08. Juni 2011, 16:15 Uhr

Für ein Grundstück zwei Interessenten

Mücke (rs). Es ist ein sehr großes und idyllisch gelegenes Grundstück in zentraler Südhanglage, um das es viele Jahre lang ruhig war. Die Gemeinde hatte verschiedene Anläufe unternommen, es zu vermarkten, vergebens.
08. Juni 2011, 16:15 Uhr
Rund 2000 Quadratmeter groß ist die Freifläche zwischen Obergasse und Elpenröder Straße unterhalb des ehemaligen Forsthauses (oben rechts). Interessenten aus Lauterbach wollen das gesamte Areal zur Wohnbebauung erwerben, Anlieger, die die Wiese bisher gepachtet hatten, nur rund 500 Quadratmeter. Der Bauausschuss sprach sich am Dienstag nach kontroverser Diskussion mehrheitlich für den Verkauf in Gänze aus. (Foto: rs)

Jetzt allerdings haben gleich zwei Parteien Interesse an dem rund 2000 Quadratmeter großen Areal in Nieder-Ohmen zwischen der Elpenröder Straße und der Obergasse bekundet. In einer Sitzung des Bauausschusses führte das zu einer längeren teilweise sehr kontroversen Diskussion, ein für Grundstücksangelegenheiten eher seltener Ablauf. Dabei hatten sich Kritiker aus den Reihen von CDU und Grünen für die eine Interessentenpartei (Nachbarn und seitherige Pächter des gemeindlichen Areals) eingesetzt, die vor Tagen bereits über einen Leserbrief auf die Problematik aufmerksam gemacht hatte. Zudem waren Zweifel an einer richtigen Information des Ortsbeirates durch den Gemeindevorstand in der Angelegenheit aufgekommen, weshalb unter dem Strich die beiden Oppositionsfraktionen ein Gespräch aller Beteiligten vor Ort anregten, die Vertreter der Koalitionsfraktionen SPD und FW allerdings der Vorlage des Gemeindevorstandes folgten, die Fläche an die auswärtige Familie (eine Person steht familiär einem führenden Mücker SPD-Politiker nahe) zu veräußern.

Den Werdegang des Grundstückes in gemeindlichem Besitz erläuterte Bürgermeister Matthias Weitzel sehr umfassend. Demnach war ein rund 4900 Quadratmeter großes Areal 1991 von der Gemeinde für 185000 DM erworben worden, 1994 wurden von der Gemeinde zwischen 300 und 400 Quadratmeter für einen Wohnhausbau veräußert, der Preis habe damals bei 30 DM je Quadratmeter gelegen. Es folgte später eine Wertermittlung des Restareals durch das Ortsgericht, das auf 153000 DM kam, was einem Quadratmeterpreis von rund 35 DM entsprach.

Um die Jahrtausendwende gab es nach Angaben des Bürgermeisters dann die Idee, die große Freifläche von unten, von der Obergasse aus, zu erschließen, indem man ein altes Haus abreißen wollte. So hätten sich vier oder fünf Bauplätze ergeben. In diesem Sinne hätten die gemeindlichen Gremien auch den Beschluss gefasst, für einen Quadratmeterpreis von 60 DM zu verkaufen, aber dann sei das abzureißende Haus »plötzlich auf wundersame Weise« unter Denkmalschutz gestellt worden. Nachdem also die große Lösung gescheitert war, verkaufte die Gemeinde 2003 die untere Hälfte des Areals für insgesamt 41000 Euro, ein Teil Grünland, ein Teil Bauland.

Dann tat sich nach Angaben des Bürgermeisters lange nichts, bis im Januar diesen Jahres die Anfrage zum Kauf wegen einer Wohnbebauung kam. Dazu hatte die Gemeinde empfohlen, vorsichtshalber eine Bauvoranfrage zu stellen und ihrerseits den Pachtvertrag gekündigt, der mit dem jetzt zweiten Interessenten geschlossen war. Vor diesem Hintergrund wandte sich Weitzel gegen Vorwürfen, es sei gemauschelt worden. Denn auch andere Anlieger hätten dann Interesse bekundet, hätten die gleichen Konditionen genannt bekommen wie der erste Interessent. Allerdings habe sich einer dann nicht mehr gemeldet, und ein anderer sich gegen die Bauverpflichtung gewandt. Zwischenzeitlich habe der zweite Interessent auch die Kommunalaufsicht eingeschaltet, aber daraus werde wohl nichts folgern, prognostizierte Weitzel.

Fragen zum Ablauf der Grundstücksverhandlungen und der letzten Ortsbeiratssitzung hatten von den Grünen Peter Schäfer und von der CDU Marco Kratz. Denn beide hatten gehört, im Ortsbeirat seien von einem Mitglied des Gemeindevorstandes falsche Informationen gegeben worden. Zudem habe der Ortsbeirat - bei Grundstücksangelegenheit eher unüblich - nicht einstimmig votiert, es habe drei Ja-, eine Nein-Stimme und zwei Enthaltungen gegeben. Wenn jetzt der erste »hochintelligente« Interessent die rund 2000 Quadratmeter »Schokoloadenstück« für knapp 60000 Euro erwerbe, dann sei das sehr günstig. Weil zudem noch ein anderer Interessent da sei, solle die Gemeinde »nichts übers Knie brechen«, sondern versuchen, die Interessen Aller in Einklang zu bringen. Dies sah auch CDU-Vertreter Kratz so, der gar von »bewussten Fehlinformationen« im Ortsbeirat sprach. Auch Kratz warb im Sinne eines zukünftig gedeihlichen Miteinanders für eine gütliche Einigung.

Ausschussvorsitzender Wilhelm Wild äußerte für die FW, nach einem Ortstermin seiner Fraktion mit den zweiten Interessenten, sei festzuhalten, dass diese Anlieger des Areals nur 500 Quadratmeter wollten, was bedeute, wenn die ersten Interessenten nur die ganze Fläche kaufen wollten, die Gemeinde auf dem Rest zunächst sitzen bleibe. Zudem habe der seitherige Pächter schon lange Kaufinteresse bekunden können.

Die in der Ausschusssitzung anwesende Frau des zweiten interessierten Paares informierte, man habe bereits 2001 Kaufinteresse bekundet, damals seien die 60 DM je Quadratmeter allerdings zu viel gewesen, so habe man die Fläche nur gepachtet. Sie gestand zu, dass sie es schlicht »verpennt« habe, die Gemeinde zwischenzeitlich wieder zu fragen.

Letztlich sprach sich die Koalitionsmehrheit (SPD und FW) mit fünf zu drei Stimmen für den ursprünglichen Kaufantrag aus, die Anregung von CDU/Grüne, das Thema abzusetzen und mit allen Beteiligten vor Ort zu verhandeln, fand keine Mehrheit.

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