07. September 2021, 21:46 Uhr

Laufen für den Glauben

Es wird eine Auszeit und hat doch etwas mit Arbeit zu tun: Dekanin Dr. Dorette Seibert nimmt eine Studienzeit wahr und lädt in dieser Zeit zum Pilgern im Vogelsberg ein. Angesprochen ist jeder, Konfession egal. Morgen geht es los.
07. September 2021, 21:46 Uhr
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Aus der Redaktion
Eine Szene von der Frühlingswanderung. Nun lädt Dorette Seibert (r.) alle Menschen ein, mit ihr den Vogelsberg zu entdecken. FOTOS: PM

Sie ist dann mal weg - oder auch nicht, je nachdem, wo man sie sucht: Dr. Dorette Seibert, Dekanin im evangelischen Dekanat Vogelsberg, geht in Studienzeit. Pfarrern der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) stehen diese Wochen zu, wenn sie seit mindestens zehn Jahren in der Landeskirche beschäftigt sind oder ihre letzte Studienzeit länger als zehn Jahre zurückliegt. Eine Studienzeit dient dazu, die bisherige Praxis zu reflektieren, eigenes Wissen zu vertiefen und Anregungen für die künftige Arbeit zu gewinnen. Damit bietet sie eine »schöpferische Pause«. Seibert wird diese Pause gut nutzen - gemeinsam mit allen Menschen, die sich daran beteiligen wollen: Unter dem Motto »Gehen wir’s an!« lädt sie ein zum Vogelsberg-Pilgern. Vom 9. September bis zum 8. Oktober hat sie vier Stationen im Vogelsberg im Visier. Über ihre Beweggründe sprach sie mit der AAZ.

Sie sind gebürtige Wallenröderin und vor gut zwei Jahren als Dekanin des evangelischen Dekanats Vogelsberg in Ihre Heimat zurückgekehrt. Was bewegt Sie dazu, die Region jetzt auf diese besondere Weise zu entdecken?

Wenn ich daran zurückdenke, was ich mir ursprünglich für die erste Zeit als Dekanin im Vogelsberg vorgenommen habe, so ist doch einiges offen geblieben. Ich wollte viel stärker in Kontakt und im Gespräch mit den Menschen im Dekanat sein. Die Corona-Pandemie hat viele Begegnungen und auch vieles an Austausch erschwert oder sogar unmöglich gemacht. Pilgerwege thematisieren zugleich das gemeinsame Unterwegssein und fördern das gemeinsame Nachdenken über Glaubens- und Lebensfragen. Das Pilgern bringt für mich beides zusammen: die Möglichkeit der persönlichen Begegnung und die Offenheit für die spirituelle Dimension des Lebens.

Es stehen vier Routen auf Ihrem Plan: Der Lutherweg, die Bonifatius-Route, das Felsenmeer und Fraurombach - wie haben Sie die Strecken ausgewählt, und gibt es eine, auf die Sie sich besonders freuen?

Die Auswahl hat damit zu tun, dass ich gerne in ganz unterschiedlichen Regionen des Dekanats unterwegs sein möchte und mich darauf freue, Wege kennenzulernen, die ich bisher noch nicht gegangen bin.

Ich habe keinen besonderen Favoriten, wenn Sie das meinen. Ich freue mich aber nicht nur auf die Wege, sondern ganz besonders auf die, die mich auf diesen Wegen begleiten. So wird zum Beispiel bei der zweiten Wanderung Hedwig Kluth vom katholischen Dekanat dabei sein. Diesen Weg werden wir also bewusst ökumenisch gehen. Auch einige Bürgermeister unseres Dekanats werden sich an einzelnen Tagen anschließen. Wir sind gemeinsam unterwegs und haben unterschiedliche Perspektiven auf den Glauben und das Leben hier im Vogelsberg. Darüber ins Gespräch zu kommen - oder einfach nur den gemeinsamen Weg in unserer schönen Landschaft zu genießen, offen sein für Gott, den Nächsten und den Weg. Es gibt viele Möglichkeiten, gemeinsam zu pilgern, aber es gibt keine feste Tagesordnung.

Sie laden alle Menschen ein, sich Ihnen anzuschließen - was haben Sie für Ihre Mitpilger vorbereitet?

Für die organisatorische Vorbereitung möchte ich mich an dieser Stelle ausdrücklich bei unserem Mitarbeiter im gemeindepädagogischen Dienst, Holger Schäddel, bedanken. Er hat die Routen, die Rastplätze und die Möglichkeiten zum Rücktransport an die jeweiligen Ausgangspunkte im Vorfeld zusammengestellt und alles Notwendige organisiert. Ich brauche dann nur ein paar geistliche Anregungen für den Tag im Gepäck, offene Ohren, Augen und ein offenes Herz für den Weg, die Menschen und Gott.

Die Pilgerwanderungen dienen ja auch dazu, in einen Austausch über Gott, die Welt und den Vogelsberg zu kommen. Was erhoffen Sie sich davon?

Ich erhoffe mir, ein deutlicheres Gespür dafür zu entwickeln, wie die Menschen hier im Vogelsberg zu ihrer Kirche stehen, und freue mich auf Impulse für die Entwicklung unseres kirchlichen Lebens. Nur gemeinsam können wir Kirche in unserem Dekanat gestalten - ich freue mich auf Anregungen!

Ihre Studienzeit währt sechs Wochen - was haben Sie außerhalb der Pilgerwanderung vor, um diese Zeit sowohl als schöpferische Pause als auch Zeit für neue Impulse zu nutzen?

Ich werde mich auch selbst einer Pilgergruppe anschließen, eine Fortbildung besuchen und hoffentlich viel lesen. Darauf freue ich mich sehr.



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