16. Dezember 2009, 18:54 Uhr

Eine Farbsammlung, Möhren und Stahlskulpturen

Mücke-Nieder-Ohmen (sf). »Raum ist in der kleinsten Hütte« lautet ein Sprichwort und das stellt der Kunstturm unter Beweis: Bei der Ausstellungseröffnung passten die Besucher noch so eben in den Raum.
16. Dezember 2009, 18:54 Uhr
Zehn sehr unterschiedlich arbeitende Künster stellen noch bis zum 21. Februar im Kunstturm Mücke Werke unter dem Motto »getürmt« aus. (Foto: sf)

Mücke-Nieder-Ohmen (sf). »Raum ist in der kleinsten Hütte« lautet ein Sprichwort (frei nach Friedrich Schiller) und das stellt der Kunstturm (gegenüber der Gesamtschule) unter Beweis: Bei der Ausstellungseröffnung am Wochenende passten die Besucher noch so eben in den Raum. Die 3. Kunstausstellung steht unter dem Thema »getürmt«. Der Begriff regt zu allerlei Assoziationen an, die sich wunderbar mit der aktuellen Vorweihnachtszeit verbinden lassen: Überzeugte Weihnachtsmenschen »türmen« die Geschenke für ihre Liebsten auf dem Gabentisch. Chronische Weihnachtsmuffel indessen »türmen« vor Konsumterror und Familienverpflichtungen auf eine sonnige Südsee-Insel. Die einen brutzeln in der Sonne, bei den anderen brutzelt der Festtagsbraten, und die Tür wird weit geöffnet für Freunde und Familie.

Gespannt waren die Besucher, was den fünf Frauen und fünf Männer in den Sinn gekommen ist. Unter dem Motto »getürmt« treffen sich völlig unterschiedliche Persönlichkeiten, auch deren Arbeitsmaterialien und Ausdrucksformen bieten ein äußerst breites Spektrum künstlerischen Schaffens.

Begrüßt wurden die Gäste von Volker Schönhals, der zusammen mit Thomas Vinson die künstlerische Leitung des Kunstturms Mücke hat. Fünf männliche und fünf weibliche Künstler hatte Volker Schönhals aus ganz Hessen für die Ausstellung gewinnen können. Es folgte ein Prolog von Georg Mertin, der sich mit dem Ausstellungsthema befasste, über Hochstapelei, Wäschetürme, Höhenflüge, Ikarus, Babylon, das Türmen scheint nach seinem Eindruck auch geschichtsträchtig zu sein. Kurzer Auszug aus der Rede: »Türmen das ist doch keine Kunst, das kann mein Dreijähriger schon! Bauklötze, Klotzbauten, klotzige Bauten - aufgestapelt, verschachtelt, gebogen bis an die statischen Grenzen - menschengepferchte und bis ans Limit gepresste Legebatterien - dass da alle die Füsse stillhalten, dass da keiner ausbricht, das ist Kunst. Kriegskunst: Feldherren in Wachtürmen, genießen auch Sie die Aussicht, gucken Sie einfach in die Röhre. Von hier oben ist alles ganz klein, man muss nur näher rangehen, um zu sehen, wie groß es wirklich ist: die Torten wie der Hunger und der Abstand zwischen beiden«.

Die Unterschiedlichkeit der Materialien und deren stoffliche sowie inhaltliche Verbindung ist ein Thema des Künstlers Georg Mertin aus Wallau/Lahn. Heike Blumentritts Serie »Auge um Auge« entstand auf der Leinwand. Ausgehend von menschlichen Köpfen erarbeitete sie sich Schicht um Schicht eine ganz eigenwillige, autonome Bildsprache. Mit »Schichten« befasste sich auch die Marburger Künstlerin Kathrin Brömse. Sie ging unter anderem der Fragestellung nach, »wie man beim Freilegen von Schichten der menschlichen Existenz die Beschädigungen und Irritationen erkunden kann, die dabei zu Tage treten«. Nicht freigelegte, sondern Pigmente hinzugefügt hat hingegen die in Friedberg lebende Künstlerin Christine Wigge. Ihre Arbeiten präsentieren vertikale Pigment-Schichtungen, die in Papier eingerieben sind.

Als »Farbensammler« könnte man den Frankfurter Maler und Bühnenbildner Berthold Kampa bezeichnen. Seit 1998 beschäftigt er sich kontinuierlich mit dem Aufbau einer Farb-Materialsammlung, die er immer wieder in Auszügen und unterschiedlichen Formationen seinem Publikum vorstellt. Die Bildhauerin Ortrud Sturm thematisierte bereits 2007 im Rahmen des Mittelhessischen Kultursommers im Projekt »Erzart« den Turm als »Objekt für Zeit und Erinnerung«. Auch der in Nordeck lebende Bildhauer Olaf Beck ist in der Region kein Unbekannter. Er präsentierte im Frühsommer diesen Jahres seine vielbeachteten »Stahlskulpturen« im Kunstturm. Ganz andere Spuren verfolgt Anja Mohr aus Gießen. In ihren Fotogramm-Collagen möchte die Künstlerin durch die körperhafte Darstellung der Möhre dem Nahrungsmittel wieder einen Wert beimessen, der in unserer Kultur durch die Normierung der Lebensmittelindustrie zunehmend verloren geht. Gegen Gleichmacherei und den »Retuschierungswahn« der aktuellen Fotografie wenden sich auch die Arbeiten des Fotografen Tobias Bastian aus Neustadt/Hessen. Seine Fotos sind ein Plädoyer für die Beibehaltung der Individualität. Der in Kirchhain lebende Maler Rainer Lather arbeitet vorwiegend an Porträts und Porträtserien. Er näherte sich dem Thema mit dem »Doppelporträt eines Getürmten« an.

Der kalten Witterung angepasst gab es im Freien wärmende Getränke.

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