26. März 2021, 21:50 Uhr

Kleine Meerjungfrau trifft Ali Baba

26. März 2021, 21:50 Uhr
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Aus der Redaktion
Sphärisches Wasserwesen an den Erlen - kein Alltagsblick, doch wunderschön. FOTO: RUTH HENKEL

Alsfeld (pm). Man ist es in Alsfeld gewohnt, dass ab und zu ein Wolf oder ein Rotkäppchen um die Ecken der alten Häuser in der historischen Altstadt schauten. W aber sphärische Wesen am Erlenteich flanieren, eine Rattenfängerin am Grabbrunnen gesehen wird oder das Schneewittchen sich unter den Rathausbögen inszeniert, dann ist das mehr als ein historisches Spiel, dann treffen Mode und Kreativität auf alte Geschichten und junge Menschen. Die Auszubildenden im Maßschneiderhandwerk der Alsfelder Max-Eyth-Schule haben in diesem Jahr ihre Modenschau vom Laufsteg in den virtuellen Raum verlegt, die ganze Stadt wurde unter dem Motto »Märchen« ihre Bühne.

So gelang es den jungen Menschen und ihren Ausbilderinnen, der Pandemie, die noch im vergangenen Jahr die Modenschau, das Highlight in jedem Schuljahr, zunichtemachte, etwas Positives abzugewinnen: eine Aktion, die Umdenken und Flexibilität erforderte, die sich aber nachhaltig auf den Umgang der Auszubildenden mit Herausforderungen auswirken wird. Stephan Hanisch, Abteilungsleiter im Berufsfeld Textiltechnik und Bekleidung, zeigt sich erfreut von dem Engagement und Ideenreichtum der Schülerinnen und Schüler: »Zu der Ausbildung gehören auch Projektmanagement, Selbstorganisation und Kooperation«, erläutert er. All das konnten die jungen Menschen vor dem Hintergrund der Pandemie mehr als genug praktizieren: In diesem Jahr lernten sie überwiegend auf Distanz. Angeleitet von ihren Ausbilderinnen Maike Aschenbach, Susanne Fricke und Ruth Henkel, fertigten sie - mit Ausnahme der Prüfungsklassen, die unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln immer vor Ort waren - ihre Modelle zu Hause an. Und das ging erstaunlich gut, wie sie berichteten.

Volants und Kellerfalten

Wenn man bedenkt, dass es sich gerade im Maßschneiderhandwerk um eine sehr haptische Angelegenheit handelt, in der es viel zu zeigen und zu erklären gilt, sind die Ergebnisse auf außergewöhnlichem Niveau. Davon konnte sich während des Drehs in und um die Alsfelder Innenstadt nicht nur das Filmteam, die »zweikopf Agentur« aus Lauterbach, sondern auch die Crew des Hessischen Rundfunks überzeugen, die von der ungewöhnlichen und kreativen Aktion berichtet hat. Ihnen wie den Zuschauern erläuterte Schneidermeisterin Ruth Henkel die vielen Schmucktechniken, mit denen die Auszubildenden in akribischer und schier unendlich geduldiger Arbeit ihre Kreationen verschönt haben: Volants und handgefertigter Waffelsmok, Spitzen und Stickereien, Applikationen aus Pailletten, Kellerfalten, Borten - die Auswahl zeigt ein breites Spektrum der handwerklichen Fertigkeiten, die die Auszubildenden erwerben. Ganz gleich, ob auf diesem idyllischen Plätzchen, im Klostergarten, unter den Rathausbögen oder in den Erlen - die Auszubildenden präsentierten ihre Jahresarbeiten mit großer Freude und auch mit großer Professionalität. Die Modelle, die für die Modenschau entstanden sind, zeigen nicht nur die Vielfalt der Märchen, sondern auch die Individualität ihrer Schöpferinnen und Schöpfer, die gemeinsam mit ihren Ausbilderinnen ihre Stücke selbst entwarfen und zeichneten. Dabei gestatten sie auch einen Blick auf die Ansprüche in den unterschiedlichen Lehrjahren: Blusen und Hosen im ersten und zweiten Lehrjahr, aufwendige Ball- kleider, Jacken und Mäntel im dritten. Unnötig zu sagen, dass in diesem Jahr zu jedem Look der passende und oft reich geschmückte Mund-Nasen-Schutz gehörte.

Ab Freitag, dem 2. April, soll der Film auf der Website der Schule zu sehen sein. Unter www.mes-alsfeld.de schau2021 steht er allen Interessierten zur Verfügung.



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