10. Juni 2011, 18:35 Uhr

Wie man Physik auf Bierdeckeln erklärt. . .

Mücke-Nieder-Ohmen (ks). Er kann das Weltall auf einem Bierdeckel erklären und wurde Professor, obwohl ihm sein Lehrer an der Gesamtschule Mücke prophezeit hat: »Das mit der Physik kapierst du nie!«.
10. Juni 2011, 18:35 Uhr
Prof. Dr. Harald Lesch am Freitag an seiner alten Schule in Nieder-Ohmen. (Foto: ks)

Mücke-Nieder-Ohmen (ks). Er kann das Weltall auf einem Bierdeckel erklären und wurde Professor, obwohl ihm sein Lehrer an der Gesamtschule Mücke prophezeit hat: »Das mit der Physik kapierst du nie!«. Das kam dann anders, der Knabe wurde später Astrophysiker und erklärt heute den Menschen auf unterhaltsame Weise die Rätsel der Wissenschaft. In den vergangenen Tagen hielt sich der gebürtige Nieder-Ohmener wieder einmal in seiner Heimat auf und erfüllte gern den Wunsch nach einigen Vorträgen. Das freute besonders die Gesamtschule, denn ganz kurzfristig hatte der prominente Gast ohne großes Federlesens («das war Ehrensache«) zugesagt und redete am Freitag Vormittag vor rund 200 Schülern.

In einem Gespräch mit Lehrer Rolf-Dieter Aff gab der 51-Jährige erneut eine Kostprobe seiner äußert komisch-unterhaltsamen Art der Wissenvermittlung, die ihm mittlerweile schon einige Radio- und Fernsehsendungen beschert hat. Schulleiter Willi Sollner hatte den Gast zuvor begrüßt, der sich vorher in der Mediathek der Schule umgeschaut hatte und viel Lob dafür parat hatte, wenngleich er sehr bedauerte, dass junge Menschen heute kaum noch lesen. Das war zu seiner Zeit anders, unter anderem verschlang er die Bände der Perry-Rhodan-Reihe (»hatte mich mein Schulfreund Udo Ornik drauf gebracht«).

Lesch betonte, er habe dieser Schule »unheimlich viel zu verdanken.« So erinnerte er sich an das 9. Schuljahr, »als ich eigentlich einen blauen Brief hätte bekommen müssen.« Schmunzeln kann er auch heute noch sehr darüber, wie bayerische Schulleiter reagieren, wenn er erzählt, »dass ich auf einer hessischen Gesamtschule war.«

Vor den Schülern demonstrierte Lesch dann seine Schnelldenk- und Schnellsprechkunst, so kommt er von seiner aktuellen Sendung über Radioaktivität blitzschnell zur Politik, als er die Schüler fragt, ob es denn ein Endlager für den strahlendem Atommüll gibt. Seinen Beitrag in der Sendung alpha centauri erklärt er wie folgt: »Ich stehe vor einer altmodischen Tafel und schwätze eine Viertelstunde vor mich hin.« Am Anfang habe er zum Beispiel gar kein Ahnung gehabt, wo die Kamera gerade steht. Ansonsten beschäftigt er sich noch mit so interessanten Fragen wie »Gibt es Schnaps im Weltall?« und findet die Astrophysik »das Allergeilste, was es gibt.« Wer ihm zugehört, der glaubt das aufs Wort, so leidenschaftlich erzählt er von seiner Materie wie Sternleichen, Neutronen oder schwarzen Löchern. Die Schüler musste er ein bisschen enttäuschen, denn sein Fach hat ganz viel mit Mathematik zu tun, die aber viele Vorteile hat: »Wenn ich mal einen Außerirdischen treffe und zeichne ein Quadrat in den Sand, dann kennt er das wahrscheinlich.« Prägend für seine Laufbahn war unter anderem die erste Mondlandung, und vergangenes Jahr traf er dann zur Abrundung dieses Erlebnisses an seinem
9. Geburtstag zu seinem 50. Geburtstag auf Neil Armstrong.

Was das Geheimnis des Erfolgs ist, dazu hat er »keine Ahnung.« Vielleicht weil er schon von früh auf erklären musste, was er so macht (»meine Eltern haben gedacht, der beruhigt sich schon wieder und macht dann so was wie Elektrotechnik«). Mit Erklärungen der Physik auf einem Bierdeckel könne man sich aber viele freibierselige Abend im Rheinland über Wasser halten. Lesch erläuterte die immensen Entfernungen im All (»eine der schwierigsten Fragen überhaupt«) und ging kurz auf die Bücher ein, an denen er schon beteiligt war.

Gern mal selbst zu einem anderen Planeten fliegen möchte er allerdings nicht, »das macht mein Magen nicht mit.« Ansonsten ist er fest davon überzeugt, dass es im Universum noch weitere Lebenwesen gibt, wenngleich auch auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen: »Bei uns hat es ja auch gedauert, bis so was EHEC oder Rauhaardackel entstanden sind.« Spätestens in zehn Jahren werde man den ersten Planeten entdecken, wo außerirdisches Leben herrscht, ist er überzeugt.

Am gleichen Abend plauderte Lesch dann noch auf Einladung der evangelischen Kirchengemeinde im dortigen Gemeindesaal in Nieder-Ohmen ebenso entspannt und unterhaltsam vor zahlreichen Besuchern über »Gott und eine Welt«.

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