30. März 2021, 21:58 Uhr

Mehr Platz für Städter schaffen

Wir müssen neue Wege im ländlichen Raum gehen - dafür steht Feldatals Bürgermeister Leopold Bach. Zur Halbzeit seiner Amtszeit spricht er über einen schweren Start, die Freude am Job und Werbung für das schöne Leben auf dem Land.
30. März 2021, 21:58 Uhr
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Von Joachim Legatis

Wie fällt Ihre Bilanz zur Hälfte der Amtszeit aus?

Der Anfang war nicht einfach, da habe ich ein schweres Erbe angetreten. Zuvor gab es eine Krankheitsvakanz von eineinhalb Jahren. Erfreulicherweise hat das der 1. Beigeordnete überbrückt, das war eine tolle Leistung. Natürlich konnte er nicht alles abarbeiten, weil er das ehrenamtlich gemacht hat. In der Anfangszeit war es hilfreich, drei Amtskollegen im Gemeindeverwaltungsverband zur Seite zu haben. Da konnte ich schnell jemanden fragen, wie man eine Aufgabe am besten angeht. Zum Beispiel, ob eine eingehende Rechnung am besten von der Person bearbeitet wird, die den Brief geöffnet hat. Da ging es viel um das Handwerkliche im Rathaus.

Was waren denn die dicken Brocken?

Da gab es mehrere, ein Beispiel: Wir haben das Bauprogramm final abgerechnet. Dabei geht es um zahlreiche Maßnahmen, die im Jahr 2000 für Kanal, Wasser und Straßen beschlossen worden sind. Die sind im Jahre 2015 das letzte Mal per Vorausleistungsbescheid abgerechnet worden. Vieles war noch offen. Darüber haben wir mehrfach im Gemeindevorstand gesprochen und schließlich entschieden, das Ganze bürgerfreundlich endabzurechnen. Wir haben nur etwa 60 Prozent der Summe auf die Bürgerinnen und Bürger umgelegt. Den Rest hat die Gemeinde aus allgemeinen Mitteln getragen.

Ließ sich das finanziell überhaupt machen?

Kommunalpolitik ist ein Marathonlauf, da muss man über Jahre hinweg denken. So hatte die Gemeinde Ende 2017 noch 5,1 Millionen Euro Schulden, Ende 2020 waren es nur noch 3,7 Millionen. Davon sind rund 900 000 Euro über die Hessenkasse getilgt, den anderen Teil haben wir selbst geschafft. Ich bin Jahr für Jahr durch alle Posten im Haushalt gegangen und habe bei manchen festgestellt, dass wir zu hohe Ansätze hatten. Die habe ich dann zusammengestrichen. Auch mit Fördermitteln haben wir viel erreicht, so im Schwimmbad, der Alten Synagoge, beim Zugang zum Rathaus und in der Feldahalle. Das sind Summen, die uns sehr gut tun.

Sind Sie zufrieden mit dem Erreichten?

Wir haben viel in die Infrastruktur gesteckt und dennoch die Schulden gesenkt. Ja, ich bin zufrieden. So konnten wir Grundsteuern und Gewerbesteuer senken und damit die Belastung für die Bürger verringern. Dabei haben wir viel geschafft. Die Geräte auf den Spielplätzen sind erneuert, die DGHs haben WLAN, es gibt Vereinsförderung.

Macht der Job eigentlich noch Spaß, wenn es so viele Baustellen zu betreuen gibt?

Meiner Meinung nach ist die kommunale Ebene die Königsdisziplin der Politik. Es gibt für mich kein schöneres Amt. Da kann man vieles mit den Bürgern direkt regeln, und es gibt gleich Lob und Tadel. Ich kann vor Ort in den Lebensmittelladen oder die Gärtnerei gehen und habe das Ohr am Bürger. Das ist jetzt allerdings durch Corona schwierig, da sitzt man viel im Büro und hat zum Beispiel eine Videokonferenz mit dem Verwaltungsstab des Kreises und diverse Telefonkonferenzen.

Feldatal ist eine besondere Gemeinde, weil sie ihre Verwaltung mit drei anderen Kommunen zusammengelegt hat. Wie gehen Sie mit der Kritik um, dass die Personalkosten nicht gesunken sind?

Ich bin erst Bürgermeister geworden, als der Gemeindeverwaltungsverband schon gegründet war. Meine Kollegen sagen, es sei nie angekündigt worden, dass alles billiger wird. Im Verband geht es um Effizienzgewinn. Dafür haben wir großes Lob aus Wiesbaden erhalten. Wir bewältigen steigende Aufgaben mit dem vorhandenen Personal. Wir brauchen heutzutage Fachleute in der Verwaltung, zum Beispiel in der Bauverwaltung und bei den Finanzen, sonst ist das kaum zu schaffen. Mit unseren Bau-Experten müssen wir bei der Bauplanung nicht mehr ein teures Fachbüro beauftragen.

Feldatal bleibt dennoch eine kleine Landgemeinde. Wohin geht der Trend?

Wir müssen neue Wege im ländlichen Raum gehen, das fängt bei Kleinigkeiten an. So ist für mich ein Vorteil, dass ich jeden Tag aus Wahlen an meinen Arbeitsplatz fahre und dabei einen frischen Blick auf die Dinge bekomme. Zuhause kann ich ganz gut abschalten, allerdings ist das Mobiltelefon der größte Feind der Familie. Entscheidend für die Zukunft wird sein, dass wir eine gute Infrastruktur haben. Für die Arbeit gehören Glasfaserleitungen dazu, deshalb habe ich mich dafür eingesetzt, dass die Firma TNG bei uns ein Angebot macht. Dann können wir ältere Immobilien auch mal als Gemeinschaftsbüros herrichten.

Das schafft man aber nicht alleine?

In Feldatal habe ich viele gute Mitstreiter. Als die Chance eröffnet wurde, einen Bürgerbus vom Land finanziert zu bekommen, habe ich mit Michael Schneider gesprochen. Der hat das mit weiteren Aktiven beredet, und nun läuft der Einkaufsservice für Senioren über das Bürgerbus-Team. Auch Rudi Falk mit der XXL-Bank oberhalb von Groß-Felda zeigt, dass die Gemeinde von engagierten Leuten lebt.

Wie macht man eine Landgemeinde wie Feldatal zukunftsfähig?

Wir haben viel für eine positive Außendarstellung auf digitalen Plattformen gemacht. Ich bin da sehr für Transparenz. Ich stelle viel auf die Facebook-Seite und Instagram, wir haben einen Newsletter auf Telegram, und die Internetseite der Gemeinde ist komplett überarbeitet. Es freut mich, wenn sich junge Familien dafür interessieren, hier zu bauen, weil sie über das Internet auf die Stärken der Gemeinde aufmerksam werden. Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass mehr Städter das schöne Leben auf dem Land genießen wollen. Dafür brauchen wir Bauplätze und gute Infrastruktur im Ort.

Wo steht Feldatal in drei Jahren?

Idealerweise haben wir entschieden, wo Baugebiete entstehen. Wir sind in das Dorferneuerungs-Programm IKEK aufgenommen und stehen finanziell gesund da. Und die Infrastruktur vom Lebensmittelgeschäft bis zu Wanderwegen ist erhalten geblieben.



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