02. Februar 2011, 17:20 Uhr

»Ich brauche den Freiraum als Wahlbeamter«

Kirtorf (ia). 40 Jahre Beschäftigung im öffentlichen Dienst: diese Wegmarke in der Laufbahn von Ulrich Künz (60), Bürgermeister der Großgemeinde Kirtorf, war am Dienstag Anlass zu einer kleinen Feier im Rathaus im Beisein von Vertretern der Kirtorfer Kommunalpolitik.
02. Februar 2011, 17:20 Uhr
Das Foto von der Urkundenüberreichung im Kirtorfer Rathaus zeigt von links Ersten Stadtrat Harald Bartel, Bürgermeister Ulrich Künz und Stadtverordnetenvorsteher Manfred Schaaf. (Foto: ia)

Kirtorf (ia). 40 Jahre Beschäftigung im öffentlichen Dienst: diese Wegmarke in der Laufbahn von Ulrich Künz (60), Bürgermeister der Großgemeinde Kirtorf, war am Dienstag Anlass zu einer kleinen Feier im Rathaus im Beisein von Vertretern der Kirtorfer Kommunalpolitik. »40 Jahre öffentlicher Dienst« von Ulrich Künz seien »ein Anlass, der das verdient«, so Erster Stadtrat Harald Bartel mit Blick auf die Feier in eher familiärer Atmosphäre. Der Dienst in einem öffentlichen Amt sei im Fall von Künz sogar geprägt vom Amt des Bürgermeisters, dessen 30-jähriges Jubiläum - »eine Seltenheit« - man ebenfalls schon habe feiern können. Künz sei mittlerweile der dienstälteste Bürgermeister in Hessen.

Der Erste Stadtrat rief chronologisch die einzelnen Stationen des Bürgermeisters in dessen Verwaltungslaufbahn in Erinnerung. Wie Bürgermeister Künz dabei ergänzend mitteilte, habe er die Ausbildung begonnen als Inspektoranwärter - »direkt in den gehobenen Dienst«. Bei der Stadt Grünberg sei dann diese Ausbildung, wie Bartel fortfuhr, beendet worden. Ulrich Künz habe somit 1971 den Eintritt in den öffentlichen Dienst »geschafft« und im Anschluss auch versucht, ein öffentliches Amt zu bekleiden. Er habe sich für das Amt des Bürgermeisters in Kirtorf beworben - »mit mehreren Kandidaten« -, und um diese Kandidatur erfolgreich abzuschließen. Wie damals üblich, sei Künz dann vom Parlament als Bürgermeister dieser Großgemeinde gewählt worden. Ein solches Amt für die Öffentlichkeit zu übernehmen, sei »schon etwas Besonderes«, würdigte Bartel den kommunalpolitischen Stellenwert des Bürgermeisteramts. Man sei in diesem Amt ja auch »stets auf dem Prüfstand« - zunächst bei den Stadtverordneten und dann letztlich nach jeder Wahlperiode bei den Bürgern, »ob die Menschen zufrieden sind mit der Leistung und auch der persönlichen Leistung«. Die Ergebnisse der Bürgermeisterwahlen hätten eindrucksvoll bestätigen können, »dass die Bürger in Kirtorf offensichtlich zufrieden sind mit der Leistung eines Bürgermeisters Ulrich Künz«.

Relativ schnell habe Künz auch seinen Lebensmittelpunkt in Kirtorf gefunden - zusammen mit seiner Frau und auch den Kindern, die nach und nach geboren seien. Künz habe somit die längste Zeit seines Lebens in Kirtorf verbracht, hob Bartel hervor. Er habe also nicht nur seine Arbeitsstelle dort gefunden, sondern, so Erster Stadtrat Bartel, »auch eine neue Heimat in der Stadt Kirtorf«. Nach 30 Jahren als Bürgermeister und nun 40 Jahren im öffentlichen Dienst sei das Amt als Bürgermeister noch nicht beendet: »Du bist noch voll im Saft und in der Verantwortung für die Stadt Kirtorf.« Und obwohl »einige kleine Versuche dazwischen« aufzuzählen seien, bei denen der Bürgermeister sich habe verändern wollen, könne er angesichts seiner Persönlichkeit und Leistung im Amt »mit Fug und Recht behaupten«, dass ihm dies auch niemand in der Stadt Kirtorf übel genommen habe: »Deswegen stehst Du nach wie vor genauso in einem positiven Licht.« Dies zeige, dass doch ein Stück weit mehr da sei als nur die Ausübung des Amtes, nämlich die »Anerkennung der Gesamtpersönlichkeit«. Den Ehrenamtlichen der Stadt, und dabei bezog sich Bartel selbst mit ein, mache es der Bürgermeister in der Ausübung ihres Amts relativ leicht. Künz lege eine Menge Arbeitsleistung an den Tag, nehme viel Arbeit ab - nicht nur in der Vorbereitung von Entscheidungen - und fülle nach den vielen Jahren seine Arbeitszeit sehr wohl aus, sehr früh morgens beginnend bis oft auch über die normale Dienstzeit hinaus. Nie habe man dabei ihm Kirtorf das Gefühl, zu kurz zu kommen. Die Dinge seien sehr wohl geordnet, und der Bürgermeister könne immer noch spürbar die Freude an seinem Amt nach außen transportieren: »Das macht irgendwo den Ulrich Künz aus.«

Geprägt sei der Bürgermeister auch von beseelter Harmoniebedürftigkeit, Unstimmigkeiten möglichst aus dem Weg zu räumen, und insbesondere Gerechtigkeit herzustellen. Diese Attribute seien mitunter auch von etwas Ungeduld begleitet, »aber durchaus einer angenehmen Ungeduld, die uns sehr wohl zugute kommt«. Namens der Bürger der Stadt Kirtorf und auch als Vertreter der Ehrenamtlichen dankte der Erste Stadtrat Ulrich Künz für dessen Leistungen und überreichte dem Dienstjubilar eine Anerkennungsurkunde des Magistrats »für die geleisteten treuen Dienste«. Bartel verband seine Dankesworte mit Wünschen für weiterhin Gesundheit und Kraft in diesem Amt. »Und ich denke, mit Gottes Hilfe wird dies auch gelingen.«

Gratulationen für das Dienstjubiläum von Ulrich Künz überbrachten auch Stadtverordnetenvorsteher Manfred Schaaf - mit Künz sei er, der bereits zehn Jahre früher kommunalpolitisch tätig gewesen sei, gemeinsam einen langen Weg gegangen. Dass der Bürgermeister viel aus Kirtorf gemacht habe, könne man überall sehen. Gerhard Immel, stellvertretender Fraktionsvorsitzender von FW/CDU, und auch die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD Kirtorf, Renate Schmidt gratulierten ebenfalls. Renate Schmidt meinte, wenn man auch nicht immer einer Meinung gewesen sei, »letztendlich rauft man sich zusammen und bringe auch gemeinsam etwas auf den Weg.«

Einen ausführlichen Rückblick auf seine bisherige Vita insbesondere mit Blick auf seine Karriere im öffentlichen Dienst und somit auch im Bürgermeisteramt gab dann, in bisweilen recht besinnlich gehaltenen Worten, der Geehrte selbst. Am 11. März vollende er sein 35. Wahlbeamtenjahr, was für das 40-jährige Dienstjubiläum mit von Belang sei. Dank sprach Künz auch an alle stadtpolitisch Verantwortlichen aus. Trotz seines starken parteipolitischen Engagements in der Kreis-CDU habe er sich in seiner Amtsführung und auch in der politischen Zusammenarbeit immer bemüht, »nicht sehr einseitig das politische Geschäft zu vollziehen. « Dies werde auch an den gemeinsamen politischen Inhalten, die in Kirtorf umgesetzt worden seien, deutlich und habe sich auch bezüglich der »atmosphärischen Stimmungslage« in der Stadtverordnetenversammlung durchaus bewährt.

Künz sprach auch einige Schwachpunkte an, die es in der Zukunft zu beheben gelte oder bei denen »neue Zeichen« gesetzt werden sollten, so bei der Innenstadtentwicklung der Kerngemeinde, die ihm »große Sorgen« bereite. Sein erklärtes Ziel für die nächsten Jahre sei daher: »Kirtorf muss ein Schmuckkästchen werden«. In diesem Sinne sei er auch bereit, in Gesprächen planerisch die Dinge voranzutreiben, dies vor dem Hintergrund der großen Unterstützung des Landes und auch des Bundes. Auch die Verbesserung der Arbeitsplatzsituation, damit die jungen Leute in der Region insbesondere des Altkreises Alsfeld verblieben, sei eine dringende Aufgabenstellung. Dazu bedürfe es aber der Anstrengung aller, die in der politischen Verantwortung stünden: »Das muss eine der wichtigsten Aufgaben in der Zukunft sein.«

Künz schloss seine Ausführungen mit Einblicken in seine ursprüngliche Aufgabenstellung im Bereich öffentliche Verwaltung, die er seit 1972 ausübt. Deutlich wurde dabei immer wieder, dass er als Bürgermeister von Anbeginn die fachliche Voraussetzung ins Amt mitbrachte. Er verfüge somit in Kirtorf auch über eine intakte Verwaltung«, der »Job« mache ihm ungebrochen Spaß, und als typischer Laufbahnbeamter hätte er es nicht so lange ausgehalten, obwohl er vielleicht höhere Besoldungen hätte erreichen könne. Tätigkeit zum Beispiel im Ministerium sei nicht so meine Welt, vielmehr liege ihm Wirken mit Freiraum als Wahlbeamter: »Dann lieber Bürgermeister in einer kleineren Gemeinde.« Diese Einstellung entspreche auch seiner Mentalität.

Einblicke in sein Gefühlsleben gewährte Künz dann auch bei kurzer Thematisierung seiner letztlich gescheiterten Kandidatur für das Alsfelder Bürgermeisteramt: »Doch eine persönliche Niederlage«, die er aber, so denke er, »ganz schnell weggesteckt« habe. Ausdrücklich in seinen Dank band Ulrich Künz auch seine Frau Helga mit ein, die mit viel Verständnis »bescheiden im Hintergrund« wirke, aber einem auch unter vier Augen manchmal »einen richtigen Weg« aufzeige. Eine solch lange Zeit schaffe man aber auch nur, wenn man über eine stabile Gesundheit verfüge, mit der er »bis jetzt gesegnet« sei, schloss Künz seine Dankesrede. Der Bürgermeister lud alle Anwesenden dann zu einer Feier in Ober-Gleen ein.

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