22. Juli 2021, 21:12 Uhr

Mit offenem Blick und freiem Geist

22. Juli 2021, 21:12 Uhr
Dorothée Tullius-Tomášek, Wolfgang Hengstler und Meryem Sonday zeigten anschaulich die Bedeutung guter Zusammenarbeit. FOTO: PM

Er hat eine lange Tradition, der Weltreligionentag der Fachschaften Religion, Ehtik und PoWi an der Max-Eyth-Schule (MES), und er fiel auch in diesen pandemiegeschüttelten Zeiten nicht aus. In etwas kleinerem Rahmen als gewöhnlich trafen sich Anfang Juli die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 des Beruflichen Gymnasiums (BG) der Europaschule mit Vertreterinnen und Vertretern der drei Weltreligionen, dem Christentum, dem Islam und dem Judentum.

Das Ziel dieser Begegnung: die Religionen über ihre Menschen kennenlernen, über die Bedeutung auf das tägliche Leben über Dialog und Austausch statt theoretischer Abhandlungen. Dabei sollte es nicht nur darum gehen, was die Unterschiede sind, sondern auch, was ganz ähnlich ist, und vor allem auch darum, was verbindet.

Für Schulleiter Friedhelm Walther war schon die Tatsache, sich wieder in einem solchen Rahmen treffen zu können Grund zur Freude, als er am Freitagmorgen Schüler und Referenten begrüßte. »Interkultureller Dialog, miteinander statt übereinander reden, sich kennenlernen und gegenseitigen Respekt üben sind wichtiger denn je«, so Walther, der weiß, wovon er spricht.

An seiner Schule finden Tag für Tag Menschen aus 30 Nationalitäten und mindestens den drei hier besprochenen Religionen zusammen - interkultureller Austausch findet also täglich statt. Nichtsdestotrotz biete gerade der Weltreligionentag die Gelegenheit für eine Vertiefung. Walther lud die Schülerinnen und Schüler dazu ein, mit offenem Blick und freiem Geist unvoreingenommen in die Gesprächsrunden zu gehen.

Organisiert wurde diese Veranstaltung wie bereits in der Vergangenheit von Kathrin Landwehr, Jugendreferentin im Katholischen Dekanat Alsfeld, Aegidius Kluth, Lehrer für katholische Religion an der Max-Eyth-Schule, und Christine Schellhaas, evangelische Schulseelsorgerin an der Max-Eyth-Schule.

Warum glaubt jemand?

Kathrin Landwehr betonte die Bedeutung eines persönlichen Zugangs zu den verschiedenen Religionen nach ihrem Bezug zum Lebensalltag. »Das kann man nicht googlen und nicht theoretisch erfassen«, so ihre Einschätzung. Im Rahmen einer kleinen morgendlichen Aufstehübung ermittelte sie, dass Religion und Glaube durchaus auch in der Schülerschaft des BG eine Rolle spielen, ebenso wie Toleranz im Miteinander.

Warum glaubt jemand? Welche Bedeutung hat Glaube für den Alltag? Was sagt die Religion zu welchen Themen und wie lebt man dies oder steht im Konflikt dazu? All das konnten die Schülerinnen und Schüler nun einen ganzen Vormittag mit Schwerpunk auf die Themen Liebe und Partnerschaft, Tod und Sterben sowie Zusammenleben in drei rotierenden Gruppen besprechen. Aus dem Christentum standen dafür Dorothée Tullius-Tomášek, Pfarrerin in Ober-Breidenbach und Strebendorf, Eva-Maria Pentzek von der Evangelischen Stadtmission in Alsfeld und Bruder Pascal vom Franziskanerkloster auf dem Fuldaer Frauenberg zur Verfügung.

Das Judentum wurde von Wolfgang Hengstler von der Jüdischen Gemeinde Fuldas vertreten sowie von Thorsten Schmermund aus der Jüdischen Gemeine in Marburg. Für den Islam waren mit Türkan Otkan und Meryem Sonday zwei junge Frauen aus der Moscheegemeinde Stadtallendorf nach Alsfeld gekommen. Sie alle freuten sich auf den Austausch mit den Schülerinnen und Schülern der Max-Eyth-Schule.

Und die hatten nach eigenem Bekunden einen mehr als interessanten Vormittag: Alle Referenten seien für alle Fragen offen gewesen - auch provokante oder tabuisierte - und keine Antworten schuldig geblieben.

Öffentliche Anfeindungen

Eine Schülerin, die selbst Atheistin ist, war froh, einmal so ausgiebig über die Religionen zu sprechen. Ein Schüler zeigte sich überrascht davon, dass muslimische Frauen keineswegs gezwungen sind, ein Kopftuch zu tragen, sondern dies aus freien Stücken tun. Eine weitere Schülerin hatte auch über das Christentum Neues gelernt: den völligen Verzicht auf Besitz beispielsweise, den der Franziskanermönch lebt. Andere wiederum zeigten sich erschrocken und erstaunt darüber, dass Angehörige des Judentums oder des Islam, die ihre Religionszugehörigkeit offen zeigten, etwa durch Kippa oder Kopftuch, offen angefeindet würden. Insgesamt sei ihnen, die Multikulturalität jeden Tag in ihrer Europaschule lebten, noch einmal klar geworden, wie sehr Religion auch in den Alltag und damit auf das soziale Miteinander der Menschen wirkt. Wie wichtig es sei, Dinge zu hinterfragen, die man nicht versteht, und wie bedeutend der Dialog. »Dass die Schule einen solchen Tag anbietet, ist ein großes Glück«, so eine Einschätzung von Seiten der Schülerinnen und Schüler. Insgesamt lobten sie auch die gute Organisation des Tages und die Auswahl der Referenten, die ihrerseits voll des Lobes für das Interesse der jungen Erwachsenen an der Max-Eyth-Schule waren. Sie hätten mir ihren Fragen, viel Mut und große Offenheit bewiesen, so Bruder Pascal - eine Einschätzung, der sich die anderen Vertreter der Religionen unisono anschlossen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Christentum
  • Evangelische Kirche
  • Franziskanermönche
  • Islam
  • Judentum
  • Katholizismus
  • Mut
  • Pfarrer und Pastoren
  • Religionen
  • Religionszugehörigkeit
  • Vogelsberg
  • Weltreligionen
  • Alsfeld
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos