29. April 2021, 22:11 Uhr

Kosten verdreifachen sich

Die fast endlose Geschichte der Wassersuche in Ulrichstein neigt sich dem Ende entgegen. Ein Leck im Brunnenschacht verzögert die Fertigstellung des Brunnens am Hochbehälter der Kernstadt noch einmal. Doch in vier Wochen soll das Wasser sprudeln. Die Kosten sind allerdings auf das Dreifache gestiegen.
29. April 2021, 22:11 Uhr
legatis_jol
Von Joachim Legatis
Rüdiger Schneider vom Bauhof (l.) und Bürgermeister Edwin Schneider am neuen Brunnen für die Kernstadt. Durch die blaue Leitung soll das Wasser nach dem Endausbau zum Hochbehälter im Hintergrund gepumpt werden. FOTO: JOL

Dass Ulrichstein auf dem Trockenen sitzen könnte, das hat ihm schon schlaflose Nächte bereitet. Doch inzwischen ist Bürgermeister Edwin Schneider guten Mutes, dass in rund vier Wochen der neue Brunnen endlich in das Wassernetz der Kernstadt einspeist. Aktuell muss noch ein Leck im Brunnenrohr geflickt werden, dann kann die Pumpe eingesetzt und die Leitung angeschlossen werden. Am Ende werden die Baukosten bei rund einer Million Euro liegen - geplant waren ursprünglich einmal 300 000 Euro.

Eigentlich sollte der Brunnen schon lange fertiggestellt sein, wie Schneider beim Ortstermin erläuterte. Nach den mühseligen Bohrarbeiten und dem erfolgreichen Pumpversuch war der Endausbau im Sommer vergangenen Jahres gestartet. »Das sollte eigentlich im Oktober oder November fertig sein«, berichtet Schneider. Doch es gab Probleme, schon das Herausziehen der Stahlrohre, die eingesetzt wurden, war schwierig. Manche Teile hatten sich offenbar verkantet. »Die mussten mit schwerem Gerät herausbefördert werden«, erläutert Rüdiger Schneider vom Bauhof. Die Winterpause verzögerte die Arbeiten weiter.

Lücke zwischen Filterrohren

Immerhin sind nun die Filterrohre in das Bohrloch geschoben worden. Diese gelochten Röhren mit einem Durchmesser von 194 Millimetern reichen bis in eine Tiefe von 179 Metern hinab. Um die Röhre herum wurde feinkörniger Filterkies eingebracht.

Doch es gab eine weitere Schwierigkeit, wie schon so oft in der Vergangenheit an der Baustelle. Zwischen zwei Röhren-Segmenten in 58 Metern Tiefe hat sich aus unerfindlichen Gründen eine Lücke von etwa drei Zentimetern aufgetan. Die Folge war, dass Filterkies in den Brunnenschaft hineinrieselte. Bald lag eine neun Meter dicke Kiesschicht auf der Sohle. »Das musste erst einmal mit einer speziellen Greifvorrichtung hochgeholt werden«, erzählt Rüdiger Schneider.

Der Spalt wird mit einer Manschette verschlossen, die extra angefertigt wird. »Sie wird eingepasst und mit Kunstharz verklebt«, sagt Edwin Schneider. Das soll in den nächsten Tagen geschehen.

Erst danach kann die Pumpe in das Rohr herabgelassen und mit einer Steigleitung verbunden werden. Die Teile liegen im Bauhof bereit. Dessen Mitarbeiter haben den Sockel für den Brunnenkopf betoniert und die Wasserleitung zum Hochbehälter verlegt. Der Bürgermeister rechnet damit, dass die Arbeiten bis Anfang Juni abgeschlossen sind.

Dann wäre eine langwierige Wassersuche zu einem glücklichen Ende gekommen, wenn auch zu deutlich höheren Kosten als anfangs gedacht. Im September 2018 haben die Bohrarbeiten begonnen, doch die Geschichte des Brunnens beginnt schon früher. Denn der Platz für die Bohrung wurde mit einer ungewöhnlichen Untersuchungsmethode gefunden, was einige Diskussion ausgelöst hatte. Experten der Firma retagg haben nach wasserführenden Klüften im Untergrund gesucht und waren erstaunlich genau in ihren Prognosen, wie Bürgermeister Schneider erfreut feststellt.

»Die Geologen haben uns damals gesagt, hier gibt es kein Wasser.« Mit einem Brunnen direkt auf dem städtischen Areal wollte man die hohen Kosten für eine lange Leitung zu einem entfernten Brunnen einsparen. Doch schon die Bohrung dauerte länger als geplant, immer wieder verzweifelten die Arbeiter am Untergrund. »Das waren schwierige Zeiten«, erinnert sich der Bürgermeister. Die Expertise von retagg war aber erstaunlich genau. In den angegebenen Tiefen floss Wasser in das Bohrloch. Allerdings nicht so viel wie erhofft. »Ein Pumpversuch über mehrere Monate hat ergeben, dass wir drei Liter pro Sekunde entnehmen können, das reicht«, sagt Schneider. Der Anschluss an den Rebgeshainer Brunnen bleibt allerdings zusätzlich erhalten, um Trockenperioden zu bewältigen.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos