03. August 2008, 20:52 Uhr

Selten: 50. Geburtstag für 1425 Obstbäume gefeiert

Mücke-Ruppertenrod (sf). Zum kleinen Festkommers an der Grillhütte anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Obstbaumpflanzung konnte die Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, Dr. Anneliese Brunn, am Samstagmittag viele Mitglieder und Gäste begrüßen.
03. August 2008, 20:52 Uhr
Werner Kratz trug Teile des historischen Gedichtes vor.

Mücke-Ruppertenrod (sf). Zum kleinen Festkommers an der Grillhütte anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Obstbaumpflanzung konnte die Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, Dr. Anneliese Brunn, am Samstagmittag viele Mitglieder und Gäste begrüßen. Das Nachmittags-Kinderprogramm gestaltete der bekannte Naturschützer Kurt Linker (Schadenbach), der den Kindern- und Jugendlichen die Flora und Fauna der Ruppertenröder Gemarkung näherbrachte.

Ein 50. Geburtstag für 1425 Obstbäume sei wirklich nicht alltäglich, so Vorsitzende Dr. Anneliese Brunn in ihrem Rückblick. Damals seinen zwei Plantagen, eine an der B 49 und die andere »Am Ried« angelegt worden. Sie erinnerte an die Zeit vor 50 Jahren, als der Gartenbauinspektor Walter Trumpfheller die Pflanzung in die Wege leitete. Damals sei die Versorgung mit frischem Obst Anlass zur Anpflanzung gewe- sen. Inzwischen diene so eine Obstplantage als Streuobstwiese auch der Tierwelt, und die An- lage sei nach 50 Jahren noch immer sehr gepflegt, stellte Dr. Brunn zufrieden heraus. Wie allerdings die Bewirtschaftung einiger Grundstücke in Zukunft aussehe, sei noch im Unklaren. Dass die Baumpflanzung auch in den kommenden 50 Jahre bestand haben solle, sei Wunsch des jetzigen Vorstandes. Aus diesem Grund sei im Oktober ein Beratungstermin vorgesehen. Die Baumpflanzung sei das Herzstück des Obst- und Gartenbauvereins. Dr. Anneliese Brunn dankte allen, die sich bislang für die Pflanzung engagierten. Eine solche gepflegte Anlage sei schon eine Seltenheit, so Kreisvorsitzender Otto Müller. Es sei schön, dass die Menschen soviel Freude daran hätten, die alten so zu pflegen. Walter Trumpfheller sei es gewesen, der die kleinen Ortsvereine Ende der 50er Jahren wieder zu neuem Leben erweckt habe. Müller wünschte den Besitzern der Pflanzungen auch weiterhin »viel frisches und gesundes Öko-Obst«. Der Grundgedanke damals, so Bürgermeister Matthias Weitzel, sei die Selbstversorgung an frischem Obst gewesen. Damals habe es in Geschäften noch kein solches Angebot wie heute gegeben. Er dankte den Obstbaumpflegern, die mit ihrer Arbeit auch für eine schönere Ergänzung der Landschaft sorgten. Vor 50 Jahren, so Ortsvorsteher Ewald Schmidt, seien in der Gemarkung Ruppertenrod zwei Obstanlagen angepflanzt worden. Aber die Gründe, eine solche Plantage anzulegen, seien ganz andere gewesen als die heutigen in Hinblick auf den Erhalt. Die Vorfahren hätten ganz andere Lebensumstände und eine ganz andere Beziehung zum Baum und im Besonderen zum Obstbaum gehabt. Grundsätzlich seien die Menschen der Natur auch um ein Vielfaches näher gewesen. Sie seien damals im Gegensatz zu heute noch abhängiger von ihrer unmittelbaren Umwelt gewesen. Die Menschen seien Selbstversorger gewesen, sie hätten alles, Fleisch, Eier, Milch, Getreide, Gemüse und Obst selbst produziert, Alles sei aus den eigenen Ställen oder vom eigenen Land und Garten gekommen. Und es sei alles verwertet worden. Daraus werde ersichtlich, welche Bedeutung einst der Ertrag der Obstbäume für die Ernährung der Menschen gehabt habe. Heute sei das heimische Obst kaum oder nicht mehr gefragt. Klar sei auch, so Ortsvorsteher Schmidt, dass sich das Ernährungsverhalten stark geändert habe und dass man sich dies zumeist auch finanziell leisten könne. Aber was machten die Deutschen, wenn ihnen infolge irgendeiner Katastrophe das Ausland kein Obst mehr liefere? Heute werde vielfach teuer »Bio« eingekauft, aber wie sicher sei das wirklich?, frate der Ortsvorsteher. Aus den heimischen Gärten oder vom Baumstück bekomme man mit etwas Arbeit Bio pur. »Hoffentlich wird unsere Jugend zum Umdenken kommen«, schloss Ewald Schmidt seine Ansprache. Für 50 Jahre Mitgliedschaft wurden vom Landesverband geehrt: Werner Frank, Werner Bast, Gustav Kratz, Werner Kratz, Kurt Kratz, Erich Schmidt, Alfred Richber (er war Schriftführer und lange Jahre im Vorstand tätig und eine Stütze des Vereins), Johann Pöffl und Hugo Orth. Von der Gründerzeit liegt noch ein handgemalter Pflanzplan vor, der zur allgemeinen Einsichtnahme ausgehängt war. Die Vorstandsmitglieder, die vor 50 Jahren den Verein führten, hatten nach der erfolgreichen Pflanzung der 1425 Bäume gemeinsam ein Gedicht verfasst. Insgesamt konnten 60 Personen ein Baumstück erwerben und über jede einzelne Person oder Familie wurde ein Reimvers zu einem großen Gedicht verfasst. Werner Kratz trug dieses Werk vor, welches doch so manchen Lacher auslöste. Ebenso wurden sich noch viele Anekdoten aus längst vergangenen Jahren erzählt und es war ein wirklich schöner Tag bei herrlichem Wetter.

Auszüge aus dem Gedicht über Gründung der Obstanlage mit 1425 Bäumen

»Wie alles ist in dieser Welt, wird alles neu heut' umgestellt. Bereinigt wird die ganze Flur, man greif hart ein in die Natur. Verflossen sind jetzt sieben Jahr, seitdem das Thema Feldbereinigung war. So mache Täler, so manche Höhn - im neuen Kleid - jetzt sind sie schön. Auch Hecken, Sträucher, Raine müssen weichen und mancher Obstbaum darf nicht bleiben.

So lautet des Gesetzes Macht, ein Herr von Altenburg, der sprach's vom Fach. Trumpfheller wird er genannt, als Gartenbau-Inspektor wohl bekannt. Er sprach von Äpfel, Kirsch und Pflaume und peilt so manches übern Daume. Erzählt von Meterstamm und Spindelbusch, he hat e ganz vortrefflich Gusch. Die alten Bäume wollt er vernicht und sagt: auf die kann man verzichte. Ihr Männer packt doch die Courage und schafft e neue Obstplantage.

Der Herr Inspektor macht sich große Müh und malt's auch an die Tafel hie. Do konnten die Ruppertenröder sich's begucke, er glaubt, sie tätens eher schlucke. Es gebt auch Zuschuss, wohlgemerkt - das hat die Kerle dann bestärkt. Das war der Anfang - und dann schnell, waren 44 Mann zur Stell. Kulturamt Lauterbach ward verständigt, zwei Teilstücke wurden ausgehändigt. Bettwies und Buschen wurden genannt, als gute Lage anerkannt.

Geplant wird weiter ganz famos, die Stückchen werden nicht so groß. Sechs Meter breit und sechzig lang, so groß wird jedem sein Gewann. Die Stücke wurden nummeriert und durch Verlosung zudiktiert.«

Es folgen an dieser Stelle die Sprüche über die einzelnen Besitzer. Und weiter heußt es danach im allgemeinen Text: »Und in Richtung Ende hin heißt es dann: Die Bäume kamen es drängt die Zeit, noch war das Acker nicht soweit. Kuhgespanne sollten dann - ackern jedem sein Gewann. Doch das passt nicht in die Zeit, die Schlepper standen schon bereit. Roter Fahr und Fendt so grau - zogen Furchen durch die Au.

Doch da gab's ein groß Mahlheur - Fendt lag im Loch und konnt net mehr. Rudolf grinst mit Vergnügen: ‘Dich lass ich im Loch nicht liegen' und mit vereinter Kraft - de August hot wie well gepafft - ist der Fendt dann freigekommen, hat's Rennen wieder aufgenommen.

Der grüne Deutz und die zwei Bautze, dere dann so weirergauze. Die Fräs, die sollt dann weirermache, dem Wilfried warsch aber gleich zum Lache. Es war net veil debei profitiert. Zum Abschluss hots der Schön mit de Gäul prowiert. Aach doas, das hat kein gruße Zweck, die Gäul, die stake deif im Dreck. So brochte kaum die Boa eraus, so säht de Schön »Aweil es aus!«

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