungsgründungen erfolgten im Zusammenhang mit Werken der internationalen Automobilindustrie, der Anlagenbauer FFT wollte immer in unmittelbarerer Nähe der Kunden sein. Das kann dann auch mal zur Folge haben, dass Niederlassungen personell auf ein Minimum zurückgefahren werden, wenn der Automarkt - wie aktuell in Spanien - rückläufig ist. Dann orientiert sich FFT andernorts, wo Nachfrage ist. Seit 2003 gehört FFT zur EDAG (Engineering + Design AG), seit 2012 ist es Mitglied der ATON-Gruppe. Belege für den exzellenten Ruf als Partner der Automobilindustrie sind Anlagen für die Fertigung der S-Klasse von Mercedes, der VW-Modelle Scirocco und Sharan, der 5er, 6er und 7er Serien von BMW sowie die Mitarbeit am Opel Insignia. Derzeit erfolgt in Merlau der Probeaufbau einer Fertigungsstraße (Einsetzen aller Scheiben durch Roboter) für Volvo.

Bei FFT bekommen Azubis
rasch Einblick in Arbeitsalltag

Um dieses hohe Niveau halten zu können bedarf es qualifizierter Mitarbeiter, weshalb die Ausbildungsberufe Industriemechaniker, Mechatroniker, Elektroniker, Zerspanungsmechaniker, Technischer Produktions-Designer sowie Fachinformatiker angeboten werden. Derzeit werden 23 junge Leute ausgebildet, ab August kommen zwölf weitere hinzu. Trotz der hohen Zahl Auszubildender hat FFT keine reine Ausbildungswerkstatt, dafür ist die Bandbreite des Ausbildungsangebotes zu groß. Die Nähe zur Planung und Fertigung hat nach Angaben der FFT-Vertreter aber den Vorteil, dass der Nachwuchs rasch einen Einblick in den Arbeitsalltag erhält, sogar bei Einsätzen in Automobilwerke mitgenommen wird, so eine Bindung zum Unternehmen entsteht. Rund die Hälfte der Auszubildenden bei FFT bildet sich nach Abschluss der Lehre weiter, kann aber in den Ferien oder etwa an Brückentagen im Werk Geld dazu verdienen, bleibt so in Kontakt zur Firma.

Hälfte der »Lehrstellensuchenden«
hat schon Ausbildungsplatz

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des Trends, dass immer mehr junge Leute ein Abitur oder den Hochschulbesuch anstreben, muss FFT attraktiv bleiben, die gründliche Ausbildung (es gab schon mehrere Prüfungsbeste) und der variable Einsatz sind dazu zwei wichtige Bausteine. Konkurrenten um die Schulabgänger sind in der heimischen Region unter anderem die Firmen Bender (Grünberg), Kamax (Homberg) und Weiß (Lindenstruth). Die Erfahrung aus Bewerbungsgesprächen lehrt derzeit sogar, dass rund die Hälfte der »Suchenden« bereits einen Ausbildungsplatz in der Tasche hat, bei FFT nur noch mal ein bisschen »pokern« wollen, dann geht es beispielsweise um Kriterien wie Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr oder die allgemeine Erreichbarkeit.

Arbeitsagenturleiter Schäfer bestätigte den bei FFT beobachteten Trend zu einer immer früheren Rekrutierung, der speziell zulasten kleinerer Firmen gehe. Auf seine Frage, wie man mit dem schulischen Ausbildungsstand zufrieden sei, sagten FFT-Vertreter, man habe in Einzelfällen schon Nachhilfe organisiert, unterstützt von der Agentur für Arbeit. Frauen als Auszubildende hat es bei FFT schon in zwei Fällen gegeben, es kam aber nicht zum Abschluss der Lehre. Gleichwohl wirbt FFT über die Vergabe von Praktika immer wieder um weibliche Mitarbeiter, am Standort Fulda sind immerhin viele Ingenieurinnen beschäftigt.

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