29. Juli 2021, 21:13 Uhr

Mehr Sicherheit angestrebt

Zwei schwere Verkehrs- unfälle, gefährliche Überholmanöver auf der Kreuzung, Beinaheunfälle - die Liste der Vorkommnisse an der Kreuzung bei Atzenhain am Reitplatz ist lang. In der Bevölkerung wird heiß diskutiert, Kommunalpolitker wollen mehr Sicherheit. Nach einem Ortstermin mit Behördernvertretern scheint jetzt Besserung in Sicht.
29. Juli 2021, 21:13 Uhr
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Von Rolf Schwickert
An der Kreuzung haben Angehörige nach einem schweren Unfall ein Herz und eine kleine Laterne aufgehängt.

Ein Herz und eine kleine Laterne hängen am blauen Autobahnschild. Sie weisen auf einen schweren Unfall an der Kreuzung bei Atzenhain hin, die nach Merlau, Bernsfeld und Lehnheim führt. Im ersten Halbjahr gab es noch einen zweiten schweren Unfall, und vor diesem Hintergrund ist man sich unter Kommunalpolitikern und in sozialen Medien einig: Es muss etwas passieren. Denn Mücker Bürger berichten davon, dass sie wegen der Raser auf der Strecke die Straße meiden, Angst haben, wenn ihnen einer extrem dicht auffährt, oder wenn sie gar im Kreuzungsbereich überholt werden. Die Meinungen, was dagegen unternommen werden kann, sind breit gefächert, sie reichen von einer besser sichtbaren Geschwindigkeitsreduzierung über Stoppschilder bis hin zum Bau eines Kreisverkehrs.

In der Kommunalpolitik tauchte das Thema »Sichere Verkehrsführung an der Kreuzung bei Atzenhain« als gemeinsamer Antrag aller Fraktionen auf. Dazu begründete Ottmar Traum (SPD) namens der Antragsteller, nach zwei schweren Verkehrsunfällen müsse etwas passieren. Hessen Mobil sollte aufgefordert werden, etwas zu tun, um weiteren schweren Unfällen vorzubeugen. Es wurde auch der Bau eines Kreisverkehrs angeregt.

Bürgermeister Andreas Sommer berichtete dazu, man habe demnächst einen Ortstermin und die Unfallzahlen ausgewertet. Gemeinsam werde man prüfen, wie es weitergehen könne. Als Möglichkeiten nannte er, das Tempo weiter deutlich zu drosseln, die Tempobegrenzungsschilder auch weiter vor der Kreuzung aufzustellen, und dass der querende Verkehr gegebenenfalls Stoppschilder bekommen könne. Dr. Udo Ornik (Grüne) sagte für seine Fraktion, ein Kreisverkehr könne auch zu tödlichen Unfällen führen (passiert vor Jahren am Kreisverkehr vor der A 5), man sollte sich auf dieses Modell nicht zwingend festlegen, sondern ergebnisoffen diskutieren.

Letztlich kam man einstimmig zu Maßnahmen, die im Nachgang mit einem Behördentermin getroffen werden sollten.

Schilder werden im August versetzt

Nach dem Treffen dieser Tage wird jetzt schnell reagiert. Dennis Schultheiß, Leiter des Ordnungsamtes von Mücke, hatte an dem Termin mit der Polizei und Hessenmobil an der Kreuzung teilgenommen, und Bürgermeister Andreas Sommer stellte vor diesem Hintergrund jetzt konkrete Maßnahmen in Aussicht. So soll in einem ersten Schritt die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Landesstraße zwischen Lehnheim und Bernsfeld vor der Kreuzung deutlich modifiziert werden.

Dort ist zwar schon eine Begrenzung auf Tempo 70 installiert, aber zum einen stehen diese Schilder erst sehr kurz vor der Kreuzung, und zum anderen waren sie teilweise durch Bewuchs schwer einsehbar. Jetzt sollen Schilder weiter in den Außenbereich gezogen werden, von zusätzlichen 150 Metern war nach dem Ortstermin die Rede. Die Schilder sollen noch im Laufe des Augusts umgesetzt werden. Danach wird die Gemeinde Mücke mit Geschwindigkeitskontrollen überprüfen, ob eine Besserung eingetreten ist.

Kreisverkehr dauert zu lange

Was diese Messungen anlangt, so hat die Gemeinde keine Vergleichswerte aus der Vergangenheit. Ab August kann nur überprüft werden, ob sich die Autofahrer an die Tempobegrenzung halten. Denn bislang kann dort mit den aktuellen Anlagen nicht gemessen werden, und zum anderen ist die Distanz zwischen Begrenzung und Kreuzung zu gering, eine Messung ginge rechtlich nicht. Jetzt wird beides geändert.

Was das Thema Kreisverkehr anlangt, so sehen Sommer und Schultheiß zwar grundsätzlich eine Möglichkeit, aber eine Planung dazu würde sehr lange bis zur Umsetzung dauern. Zudem stelle sich die Frage nach der Notwendigkeit, und wegen der Straße als Autobahnzubringer sollte die Landesstraße als Vorfahrtsstraße durchgängig bleiben.

Was den Ablauf der jetzt anstehenden Maßnahmen anlangt, so wird eine Anordnung dazu von Mücke ausgehen, die Umsetzung obliegt dann der Straßenmeisterei, das Land Hessen übernimmt dabei die Kosten. Für Mücke sieht dieser Teil der Veränderung sehr günstig aus. Das ist ebenso im zweiten Schritt, der Geschwindigkeitsmessung zu erwarten. Denn Mücke kontrolliert ja im Nachgang der neuen Beschilderung mit Radarmessungen den Effekt mit gemieteten Anlagen. Der Dienstleistungsvertrag dazu ist nach Angaben von Schultheiß nur unwesentlich teurer, in der kommenden Woche ist bereits eine Schulung vorgesehen. Denn bei Nutzung der gemieteten Radaranlagen muss immer ein Gemeindebediensteter dabei sein.

Bürgermeister Sommer hofft auf eine Verbesserung durch die jetzt schnell umzusetzenden Maßnahmen, aber er meint auch: »Es wäre schlecht, wenn wir das abschließend sehen. Denn es sind immer schwere Schicksale mit Unfällen verbunden. Wir werden das weiter beobachten und reagieren, wenn keine Besserung eintritt.«

Was eine stationäre Radaranlage anlangt, so ist dieser sehr hohe Aufwand noch nicht erwogen worden. Dabei ist man zudem von einer Prüfung durch die Polizeiakademie Hessen abhängig.



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